07.02.2012
Innsbruck

Töchterle bittet Lochs zu Uni-Gipfel

3,5 Mio. Euro soll die Med-Uni zur Abdeckung des Budgetminus aufbringen, den Rest das Land. So sieht der Plan des Bundes aus.

Von Peter Nindler

Innsbruck – Das drohende Finanzloch an der Medizinischen Universität und die damit verbundene Streichung der Nacht- und Bereitschaftsdienste für die 240 Bundesärzte sorgen für heftige Diskussionen. 5,5 Millionen Euro fehlen im Budget für 2012, Bund, Land und Med-Uni feilschen um einen Kompromiss. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle ist über die Vorgangsweise der Innsbrucker Uni-Gremien verärgert, ist aber bestrebt, eine Lösung zu finden. Das hat er gestern verlautet. In den nächsten Tagen soll dazu ein Gipfel mit Medizin-Rektor Herbert Lochs stattfinden, gleichzeitig verhandelt Töchterle mit dem Land über eine Zwischenfinanzierung. Der Kompromiss steht im Zusammenhang mit dem Klinischen Mehraufwand.

Die Medizin-Uni hat seit 2007 einen Teil der rund 60 Millionen Euro jährlich eingefroren und auf ein Treuhandkonto überwiesen. 64 Millionen Euro liegen auf diesem Konto. Die Universität ist der Meinung, dass sie zu viel an das Land zahlt, das Höchstgericht gab jedoch der Landesregierung Recht, die tatsächliche Höhe des Klinischen Mehraufwands wird jedoch erst festgelegt. Für das zwischengeparkte Geld gibt es aber bereits einen satten Zinsgewinn von rund 3,5 Millionen Euro – und dieses Geld soll jetzt für die Ausfinanzierung des Budgets verwendet werden. Einen Beitrag erwartet sich Töchterle auch vom Land Tirol. Die rund zwei Millionen Euro sollen letztlich aber in ein politisch auszuverhandelndes Gesamtpaket über den Klinischen Mehraufwand einfließen.

Vor einer Verschlechterung der ärztlichen Versorgung warnte gestern die Tiroler Ärztekammer. Als „nicht zielführend“ bezeichnet Kammerpräsident Artur Wechselberger den Vorschlag der Medizin-Uni, ihre budgetären Probleme durch die Einstellung der Nacht- und Wochenenddienste der Uni-Ärzte zu lösen. Der Kurienobmann der angestellten Ärzte und Vizepräsident Ludwig Gruber fordert den Bund auf, der Medizin-Uni die Mittel zur Verfügung zu stellen, die er auch den Medizinischen Universitäten in Graz und Wien zukommen lässt. Gruber spricht sich ebenfalls für den raschen Abschluss eines Zusammenarbeitsvertrags von Tilak und Medizin-Uni aus.

Dass die Streichung der Bereitsschaft eine Gehaltskürzung von einem Drittel für die Bundesärzte bedeutet, will Gruber so nicht hinnehmen. Mittwoch gibt es dazu eine Betriebsversammlung.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 07.02.2012
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