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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 25.01.2013

Illegale Deponie im Auftrag der Stadt

Die Stadt Wörgl ließ an zwei verschiedenen Plätzen illegal Aushubmaterial deponieren. Die Behörde hat nun ein Verfahren eingeleitet. Die Ablagerung bei der Sprungschanze soll rasch planiert werden.

Von Wolfgang Otter

Wörgl – Im Sommer 2012 ließ der Fraktionschef der Grünen, Richard Götz, aufhorchen, als er eine illegale Ablagerung im Bereich der Wörgler Sprungschanze anprangerte. Die Bezirkshauptmannschaft Kufstein winkte aber ab: Bei einer Prüfung habe sich nämlich herausgestellt, dass diese Ablagerung unter der genehmigungspflichtigen Größe liege, hieß es damals. Götz ließ nicht locker und forderte eine neuerliche Überprüfung durch die Behörde.

Was diese auch machte, und nun, mehrere Monate später, stellt sich das Ganze anders dar. Die Bezirkshauptmannschaft hat mittlerweile die Stadtgemeinde aufgefordert, ein genehmigungspflichtiges Projekt einzureichen und „von einer nicht genehmigten Bodenaushubdeponie“ gesprochen, sagt Götz und verlangt, den gesetzmäßigen Zustand wiederherzustellen.

Übrigens ist es für Götz überraschend, dass die Behörde die Stadt zur Einreichung des Projektes auffordert. Alle seine Recherchen in der Sache hätten nämlich bislang ergeben, dass eigentlich niemand weiß, wer das Aushubmaterial dort abgelegt hat. Nicht einmal der betreffende Grundbesitzer, ein Landwirt, wie der Mandatar erklärt.

Licht ins Dunkel bringt die zuständige Stelle der Bezirkshauptmannschaft Kufstein. Laut Auskunft der Behörde habe deren Erhebungen ergeben, dass die Stadt hier Material ablagerte. Es sei aber lange nicht festgestanden, ob die zu genehmigende Größe überschritten wurde. Laut Bezirkshauptmannschaft ist die Stadt auch deshalb aufgefordert, ein Projekt vorzulegen, weil sie angeblich auf der Suche nach Ablagerungsmöglichkeiten sei.

„Die Ablagerungen stammen zum Teil wirklich von der Stadt“, räumt Bürgermeisterin Hedi Wechner ein. Auf dieser Deponie sei jenes Material gelandet, das beim Ausbaggern der Bäche angefallen sei. „Dann haben Leute ihren Bauschutt zusätzlich abgeladen“, will Wechner in der zuständigen Fachabteilung des Stadtamtes in Erfahrung gebracht haben.

Die Folgen für die Stadt: „Wir mussten Proben untersuchen lassen, um eine Kontaminierung des Erdreiches auszuschließen“, berichtet Wechner. Die Ergebnisse wisse sie noch nicht, sei aber davon überzeugt, dass es keine Verunreinigungen gebe.

Nur von einer Bauschuttdeponie in diesem als Naherholungsgebiet genutzten Bereich will Wechner nichts wissen. „Diese Fläche wird planiert und begrünt“, stellt sie klar. Ob sie in weiterer Folge eines Tages als Sportstätte genutzt wird, lasse sie jedoch derzeit offen. Es gibt zudem auch Spekulationen in der Stadt, dass hier eines Tages ein Parkplatz für die angrenzende Schanzenanlage entstehen soll. Das will Wechner derzeit ebenfalls nicht ausschließen.

Die zweite illegale Deponie findet sich ebenfalls im Süden Wörgls, im Ortsteil Lahntal. Auch um diese hat es vor geraumer Zeit einigen Wirbel gegeben, nachdem festgestellt worden war – ebenfalls von den Grünen aufgedeckt –, dass hier Aushubmaterial ohne Genehmigung auf städtischem Grund gelandet ist. Auch hier verlangt jetzt die Bezirkshauptmannschaft Gutachten zur nachträglichen Genehmigung. Außerdem will hier die Firma Strabag Aushubmaterial ablagern, die Stadt will sich an der Deponie beteiligen, ein entsprechender Vertrag wurde bereits genehmigt.

Darüber gibt es am Montag bei der Fraktionsführersitzung im Stadtamt viel zu diskutieren, da sich laut Wechner „einige neue Aspekte ergeben haben“. Vermutlich dürften diese mit dem Wasserschutzgebiet in diesem Stadtteil zu tun haben.