14.09.2012, 10:11  Aktualisiert: 21.09.2012, 01:01 
Innsbruck

Österreichweit an der Spitze: Tirol finanziert Kirchenbauten

Kirchenrenovierung aus Steuerhänden. So hoch wie in keinem anderen Bundesland wird in Tirol die Denkmalpflege von Sakralbauten finanziert.
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Kirchenfinanzierung in Österreich

Das neue Aufregerbuch: Carsten Frerk und Christoph Baumgarten: „Gottes Werk und unser Beitrag, Kirchenfinanzierung in Österreich“, Czernin Verlag, 284 Seiten, 24,90 Euro. Woher kommt das Geld der Kirche? Ist die Kirche arm? Diesen und anderen Fragen zur Kirchenfinanzierung in Österreich widmen sich die beiden Autoren und Journalisten. Zeitgleich zum Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien legen sie nun das Standardwerk mit vielen finanziellen Details auf. Erläutert wird auch die Rolle der Kirche in der Bildung. Aufgedeckt werden die Zusammenhänge zwischen Kirche, Politik und Wirtschaft. (wa)

Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – Tirol ist in mehrfacher Hinsicht ein Sonderfall in Sachen Unterstützung für die Kirche, sagt Christoph Baumgarten, Mit­autor des neuesten Aufregerbuches „Gottes Werk und unser Beitrag“. So ist laut Baumgarten in Tirol als einzigem Bundesland Gott in der Verfassung verankert, „obwohl der Anteil der Katholiken unter den Hauptwohnsitzern kaum noch über dem Bundesschnitt von 64 Prozent liegt“. Zudem werde die katholisch-theologische Fakultät an der Uni Innsbruck als einzige in Österreich von den Jesuiten geführt – aufgrund eines kaiserlichen Patents von Franz Josef I. „Finanziert wird die Fakultät aber wie im restlichen Österreich von öffentlicher Hand“, so Baumgarten.

Auch bei der Kirchenfinanzierung hebe sich Tirol von Restösterreich ab. 7,7 Millionen Euro machte 2010 das Land Tirol für die Renovierung und Instandhaltung von kirchlichen Gebäuden locker, sagt Baumgarten. Von den 156 im Kulturbericht aufgelisteten Objekten unter dem Titel „baukulturelles Erbe“ (Denkmalpflege) sind 81 Prozent Sakralbauten, die laut Baumgarten 94 Prozent der Zuschüsse erhalten. Überdurchschnittlich hoch sei u. a. der finanzielle Beitrag für Stift Stams. Jedes Jahr fließen 660.000 Euro aus dem Landesbudget in die Stiftssanierung, dazu kommt ein etwa gleich hoher Betrag von der Landesgedächtnisstiftung, der Rest wird aus Bundesmitteln finanziert, wie Benedikt Erhard von der Kulturabteilung gegenüber der Tiroler Tageszeitung bestätigt. „Über diese Finanzierung gibt es ein Übereinkommen von 2007 bis 2014“, erklärt Erhard. „Doch das ist nicht alles. Das Land zahlt auch in den Bereichen kirchliche Musik und Literatur mit“, weiß Baumgarten. So wurde Kirchenmusik 2010 mit über 173.000 Euro gefördert, dazu kamen über 11.000 Euro unter dem Titel „Literatur“. Besonders spendabel zeige sich die Stadt Innsbruck. Allein unter dem Titel „kirchliche Angelegenheiten“ wurden 444.000 Euro (2011) an die Religionsgemeinschaften überwiesen. „Zusätzlich erhielt das Altenheim St. Josef am Inn ca. 800.000 Euro für den Betrieb und den Umbau. Es gehört einer kirchennahen Stiftung, in die die Stadt freundlicherweise einen Vertreter entsenden darf“, meint Baumgarten. Dass Österreichs größte Glaubensgemeinschaften vorwiegend auf öffentliche Gelder setzen, muss sich laut Baumgarten ändern. „Nur 13 Prozent der gesamten katholischen und evangelischen In­frastruktur wird von den Kirchen selbst finanziert, für den großen Rest steht der Staat gerade.“ Baumgarten fordert, Geldflüsse in Zukunft zu überprüfen und zu hinterfragen, der auch das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien unterstützt. „Erstens braucht es endlich Transparenz und zweitens muss eine politische Diskussion darüber stattfinden, was und wie viel der Staat und damit der Steuerzahler für kirchliche Gebäude – die ja in Tirol vor allem der katholischen Kirche gehören – bezahlen soll.“

Erhard kann die Zahlen des Aufdeckerbuches nicht nachvollziehen, „weil nicht alles, was ein Sakralbau ist, auch der Kirche gehört“. Laut Erhard wurden 2011 für die Kirchenfinanzierung ­(inkl. Literatur und Musik) von der Abteilung Kultur „nur“ 2,1 Millionen und von der Landesgedächtnisstiftung 1,3 Millionen Euro ausgegeben. „Ich weiß, dass Tirol hier österreichweit sehr weit vorne liegt, aber dies sind dennoch nur 3,6 Prozent von den Gesamtausgaben für Kultur des Landes. Das ist eine überschaubare Größe und das wollen wir uns auch leisten.“

Gefördert werden laut Erhard „nur Objekte, die unter Denkmalschutz stehen, und da machen wir keinen Unterschied, ob sie der Kirche oder Privaten gehören“. Was die Chöre betreffe, seien sie zum Großteil keine kirchliche Einrichtungen, „sondern vereinsrechtlich organisiert, und die Konzerte finden halt zum Großteil in den Kirchen statt“. Dass Stift Stams über dem üblichen Förderwert subventioniert werde, „hat damit zu tun, dass das Barockstift eines der herausragendsten Baudenkmäler des Landes ist und das Stift selbst nur über geringe Eigenmittel verfügt“.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 14.09.2012  10:11
aktualisiert: Fr, 21.09.2012  01:01
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