17.04.2012, 16:42  Aktualisiert: 18.04.2012, 07:25 
Todesstrafe

Bodenseer denkt über Todesstrafe „in krassen Fällen“ nach

Christlichen Glauben und Todesstrafe halte er nicht für unvereinbar: In der Bibel hieße es ja schließlich „‚du sollst nicht töten‘ und nicht ‚du darfst nicht töten‘“.
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Innsbruck – Der Tiroler Wirtschaftskammerpräsident und Wirtschaftsbundobmann Jürgen Bodenseer (ÖVP) denkt offen über die Wiedereinführung der Todesstrafe in Österreich nach.

In einer Umfrage im sozialen Netzwerk Facebook sprach er sich für die 1950 abgeschaffte Maßnahme als Mittel zur Bestrafung von Kinderschändern aus. Sein Kommentar dazu: „Ich wäre in krassen Fällen bei voller Zurechnungsfähigkeit für die Wiedereinführung der Todesstrafe.“

Im Gespräch mit derStandard.at bestätigte Bodenseer die Echtheit des Accounts und bekräftigte zudem seine Haltung: „Ich wäre in krassen Fällen bei voller Zurechungungsfähigkeit für die Wiedereinführung der Todesstrafe“.

„Ethische Frage, ähnlich wie bei Abtreibung“

Ein solcher Extremfall ist laut Bodenseer Kindesmissbrauch, wenn nicht nachgewiesen ist, „dass es sich um ein medizinisch begründetes Fehlverhalten, also etwa eine psychische Krankheit handelt“. Für den Tiroler Wirtschaftsbundobmann ist dies eine ethische Frage – das sie so ähnlich wie bei der Abtreibung. Laut Standard erklärte er: „Mein Gott, das ist eine ethische Frage, ob ein Mensch den anderen töten darf. Das ist so ähnlich wie bei der Abtreibung“. Zwar müsse die Wiedereinführung erst empirisch untersucht werden. „Wenn sich herausstellt, dass durch die Todesstrafe extreme Kindesmisshandlungen oder Mord verhindert werden können, dann sollten wir darüber diskutieren, was mehr wiegt.“

Auf die Frage, ob seine Einstellung mit seiner politischen Ideologie zusammenpasse, antwortete Bodenseer: „Es gibt vieles, was in der christlichen Soziallehre verboten ist. Auch viele Priester halten sich nicht daran. Außerdem heißt es ja ‚du sollst nicht töten‘ und nicht ‚du darfst nicht töten‘“.

Kein Gegenkandidat: Bodenseer als WB-Obmann wiedergewählt

Auf seine Funktion im Wirtschaftsbund hatten Bodenseers extreme Ansichten offenbar keine Auswirkungen: Mit 94,3 Prozent der Stimmen wurde er am Dienstagabend zum fünften Mal zum Obmann gewählt. Rund 150 Delegierte waren in die Skylounge des Telfer Industriellen Arthur Thöni gekommen. Gegenkandidaten gab es für den 65-jährigen Bodenseer keinen. Der streitbare Zillertaler Nationalrat Franz Hörl hatte seine Kandidatur zurückgezogen. Hörl hatte tags zuvor Konsequenzen für die Wirtschaftsbündlerin Karin Hakl gefordert. In der Causa Telekom hatte Parteichef Günther Platter Hauptgeschäftsführer Martin Malaun Recht gegeben. Dass Hörl die Causa Hakl wieder aufwärmte, sorgte für Unmut im Büro des Landeshauptmannes.

(TT/APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 17.04.2012  16:42
aktualisiert: Mi, 18.04.2012  07:25
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