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Landespolitik

Dinkhauser dürfte sich heute aus der Politik zurückziehen

Eine Vorstandssitzung gestern Abend im Bürgerforum Tirol hat Klarheit über die politische Zukunft des Parteigründers gebracht.

Von Peter Nindler

Innsbruck – Fritz Dinkhauser steht vor dem Rückzug aus der Politik: Überraschend hat das Bürgerforum Tirol/Liste Fritz für gestern Abend eine Vorstandssitzung einberufen. Das wurde gegenüber der TT bestätigt. Dabei ging es nicht nur um Weichenstellungen für die Landtagswahl am 28. April, sondern auch um die persönliche Zukunft von Parteigründer Fritz Dinkhauser.

Obwohl in der Vorwoche noch dementiert, dürfte sich der 72-jährige Fritz Dinkhauser aus gesundheitlichen Gründen von der Landespolitik zurückziehen und nicht mehr als Spitzenkandidat für das Bürgerforum zur Verfügung stehen.

Dinkhauser hat laut TT-Informationen gestern seinen Vorstandsmitgliedern erläutert, dass er sich aus Rücksicht auf seine Gesundheit nicht mehr für den Landtags-Wahlkampf engagieren könne. Heute um 10 Uhr gibt Dinkhauser eine Erklärung zur gestrigen Vorstandssitzung ab.

Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass die derzeit mit fünf Abgeordneten im Landtag vertretene Gruppe dennoch bei den Landtagswahlen kandidieren werde - wenn auch ohne ihre Galionsfigur.

Gesundheitliche Probleme seit Herzoperation 2011

Fritz Dinkhauser hat schwere Wochen hinter sich. Der überraschende Tod von Klubchef Bernhard Ernst hat eine menschliche und politische Lücke in das Bürgerforum gerissen, aber auch den 72-jährigen Gründer des Bürgerforums und jahrelangen Präsidenten der Tiroler Arbeiterkammer schwer getroffen. Auch gesundheitlich wirkte Dinkhauser zuletzt angeschlagen, bereits Ende 2011 musste sich Dinkhauser einer Herzoperation unterziehen. Eine Arterie war damals verstopft, Dinkhauser wurde ein so genannter Stent, eine gitterartige Stütze, die die Ader aufweitet, eingesetzt.

Gestern Abend wurde dann der Vorstand des Bürgerforums zusammengerufen, um über Weichenstellungen für die Landtagswahl zu beraten. Dabei ging es auch um die Zukunft Dinkhausers. Er ist die Galionsfigur der 2008 gegründeten Bürgerbewegung. Alles sei offen, hieß es im Vorfeld der Sitzung. Es war allerdings ein offenes Geheimnis, dass der leidenschaftliche Politiker Fritz Dinkhauser mit einem Rückzug aus der Politik und dem Verzicht auf eine Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl ringt. Seine Entscheidung hat natürlich massive Auswirkungen auf das Bürgerforum. Und das weiß auch Dinkhauser.

Die erste Plakatserie mit seinem Konterfei ist schon gedruckt, dreieinhalb Monate vor der Landtagswahl müsste ein neues Spitzenteam für den Urnengang am 28. April gefunden werden. Dinkhauser könnte seinerseits in die zweite Reihe zurücktreten und von dort aus das neue Team unterstützen. Denn das Bürgerforum wird maßgeblich mit der Person Dinkhauser identifiziert. Darauf kann die Liste Fritz im kommenden Landtagswahlkampf kaum verzichten, schließlich schwächelt sie in den Umfragen und hat zusätzliche Konkurrenz mit dem Team Stronach und „vorwärts Tirol“ bekommen.

Möglicherweise hat die Gründung der neuen bürgerlichen Partei „vorwärts Tirol“ mit Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer und Ex-LR Anna Hosp (VP) die Rückzugsgedanken Dinkhausers beschleunigt. In den vergangenen Monaten soll es nämlich intensive Gespräche zwischen Dinkhauser und der Bürgermeisterin gegeben haben, der im Dezember plötzliche verstorbene Bernhard Ernst soll dabei als Brückenbauer fungiert haben. Über ein Bündnis gegen die ÖVP wurde verhandelt, in der Vorwoche trat nun „vorwärts Tirol“ mit einer eigenständigen Kandidatur an die Öffentlichkeit. Ein politischer Rückschlag für Dinkhauser.

Die neue Partei fischt nicht nur im selben bürgerlichen Protestwählerteich wie Dinkhauser, sondern auch bei der Kandidatensuche kreuzen sich die Wege. Einige potenzielle Dinkhauser-Mitstreiter wechselten ins „vorwärts“-Lager.