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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 17.01.2013

Schweres Agrar-Erbe in Ainet

BM Poppeller verteidigt die Regulierung von 1977: „Dorffriede ist das Wichtigste.“

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Von Catharina Oblasser

Ainet – Agrargemeinschaft und Gemeinde Ainet machen von sich reden: In einem kürzlich aufgetauchten Briefwechsel zwischen dem früheren Bürgermeister Alois Girstmair und LH Eduard Wallnöfer beklagte der Ortschef schon Ende der 60er-Jahre, dass die Gemeinde „mit nur 23 Prozent abgespeist werde“, und das zugunsten der Agrargemeinschaft (die TT berichtete). Girstmair suchte Abhilfe. Im Jahr 1977 schloss er im Namen der Gemeinde eine Vereinbarung mit der Agrargemeinschaft, die heute noch gültig ist.

Diese sieht in groben Zügen so aus: Die Kommune erhielt Flächen auf der so genannten Tratte und auf der Sonnseite zur freien Verfügung. Im Tausch dafür gab es für die Agrargemeinschaft 93 Hektar gemeindeeigenen Hochwald. „Mein Vorgänger hat damit die denkbeste Vereinbarung für Ainet erzielt“, ist der heutige Bürgermeister Karl Poppeller überzeugt. „Auf den gewonnenen Flächen konnten wir Betriebe ansiedeln, sehr günstig Wohnungen und Häuser bauen und ein Sport- und Freizeitzentrum errichten.“ So sei Ainet ein Dorf mit durchmischter Bevölkerung, Arbeitsplätzen und einem stabilen Gemeindehaushalt geworden. Das Wichtigste ist für Poppeller jedoch, dass mit Girstmairs Regelungen jahrelange Streitigkeiten beigelegt worden sind. „Der Frieden im Dorf und das gute Miteinander sind am meisten wert.“

Damit erklärt der Bürgermeister auch sein Vorgehen im Sommer 2011, das ihm harte Kritik der Liste Fritz einträgt. Im Zuge der Agrardiskussion gab es ein erstinstanzliches Urteil der Behörde, das bestätigt: Die Agrargemeinschaft Ainet ist nicht aus Gemeindegut hervorgegangen, die Gemeinde hat keine Ansprüche auf Einnahmen wie beispielsweise die Jagdpacht. Poppeller beließ es dabei, statt zum Höchstgericht zu gehen – und zwar ohne den Gemeinderat zu fragen. „Was, wenn das Höchstgericht zugunsten der Gemeinde entscheidet? Dann kocht der alte Streit wieder hoch“, begründet er. „Für ein paar hundert Euro pro Jahr breche ich keinen Krieg vom Zaun.“

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