Frauen sollen zum Zivildienst
Von Mario Zenhäusern
Innsbruck – Eine Lanze für die Arbeit am Gemeinwohl brach Helmut Kritzinger beim Neujahrsempfang des Tiroler Seniorenbunds. Mit ihren mehr als 27.000 Mitgliedern ist die VP-Organisation nicht zu unterschätzen. Nicht umsonst hatte Andreas Khol, Präsident des Österreichischen Seniorenbunds und Vorsitzender des überparteilichen Österreichischen Seniorenrats, in Innsbruck gemeint: „Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft. Aber wer die Senioren hinter sich hat, der hat die Mehrheit.“
Kritzinger, seit Jahren Obmann und treibende Kraft im Tiroler Seniorenbund, nannte das Thema Gemeinwohl mit Bedacht. Im TT-Gespräch legt er ein Schäuferl nach: „Das Engagement aller Menschen für die Gemeinschaft ist notwendig. Das ist eine Frage des Zusammenhalts der Generationen und des Fortbestands unserer Gesellschaft.“
Zu diesem Zusammenhalt gehöre nach Meinung Kritzingers auch das Bundesheer, für dessen Fortbestand er sich einsetzt: „Wie wichtig das ist, zeigt sich gerade in diesen Tagen, in denen Grundwehrdiener im Kampf gegen die gewaltigen Schneemassen unbezahlbare Hilfe leisten.“
In diesem Zusammenhang erneuert der Seniorenchef seinen bereits 2010 gemachten Appell, dass auch Frauen Zivildienst leisten sollten. „Der Tiroler Seniorenbund hat erst kürzlich eine Meinungsumfrage durchgeführt, in der sich 90 Prozent der jungen Frauen positiv dazu geäußert und erklärt haben, sie würden diesen Dienst jederzeit machen.“
Für Kritzinger (83), der im April erneut bei den Innsbrucker Gemeinderatswahlen antritt, ist Frauen-Zivildienst vor allem im Bereich der Pflege notwendig. „Bei den Innsbrucker Sozialdiensten (ISD) arbeiten 20 Zivildiener, die für ihre Tätigkeit eine Entschädigung von 300 Euro monatlich bekommen. Wenn man weiß, dass bei den ISD mit über 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 71 Prozent des Budgets für Personalkosten aufgewendet werden, ist leicht auszurechnen, dass der verstärkte Einsatz von Zivildienern hier Entlastung bringt.“ Dies umso mehr, als in Zukunft die Zahl jener Personen, die im Alter Hilfe und Betreuung brauchen, nicht ab-, sondern zunehmen wird.
Die politische Zukunftssorge um die Pflege in Tirol würde ein Umdenken geradezu erzwingen, sagt Kritzinger, neue Akzente müssten rasch gesetzt werden. „Alle Generationen sind dazu aufgerufen, an der Zukunft der Gesellschaft aktiv mitzuarbeiten. Niemand ist eine Insel.“
Die Zahl der männlichen Zivildiener ist unterdessen nach einem kurzen Knick wieder im Steigen. Im Vorjahr haben sich österreichweit 36 Prozent der jungen Männer gegen den Dienst an der Waffe entschieden. Exakt 13.108 Personen standen den Hilfsorganisationen zur Verfügung. Der Höchststand an Zivildienern war 2009 mit 14.068 verzeichnet worden. 2010 folgte ein vorübergehender Rückgang.
Konstant entwickelt sich der Anteil der für Wehr- oder Zivildienst Tauglichen. Er betrug in den vergangenen Jahren immer knapp 80 Prozent.



