18.01.2013
Schwaz

Kampf um leistbaren Wohnraum

Gestern wurden 20 Wohnungen des gemeinnützigen Wohnbauträgers WE übergeben. Sie zählen zu den letzten neuen Mietkaufwohnungen in Schwaz. Die Stadt ortet keinen Bedarf dafür. Die WE sieht das anders.
WE-Geschäftsführer Stephan Krimbacher (l.) begrüßte die Vertreter der Stadt und die Mieter bei der Wohnungsübergabe in der Karl-Psenner-Straße. Alle 20 Wohneinheiten sind vergeben.Fotos: Dähling
Foto: Dähling
   

Von Angela Dähling

Schwaz – Die Liste der Wohnungssuchenden in der Bezirkshauptstadt Schwaz ist lang. Rund 700 Namen füllen sie derzeit. „Wobei rund ein Drittel echten Bedarf hat. Der Rest will umziehen“, erklärt der Schwazer Wohnungs­referent Philipp Binder (ÖVP). Gestern konnten zwanzig Mieter mit ihren Familien die neuen Wohnungen in der Karl-Psenner-Straße beziehen. Diese wurden von der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft „Wohnungseigentum“ (WE) innerhalb von 16 Monaten Bauzeit errichtet. Die Vergabe lief über die Stadtgemeinde. „Nach einem fairen, sauberen Punktesystem“, betonte Binder bei der Schlüsselübergabe. VBM Martin Wex (ÖVP) und Sozialreferentin Ingrid Schlierenzauer (SPÖ) freuten sich über den Mix aus jungen und älteren Mietern.

Es handelt sich um Mietkaufwohnungen. Die sind in Schwaz eigentlich ein Auslaufmodell. Denn in den letzten Jahren habe sich gezeigt, dass sich der Großteil der Mieter in bestehenden Mietkauf­objekten am Ende doch gegen einen Kauf entscheide, erklärt Binder. Die Gründe dafür seien großteils finanzieller Art. „Nicht jeder ist in der Lage, neben einer Miete von, sagen wir mal 500 Euro, noch ausreichend Geld anzusparen, um sich den Kauf später leisten zu können“, erklärt Binder, und Schlierenzauer ergänzt: „Es wird ja nur ein Bruchteil der Miete angerechnet. Und viele stehen nach zehn Jahren nicht wie erwartet finanziell besser da, sondern verdienen gleich viel oder sogar weniger.“

Zwei weitere Mietkauf­objekte mit insgesamt rund 50 Wohnungen stehen in der Tannenberggasse und in der Schrottenbaumsiedlung vor der Fertigstellung. Dann aber ist seitens der Stadtgemeinde Schluss mit Mietkauf­bauten. „Wir werden der Nachfrage entsprechend eher den Bau von kleineren Mietwohnungen für Singles und Paare im Ausmaß von 50 Quadratmetern forcieren“, sagt Binder.

WE-Geschäftsführer Stephan Krimbacher teilt Binders Einschätzung in puncto Mietkaufwohnungen nicht. Im Gegenteil: Er wirft ihm und der Stadtgemeinde eine gewisse Unwissenheit vor. Es sei vom Bauträger abhängig, ob gekauft werde oder nicht. „Wir sind eine Gesellschaft, die den Mietkauf mehr forcieren und immer wieder umfassend darüber informieren wird“, erklärt er. Und er verweist darauf, dass über 50 Prozent der Mieter in WE-Mietkaufwohnungen die Wohnungen am Ende auch kaufen würden. „Die Mieter hier in Schwaz wissen genau, was die Wohnungen kosten werden, sie sind relativ günstig nach zehn Jahren zu kaufen“, meint er.

Man zahle in zehn Jahren den heutigen Kaufpreis abzüglich rund zwanzig Prozent, ergänzt WE-Verkaufsleiter Christian Nigg. Die Förderungen seien anfangs für Mietwohnungen höher. „Nach zwölf Jahren läuft die Mietförderung aber aus und die Mieten steigen“, erklärt er. Deshalb und wegen der später steigenden Raten bei der Wohnbauförderung sei ein Kauf zwischen dem zehnten und 15. Bestandsjahr empfehlenswert. Derzeit sind für die neuen 55 bis 90 m² großen WE-Wohnungen rund 7,80 Euro­/m² Warmmiete monatlich zu zahlen. Der Kaufpreis liege laut Nigg brutto bei zirka 2400 Euro/m² „In zehn Jahren sind dann etwa noch 2000 Euro­ zu zahlen“, rechnet er vor.

Pfarrer Rudolf Theurl kommen­tierte bei der Ein­weihung die Finanzierungsfrage mit folgenden Worten an die Mieter: „Ich hoffe, dass euch die Geldsorgen nicht zu stark plagen. Wenn doch, kommt‘s zu mir oder zur Frau Schlieren­zauer.“

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