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Landtagswahl

„Für Wohlbefinden Tirols“: Stronach unterstützt nun doch Liste von Mayr

Von Schadenersatzforderungen und Klagen war zuletzt die Rede, doch seit Donnerstag ist beim Team Stronach wieder alles anders: Frank Stronach unterstützt nach zahlreichen Krisengesprächen in Tirol nun doch die Liste Mayr. Der Kompromiss gefällt aber nicht jedem.

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Innsbruck - Frank Stronach hat der von der Tiroler Landeswahlbehörde für die Landtagswahl am 28. April zugelassen Liste von Hans-Peter Mayr seine Unterstützung zugesagt. Und das trotz massiver gegenteiliger Bekundungen von prominente Mitgliedern seiner Bundespartei in den vergangen Tagen. Es seien „Fehler passiert“, aber „für das Wohlbefinden von Tirol“ sei man einen Kompromiss eingegangen, teilte Stronach am Donnerstag nach einer Serie von Krisengesprächen mit.

Stronach und die Werte

„Wir werden die Liste unterstützen, solange sie die Werte beibehalten“, meinte der Austrokanadier. Er habe immer gesagt, dass er nach Tirol fahre und sich alle anhören werde, um „einen Konsens reinzubringen“, erklärte der Milliardär. Team Stronach-Klubchef Robert Lugar hatte die Zulassung der Mayr-Liste in der vergangenen Woche als Skandal bezeichnet, das Einstellen der Wahlwerbung angekündigt und rechtliche Schritte in Aussicht gestellt. Wegen der „rechtswidrigen Namensverwendung“ wurden Mayr Schadenersatzforderungen angedroht.

Die endgültige Entscheidung brachte ein Frühstück Stronachs mit Mayr und seinen Listenmitgliedern in einem Hotel im Vomp. An dessen Ende konnte Mayr ein breites Grinsen nicht verbergen. Stronach soll in den zwei Wochen bis zur Wahl noch dreimal nach Tirol kommen, kündigte der Spitzenkandidat an. Der Wahlkampf soll jetzt „massiv“ in Angriff genommen werden. Auf den Plakaten soll aber weiterhin nur Stronach zu sehen sein, sagte Mayr.

Die eingereichte Listenbezeichnung lässt sich zwar nicht mehr ändern, dennoch will man zukünftig in Tirol unter der Bezeichnung „Liste Stronach-Mayr“ auftreten.

Stronach soll in den zwei Wochen bis zur Wahl noch dreimal nach Tirol kommen, kündigte Mayr an. Der Wahlkampf soll jetzt „massiv“ in Angriff genommen werden. Auf den Plakaten soll aber weiterhin nur Stronach zu sehen sein, sagte Mayr.

Personenkomitee als „Aufsichtsrat“

Zudem haben sie vereinbart, dass „ein Personenkomitee mit rund 40 Mitgliedern als eine Art Aufsichtsrat gegründet wird“, sagte Mayr. „Diesem Komitee werden wir eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass wir die Werte von Frank Stronach im Landesparlament vertreten.“

Ziel für die Wahl sei eine „schöne Zweistelligkeit“. Stronach selbst hat Tirol heute Vormittag schon wieder verlassen. Er machte sich per Privatjet auf den Weg nach Salzburg, wo er seine dortige Gruppe im Wahlkampf unterstützen wird.

Ulmer zieht sich enttäuscht zurück

Doch der in Tirol erzielte Kompromiss gefällt offenbar nicht jedem: Die Liste Sonja Ulmer, sie wurde von der Bundespartei ursprünglich unterstützt, zieht sich laut TT-Informationen enttäuscht zurück. 820 Mitglieder wollen sich aus der Partei zurückziehen.

Mit der Entscheidung eine Bürgergruppe zu gründen, habe Stronach die Bundesleitung der Partei und die Truppe um Ulmer vor den Kopf gestoßen und desavouiert, sagt Landesorganisator Prantl. Stronach hatte am Mittwochabend im Innsbrucker Congress noch betont, er habe Mayrs Liste „nicht genehmigt“.

„Peinliche Anbiederung“

Heftige Kritik an den Vorgängen beim Team Stronach kam am Donnerstag von der ÖVP. „Wie sich die verschiedenen Vertreter der Tiroler Stronach-Listen beim großen Geldgeber anbiedern, ist absolut untirolerisch und zeugt von wenig Rückgrat“, meint VP-Abgeordneter Jakob Wolf. „Auf den Plakaten steht ‚Tirol entscheidet‘. Tatsache ist wohl eher ‚Kanada entscheidet, Wien segnet ab und Tirol führt die Befehle aus.“ (TT)

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