07.02.2012, 17:01  Aktualisiert: 08.02.2012, 14:58 
Tirol

Josef Grander tritt als St. Johanner Bürgermeister zurück

Josef Grander hat gestern Abend seinen Rücktritt als St. Johanner Bürgermeister bekannt gegeben. Er war 20 Jahre Ortschef.
Grander mit Georg Zimmermann (r.) und dem erhofften Nachfolger Stefan Seiwald (l.) und Gemeindevorstand Renate Kammerlander. Foto: Angerer
Foto: Harald Angerer
Von Harald Angerer


St. Johann i. T. – Geschlagen geben musste sich gestern Abend St. Johanns Bürgermeister Josef Grander. Nicht von einem seiner politischen Gegner, die sich ihm in seinen 20 Jahren als Gemeindechef entgegenstellten, sondern von seiner eigenen Gesundheit. „Nach reiflicher Überlegung und nach Rücksprache mit meinen Ärzten, meiner Familie und meiner politischen Gruppierung gebe ich aus gesundheitlichen Gründen meinen Rücktritt bekannt“, verkündete Grander bei der gestrigen Gemeinderatssitzung.


Seit Längerem spielt der 65-Jährige mit dem Rücktrittsgedanken, nun war es aber so weit. „Schon seit meinem Radunfall im Jahr 2009 habe ich mich nicht mehr vollständig erholt. Das habe ich dann mit in die Wahl genommen. Dann kam das Burnout und das ist noch nicht überwunden. Ich wollte mir das erst nicht eingestehen und dachte, das schaffe ich schon“, schildert Grander.


Doch die gesundheitlichen Probleme ließen nicht nach und somit wurde es für ihn immer schwieriger, die Aufgaben des Bürgermeisters zu erfüllen. „Als Bürgermeister von St. Johann muss man zu 100 Prozent bei der Sache sein, nur 80 Prozent reichen nicht“, erklärt der Gemeindechef.


Er blickt mit durchaus gemischten Gefühlen in eine – nicht nur für ihn – neue Zeitrechnung. „Ob das jetzt das Richtige ist, weiß ich auch nicht. Aber mir fällt derzeit nichts Besseres ein“, gesteht Grander resignierend. Er wolle sich nun mehr der Familie widmen. Die letzte Periode hätte er sich nicht mehr antun sollen, ist er nun überzeugt. „Aber im Nachhinein ist man immer gescheiter“, sagt Grander im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Auch war vor der Gemeinderatswahl 2010 kein parteiinterner Nachfolger für ihn in Sicht gewesen. Das ist nun anders. Schon von Beginn der Periode an wurde Stefan Seiwald als Kronprinz aufgebaut. Er wird nun auch von der ÖVP-Liste ins Rennen um den Bürgermeistersessel geschickt.


Übergangsweise wird Vizebürgermeister Georg Zimmermann (ÖVP) die Geschicke der Gemeinde leiten. Die St. Johanner sind dann spätestens Anfang Mai aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Einen Kandidaten kann jede der fünf Listen, die im Gemeinderat vertreten sind, stellen, dieser Kandidat muss aber auch bereits ein Mitglied des aktuellen Gemeinderates sein.


Grander kann auf eine lange und steile Karriere als Kommunalpolitiker zurückblicken. 40 Jahre seines Lebens widmete er der Politik. Erstmals war Grander 1980 im St. Johanner Gemeinderat vertreten und hat damals das Straßenreferat übernommen. Bereits im Jahr 1983 wurde er Vizebürgermeister und 1992 dann Bürgermeister.


Als seine Höhepunkte bezeichnet er die Umsetzung der Fußgängerzone, dass es gelungen ist, mit der Familie Egger die Entsorgung zu klären, den Hochwasserschutz und die Errichtung des Kaisersaals. Auch dass es gelungen ist, das Bezirkskrankenhaus in St. Johann zu stärken. Das habe ihn aber sehr viel an Substanz gekostet.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 07.02.2012  17:01
aktualisiert: Mi, 08.02.2012  14:58
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