28.01.2012
Reutte

Guter Hirte ist ein teurer Hirte

Bürgermeister Alois Oberer prognostiziert für das Jahr 2012 einen Abgang von „nur“ 612.000 Euro für das Reuttener Seniorenheim. Die Zahlen für 2011 blieben offen.
Der finanzielle Abgang des Seniorenheims „Zum guten Hirten“ führte Donnerstagabend zu einem verbalen Schlagabtausch im Reuttener Gemeinderat.Foto: Mittermayr
Foto: Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Reutte – Wie groß das Defizit des Reuttener Altenheimes „Zum guten Hirten“ 2011 sein wird, darüber machte BM Alois Oberer in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend keine Angaben. Eine Million Euro, wie von Vizebürgermeister Dietmar Koler in den Raum gestellt, stimme sicher nicht, meinte er. Dass die Zahlen des ersten Budgetentwurfes an die Öffentlichkeit gelangt sind (die TT berichtete) bezeichnete er hingegen als „ungeheuerlich“. Damit sei dem Image des Altenheimes und der Marktgemeinde im Generellen von Koler schwerer Schaden zugefügt worden.

Der Marktchef rechnete dann für das Jahr 2012 vor, dass der Abgang bei Weitem nicht so hoch sei, wie von Koler in den Raum gestellt. Insgesamt erwarte er heuer ein Minus von 612.000 Euro im „Guten Hirten“, ohne die Rückzahlung der Annuitäten sogar „nur“ ein Minus von 365.000 Euro aus dem laufenden Betrieb.

Vize Koler konterte umgehend, dass er von der Zukunft, also 2012, gar nie gesprochen habe. Oberer solle hier nicht bewusst Äpfel mit Birnen vermischen. Selbstverständlich habe er den aktuellen Fehlbetrag des Jahres 2011 gemeint. „Und für das abgelaufene Jahr ist eben eine Million zu befürchten“, sagte Koler. Oberer widersprach, je von einer derart hohen Summe bei Vorbesprechungen in den Ausschüssen gesprochen zu haben. Koler daraufhin erzürnt: „Das ist jetzt die größte Enttäuschung überhaupt. Ich will das Wort Lüge nicht in den Mund nehmen.“

Oberer verfeinerte umgehend seine Aussage – zumindest er persönlich habe das Wort „Million“ nicht ausgesprochen. Außerdem dürfe aus vertraulichen Ausschüssen sowieso nichts an die Öffentlichkeit hinausgehen. „Und warum stand dann sogar im ersten Budgetentwurf für 2012 eine Million Abgang noch drinnen“, erwiderte Koler, der noch weiteres Ungemach prophezeite: „Dem Überprüfungsausschuss ist im Seniorenheim aufgefallen, dass kurz vor Jahresende der Ausgabenrahmen trotz der längst bekannten Misere total ausgenutzt und noch voll eingekauft worden ist. Weitere 100.000 Euro drohen.“

„Derzeit wohnen 54 Bewohner im Seniorenheim, 63 wären maximal möglich“, erläuterte Oberer und räumte ein, dass das Jahr 2011 im Heim nicht optimal gelaufen sei. „Wir hatten leider 24 Todesfälle, doppelt so viele als im Schnitt. Wir hätten also 45 Neuzugänge gebraucht, um die Zimmer voll zu bekommen.“ Verteuernd habe sich auch ausgewirkt, dass beim 4,1-Mio.-Um- und Neubau des Heimes gewisse Kosten nicht ausgewiesen worden seien. So habe man etwa sündteure Pflegebetten erst zusätzlich kaufen müssen.

VBM Elisabeth Schuster (Liste Koler) erklärte gegenüber der Tiroler Tageszeitung, dass der 2012er-Voranschlag wieder mit einer Vollbelegung der Zimmer gerechnet sei: „Und genau dieser Trugschluss hat 2011 zur Misere im Seniorenheim geführt.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 28.01.2012
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