26.01.2012
Reutte

Politiker aus Heim zurückgepfiffen

VBM Elisabeth Schuster hätte sich gerne mehr ins Seniorenheim Reutte, das einen Millionenabgang zu verkraften hat, eingebracht – durfte aber nicht. GR Pfurtscheller forderte umsonst eine Budgetverfolgung.

Von Helmut Mittermayr

Reutte – Der überraschend hohe Abgang im Reuttener Seniorenheim „Zum guten Hirten“ ärgert die Ausschuss­obfrauen VBM Elisabeth Schuster (Soziales) und GR Elisabeth Pfurtscheller (Personal) persönlich. Die roten Zahlen, die im Jahr 2011 im Altenheim aufgelaufen sind, machen über eine Million Euro aus (die TT berichtete). Allein 650.000 Euro sind durch eine Unterbelegung der Betten angefallen, weil Pflegepersonal fehlte. Zimmer blieben trotz Anfragen einfach zugesperrt.

Dazu Vizebürgermeisterin Schuster: „Bürgermeister Alois Oberer hat mich im Mai des vergangenen Jahres dezidiert darauf hingewiesen, dass ich mein Engagement im Seniorenheim zurücknehmen muss. Die Politik habe sich dort herauszuhalten, waren seine Worte. Ich war damals fürchterlich enttäuscht. Mir dann Monate später eine E-Mail zu schicken, dass man das Sozialbudget wegen des Abgangs im Seniorenheim so nicht präsentieren könne, ist wohl ein Witz. Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Die volle Verantwortung liegt hier beim Chef und nicht bei mir“, wird Sozialausschussobfrau Schuster laut. Mehrere Male habe sie in den Monaten danach bei Oberer vorgesprochen und auf die Altenheimproblematik hingewiesen. „Immer hat es nur geheißen, ich soll mich da heraushalten“, zürnt Schuster. Abgänge in der Altenbetreuung seien prinzipiell hinnehmbar, „aber nicht in diesem Ausmaß“. Sie verweist darauf, dass es dort auch Zeiten mit schwarzen Zahlen gegeben habe. Seit zwölf Jahren ist Schuster als Obfrau politisch für das Seniorenheim zuständig, ehrenamtlich dort schon einige Jahre länger tätig.

Die Misere verfolgte auch Gemeinderätin Elisabeth Pfurtscheller, Obfrau des Personalausschusses. „Die Problematik war im Ausschuss natürlich großes Thema und hat uns seit dem Frühjahr 2011 beschäftigt. Seit Juni hatte die Heimleitung wegen des Personalmangels einen Freibrief, jede Person anzustellen, die sich bewirbt, ohne den langen Instanzenweg durch die Gemeindegremien gehen zu müssen. Nichts geschah. Erst zwei Monate später im August wurde die erste Annonce in einer Zeitung geschaltet“, wundert sich Pfurtscheller noch immer.

Die Diplomkauffrau erklärt, dass sie schon im Juni 2011 den Finanzausschuss auf die Problematik aufmerksam gemacht habe. „Ich habe geraten, im Altenheim eine dauernde Budgetverfolgung einzuleiten und in den Monaten danach mehrfach gefragt, was getan worden sei. Passiert ist überhaupt nichts, bis kurz vor Weihnachten plötzlich das offizielle Erwachen eingetreten ist“, sagt die Obfrau, die im Hauptberuf das ÖVP-Bezirksbüro leitet.

Der gerade bestellte Heimleiter Paul Barbist dürfte also von der ersten Minute an voll gefordert sein. Bürgermeister Alois Oberer will erst in der heutigen Gemeinderatssitzung im Zuge der Budgetdiskussion Stellung nehmen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 26.01.2012
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum