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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 11.01.2013

Jenewein und Jörg rittern in Landeck

Am Wochenende präsentierten SPÖ und ÖVP ihre Kandidaten für die Landecker Bürgermeisterwahl. Am 3. März darf sich die Bevölkerung zwischen Manfred Jenewein (SP) und Wolfgang Jörg (VP) entscheiden.

Von M. Reichle und H. Wenzel

Landeck – „Bertl ist nicht mehr, einen neuen Bertl wird es nicht geben“, Gemeinderat Andreas Pfenniger stellte die Erinnerung an den verunglückten Landecker Bürgermeister Bertl Stenico an den Beginn der Kandidatenpräsentation. Der Tod des Stadtoberhaupts hatte in der Gemeinde für Entsetzen gesorgt. „Was von ihm bleibt, ist sein Charisma, seine Ziele, sein Programm“, stellte Pfenniger fest.

Der neue Kandidat wird keine Kopie von Stenico sein – aber er wird das Vermächtnis des Bürgermeisters weiterverfolgen. Das war die Kernbotschaft der Landecker SPÖ-Spitze. Für sie ist dieser Nachfolger Vizebürgermeister Manfred Jenewein. Er wurde zunächst im kleinen Kreis, dann in einer größeren Versammlung zum Spitzenkandidaten gekürt.

Am Wochenende präsentierte er sich der Öffentlichkeit. „Für Bertl stand die Menschlichkeit im Vordergrund. Er hatte ein offenes Ohr für die Großen und Kleinen, die Reichen und Armen, egal von welcher Partei“, erinnerte Jenewein an seinen Wegbegleiter. „Er stellte das Verbindende vor das Trennende, Gerechtigkeit war für ihn ein Schlagwort, sein Prinzip war es, zu 100 Prozent für sein Amt da zu sein.“ Diese Grundprinzipien wolle man weiterführen.

Jenewein selbst ist seit 13 Jahren in der Politik tätig. Der 53-jährige Landecker hat Englisch und Geschichte studiert. Seit 2004 sitzt er im Gemeinderat, derzeit als Finanzreferent. Er war Bezirks- und Landesgeschäftsführer der SPÖ und ist Mitarbeiter von Soziallandesrat Gerhard Reheis.

„Es hat Distanz zu dem schweren Verlust gebraucht, bis wir klar in die Zukunft schauen konnten“, sagt er rückblickend über seine Entscheidung, für das Amt des Stadtchefs zu kandidieren.

Seinen derzeitigen Beruf würde er niederlegen, wenn er gewählt wird, betonte Jenewein. Der Bürgermeister sei immerhin der Chef „des größten Betriebs in Landeck mit 160 Mitarbeitern. Das ist ein Job, der 100 Prozent Einsatz verlangt.“ Aufgrund seiner Funktion als Finanzreferent habe er gute Einblicke in die Gemeinde – „man muss aber auch wissen, was hinter den Zahlen steht – Menschen“, stellte er klar. Pfenniger charakterisierte Jenewein als jemanden, der „Dinge angeht, aber keine Plaudertasche ist“. Walter Guggenberger betonte: „Manfred kann Landeck fit für die Zukunft machen und zu einem Ort, an dem es sich zu leben lohnt. Wer könnte das Vermächtnis von Bertl Stenico besser fortsetzen als sein engster Mitarbeiter“, versicherte er. „Mich hat beeindruckt, wie die Ankündigung von Manfred, sich an die Spitze zu stellen, Beifall gefunden hat.“ „Ich habe das als Aufbruchsstimmung empfunden“, betonte auch StR Hubert Niederbacher.

Auch Landecks ÖVP hat an das Wirken von BM Bertl Stenico erinnert. „Es wäre uns lieber, wenn er noch unter uns sein könnte“, eröffnete StR Thomas Hittler die Präsentation von Bürgermeisterkandidat StR Wolfgang Jörg am Sonntag. Die interne Entscheidungsfindung brachte der VP-Fraktionsobmann so auf den Punkt: „Dass sich unsere Fraktion geschlossen für Jörg ausgesprochen hat und ihn unterstützen wird, ist sehr erfreulich.“

Der 50-jährige Jurist ist seit 26 Jahren hautnah mit Kommunalpolitik befasst – als Gemeindeamtsleiter im WM-Dorf St. Anton. „Mein Mentor ist der verstorbene Bürgermeister Herbert Sprenger. Von seinen Nachfolgern Jakob Klimmer, Rudi Tschol und Helmut Mall habe ich ebenfalls vieles gelernt“, erzählt Jörg. Zweimal hätte er seinen Job wechseln können. Letztlich blieb er in St. Anton, „weil ich dort sehr gerne bei den Leuten bin“. Als „besonders lehrreich“ schildert er seine Erfahrungen bei der Abwicklung der Ski-WM 2001 und bei der Verlagerung der Bahntrasse. Der ÖVP-Kandidat ist in Landeck verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Sein Steckenpferd gilt dem Sport, speziell dem Fußball.

Bei der Gemeinderatswahl 2010 hat er maßgeblich „die Kastanien für die ÖVP“ aus dem Feuer geholt und war klarer Vorzugsstimmensieger, wie StR Hittler und Stadtparteiobmann Jakob Egg bestätigten.

Es sei verfrüht, schon jetzt Details zu seinen Vorhaben zu nennen – falls er die Wahl gewinnt. Immerhin skizzierte Jörg gestern Grundsätzliches zu seinem Politikverständnis: „Eine Gemeinde muss ihre hoheitlichen Aufgaben heute unbedingt mit unternehmerischem Denken verknüpfen.“ Auch wenn der Begriff „Nachhaltigkeit“ überstrapaziert werde, führe an einer nachhaltigen Politik kein Weg vorbei. „Kurzfristige Entscheidungen können langfristig oft falsch sein.“ Als Bürgermeister möchte er in den Gremien der Stadt „möglichst gemeinsame Entscheidungen finden“. Für leere Versprechungen sei er jedenfalls nicht zu haben.

Mit dem bisherigen Dienstgeber, der Gemeinde St. Anton, sei eine Reduktion der Beschäftigung vereinbart – immer vorausgesetzt, dass er zum Bürgermeister gewählt wird. „Selbstverständlich werde ich meine Aufgaben in Landeck zu 100 Prozent erfüllen. Es wird mir so viel Zeit zur Verfügung stehen, wie eben notwendig ist“, erklärte der Kandidat.

Von einem Wahlkampf im schlechten Sinne des Wortes werde die Bevölkerung bis zum Urnengang verschont bleiben, betonen die ÖVP-Funktionäre. Man werde „Wahlwerbung in eigener Sache“ betreiben.

Der in der Privatwirtschaft beschäftigte ÖVP-Vizebürgermeister Herbert Mayer soll diese Position auch nach dem 3. März bekleiden. Er habe aus beruflichen Gründen auf eine Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl verzichtet.