02.02.2012
Imst

Im Sitzungssaal sprühten die Funken

Längenfelds Gemeinderatssitzung schwelte am Dienstagabend lange dahin. Der große Knall folgte gegen Ende. Auslöser war einmal mehr das Thema Agrargemeinschaften, das zum Schlagabtausch führte.
Im Halbdunkel des Längenfelder Sitzungssaales war es noch halbwegs friedlich, wenig später standen einige unter Strom: Ulrike Tembler (rechts) und Raphael Kuen (3. von links) matchten sich mit Bürgermeister Ralf Schonger.Foto: Stecher
Foto: bernhard stecher

Von Bernhard Stecher

Längenfeld – Die Länge einer Tagesordnung sagt nichts über deren Sprengkraft aus: Oftmals verbergen sich die brisantesten Themen unter „Allfälliges“. So auch gegen Ende der jüngsten Längenfelder Gemeinderatssitzung, als GR Raphael Kuen BM Ralf Schongers Vorwort in der Dezemberausgabe der Gemeindezeitung kritisierte. Darin seien Aussagen getätigt worden, so das Mitglied der Liste „Miteinander für Längenfeld“, die Schuldzuweisungen gleichen würden. Der Bürgermeister habe in dem Artikel „Baugründe für alle Gemeindebürger gefordert“, er solle aber bei der Wahrheit bleiben, da in Wirklichkeit 80 % aller verkauften Grundstücke an Nichtagrarier gingen.

Ob es sein könne, dass bei diesen Verkäufen mit zweierlei Maß gemessen werde? Ob es etwa zwei Preise gebe? Einen niedrigeren für Agrarier und einen höheren für Nichtagrarier, antwortete Schonger auf die Kritik mit Fragen. Ihm sei kein derartiger Fall bekannt, entgegnete Kuen. Dessen Listenkollege GV Reinhold Hausegger räumte hingegen ein, dass dies schon möglich sei. Grundsätzlich würde das Gemeindeoberhaupt aber mit seinen Behauptungen „Benzin ins Feuer gießen“. Es solle „nach dem ganzen Prozessieren wieder ein Miteinander geben“, daher hoffe er, Haus­egger, dass Schonger „wieder vom Gas heruntergeht“.

Darauf angesprochen, warum Hausegger als Mitglied des Redaktionsteams nicht vor Erscheinen Veto gegen die Stelle in der Gemeindezeitung eingelegt hatte, meinte dieser: „Ich zerpflücke doch nicht ein Vorwort des Bürgermeisters.“

In Sachen Agrar meldete sich auch GR Ulrike Tembler zu Wort. Sie erinnerte Schonger an ihre Anfrage in der Novembersitzung, als sie eine detaillierte Auflistung über die Verrechnung der Leistungen von Rechtsanwalt Andreas Brugger, welcher die Gemeinde vertritt, verlangt hatte. „Mir genügt die pauschale Abrechnung nicht“, so Tembler, „ich will wissen, welche Tätigkeit für welches Verfahren und welche Agrargemeinschaft erbracht wurde.“

Tembler („Alternative für Längenfeld“) zeigte sich diskussionsfreudig. Bereits beim Punkt „Genehmigung des Jahresvorschlages“ verlangte sie – „aufgrund meiner Abwesenheit bei der letzten Sitzung“ – eine Protokollierung des Schuldendienstes der Jahre 2009 bis 2015. In Bezug auf den Sitzungssaal, für dessen Verbesserung 10.000 Euro im Budget vorgesehen sind, stellte sie die Sinnfrage: „Mir würde es genügen, wenn der Beamer nicht auf einer einfachen Kiste stehen würde und ich ins Gesicht des Bürgermeisters schauen könnte. Den Rest könnten wir in Zeiten wie diesen einsparen.“ Die Abstimmung zum Voranschlag 2012, der rund 9,8 Millionen Euro im ordentlichen und 2,5 Millionen Euro im außerordentlichen Haushalt vorsieht, endete – mit Temblers Zustimmung – 14:2.

Letztlich war es dann wohl ein Rüffel Schongers, der Tembler zur Weißglut brachte. „Wieder sind Interna aus dem Überprüfungsausschuss nach außen gedrungen, die dort nichts zu suchen haben“, mahnte er die Verschwiegenheitspflicht ein. Angesprochen fühlte sich Tembler. Was folgte, war ein veritables Wortgefecht.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 02.02.2012
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