Stanzertaler fordern Mehrheit am Kraftwerk
Von Matthias Reichle
Stanzertal – Ist das Stanzertal-Kraftwerk eingeschlafen, oder handelt es sich um die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm? Die Bürgermeister jener Gemeinden, die am Energieprojekt beteiligt werden sollten, berichten von intensiven Verhandlungen hinter den Kulissen des geplanten Kraftwerks entlang der Rosanna. Wolfgang Widmann, Geschäftsführer des Projektentwicklungsbüros Infra und treibende Kraft hinter dem Unternehmen, bestätigt das: „Wir sind nahe an einem Abschluss.“ Noch gibt es aber kein definitive Zusage der Projektpartner, erklärt er. Die soll aber in wenigen Wochen folgen.
Die Infra hat inzwischen ein Beteiligungsmodell erarbeitet, um neben den Stanzertaler Gemeinden St. Anton, Pettneu, Flirsch und Strengen auch lokale Energieversorger mit ins Boot zu holen. Der Beteiligungsschlüssel sieht vor, dass sich die Kommunen mit 25 Prozent ins Kraftwerk einkaufen. Die Energie- und Wirtschaftsbetriebe St. Anton (EWA) sollen 16 Prozent, die Stadtwerke Imst 15 Prozent und die Tiwag 34 Prozent bekommen. Infra behält 10 Prozent der Anteile.
„Wir wollen aber kein Kraftwerk betreiben“, betont Widmann, „wir wollen die Wasserkraft, wo sie ökologisch, technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, fördern.“ Die 10 Prozent sollen deshalb bei Inbetriebnahme verkauft werden – ein Vorkaufsrecht haben die Gemeinden, die EWA und die Stadtwerke Imst – in dieser Reihenfolge.
Man entspricht damit dem Wunsch aus der Region, dass die Stanzertaler die Mehrheit am Projekt behalten, wie es zum Beispiel der Strenger Bürgermeister Harald Sieß und der EWA-Chef Karl Schobel formulieren. „Wasserkraft ist ideal für antizyklische Investitionen“, betont der EWA-Geschäftsführer. Ein Kraftwerk könne über 100 Jahre in Betrieb sein und Rendite abwerfen. Die EWA habe ihre Beteiligung bereits prinzipiell zugesichert, gibt er zu verstehen.
Mit der Tiwag gibt es noch offene Punkte zu klären. Die Tiroler Wasserkraft hat zum Beispiel in Aussicht gestellt, dass sie das Projekt zu günstigen Konditionen finanziert. „Das macht auch das Gesamtprojekt günstiger“, so Widmann. Derzeit geht man von Baukosten in Höhe von 51 Millionen Euro netto aus.
Die Gemeinden, von denen jede 6,25 % am Projekt erhält, kommen zudem in den Genuss von Entschädigungszahlungen, die verwendet werden, um ihren Anteil an der Investitionssumme zu finanzieren.
80 Prozent der Gesamtkosten werden fremdfinanziert. Das bedeutet aber trotzdem, dass St. Anton, Pettneu, Flirsch und Strengen drei Millionen Euro aufbringen müssen. Dafür werden aber auch ordentliche Renditen erwartet – obwohl Widmann darauf hinweist, dass es sich bei jeder Vorhersage aufgrund der Strompreisentwicklung um eine Schätzung handelt. So könnten für die Gemeinden in den ersten Jahren zwischen 150.000 und 200.000 Euro übrig bleiben. Später dann über eine Million Euro.



