20.07.2010
Innsbruck

Stadt will Veranstaltungszügel in der Prachtstraße anziehen

Richtlinienpapier soll Event-Qualität garantieren, Opposition ortet „Kleinkariertheit“. Rädern geht es an den Kragen.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Werbe- und Marktstände, Parteiveranstaltungen, Info-Stände von Religionsgemeinschaften und NGOs, Sportveranstaltungen, Staffeleimaler oder karitative Stände – all das soll es künftig in der frisch fertig gestellten Fußgängerzone, der nördlichen Maria-Theresien-Straße, nicht mehr geben. Und wenn, dann nur im Ausnahmefall für bereits etablierte Veranstaltungen, wie den Christkindlmarkt, Kleinkonzerte, Traditionsveranstaltungen oder Sport-Events (Silvesterlauf, Stadtlauf). So listet es jedenfalls ein heute dem Innsbrucker Stadtsenat vorliegendes Richtlinienpapier auf.

„Wir wollen hier einen sehr restriktiven Weg gehen und grundsätzlich nur noch wenige Veranstaltungen dort zulassen“, erklärte gestern BM Christine Oppitz-Plörer im Rahmen eines Pressegesprächs. Immerhin habe die Neugestaltung der Fußgängerzone viel Geld verschlungen und wie der Name schon sage: Die nördliche Maria-Theresien-Straße sei eine Fußgängerzone und eben kein Veranstaltungsplatz. Dafür hätte man den Sparkassenplatz, den Marktplatz oder auch gegebenenfalls den Landesmuseumsvorplatz zur Verfügung.

Erwartungsgemäß entrüstet zeigten sich gestern die Grünen ob des bürgermeisterlichen Vorstoßes. Die neue Regelungen sind für sie „kleinkariert“, Grünen-Klubobmann Gerhard Fritz lassen sie gar „den kalten Schauer über den Rücken laufen“. Die Grünen warnen vor einer Aufgabe der Vielseitigkeit und vor einem Drüberstülpen eines „Schöner-Wohnen-Katalogs“ über die Prachtstraße. Zumal sie ohnehin der Meinung sind, die Richtlinien befänden sich außerhalb der Verfassungsmäßigkeit. Sollen doch künftig nur noch Inhaber von Geschäften der Maria-Theresien-Straße Modeschauen oder Firmenjubiläen dort öffentlich feiern dürfen.

Allfällige Beschwerden will Oppitz-Plörer jedenfalls vorerst „gelassen abwarten“. Weniger gelassen nimmt sie indes die Tatsache, dass die Fußgängerzone zeitweilig zu einem einzigen Fahrradabstellplatz zu mutieren scheint: „Wir haben ja nicht viel Geld ausgegeben, damit das jetzt ein Radabstellplatz wird.“ Sie will die parkenden Drahtesel um jeden Preis künftig in die Seitenstraßen verbannen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 20.07.2010
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