„Goldgräber sind in den Startlöchern“
Von Miriam Sulaiman
Innsbruck – Eines schickt Umweltanwalt Johannes Kostenzer voraus. Er bekennt sich zum Wintersportland Tirol, und ihm sei bewusst, dass der Wohlstand im Land darauf basiere. „Aber man muss die Grenzen erkennen und akzeptieren“, fordert Kostenzer. Das sei eben nicht überall der Fall, deshalb macht er sich derzeit große Sorgen. Schließlich werden gerade die Seilbahngrundsätze evaluiert.
„Ich spüre eine Goldgräberstimmung. Bei vielen Projekten wurde die Erwartung geweckt, dass sie künftig möglich werden könnten“, meint Kostenzer. Das Lenkungsinstrument der Seilbahngrundsätze hätte bisher sehr gut funktioniert. So habe es auch keinen Ausbaustopp gegeben, verweist er auf rund 600 positiv abgewickelte Verfahren.
Eine Evaluierung hält er für überflüssig. „Sie sind auf zehn Jahre angelegt, das ist eine überschaubare Zeit. Gerade im Naturschutz benötigt es Langfristigkeit. So sind 20 Jahre für einen Baum gar nichts“, argumentiert der Umweltanwalt weiter. Änderungen nach der Evaluierung sind für ihn nicht zielführend.
Mit der Überprüfung seien nämlich eine Reihe von Begehrlichkeiten wieder aufgetreten. Kostenzer: „Es wird Druck auf die Regierung ausgeübt.“ Er appelliert, endlich auf den größeren Kontext zu schauen. „Wenn immer wieder neue Skipisten und Anlagen genehmigt werden, hat dies einen extrem negativen Effekt auf den Naturraum. Einen Zusammenschluss der Schlick mit der Lizum, der zwar derzeit politisch nicht möglich, aber noch nicht ganz vom Tisch ist, würde er als „fatales Signal“ sehen.
Zudem steht für ihn die Erweiterung von Skigebieten im Widerspruch zur touristischen Entwicklung. Die Zahl der Skifahrer stagniere, dafür steige das Potenzial im Tourenbereich: „Natürlich braucht es große Skiregionen. Ich bezweifle aber, dass sich Klein-Skigebiete wie der Glungezer oder das Rangger Köpfl halten können. Hier gehört Mut dazu, auch Entscheidungen zu treffen“, zweifelt er an ihrer wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit und fordert klare Strategien.



