Telfs und Piz Val Gronda sind Tabus
Wie umweltfreundlich ist Tirol nun?
Johannes Kostenzer: Die Umweltanwaltschaft wurde zu einer Zeit geschaffen, als die Bevölkerung mit Natur- und Umweltschutz noch wenig anfangen konnte. Also war es ein visionärer Zugang seitens der Politik. Dann hat die Gesellschaft aufgeholt. Jetzt fordert diese mehr ein, während die politischen Spielräume – wohl wegen wirtschaftlicher Entwicklungen – enger geworden sind. Der Druck auf den Naturraum nimmt zu.
Ist der Stellenwert, den die Politik der Natur einräumt, zu gering?
Kostenzer: Er ist geringer geworden. Dafür kommt man nun nicht mehr aus, sich mit der Bevölkerung auseinanderzusetzen. Die frühere Rolle der Umweltanwaltschaft war es, dieser Vertreter der Natur zu sein. Jetzt sind wir mehr Richtungsweiser: Wie kann ressourcenschonend mit Naturräumen umgegangen werden, ohne dass der Wohlstand auf dem Spiel steht? In Schlüsselthemen wollen wir Zukunftsperspektiven aufzeigen.
In welchen?
Kostenzer: Wintertourismus, Energie und Landwirtschaft zum Beispiel. Etwa das Thema Kalkkögel im Stubaital – wer glaubt wirklich, dass man mit einem Seil 1 Mio. Nächtigungen aufrechterhalten kann? Man muss neue Wege gehen, die Chancen der Natur erkennen. Natur darf massentauglich Spaß machen. Um dies zu entwickeln, braucht es die besten Köpfe. Die Umweltanwaltschaft zeigt die großen Linien auf und macht klar, dass es nicht nur einen Weg gibt.
Welche Projekte sind tabu?
Kostenzer: Piz Val Gronda und Kraftwerk Telfs. Besonders Telfs, weil hier wider besseren Wissens ein Standort gewählt wird, der dem Kriterienkatalog widerspricht.
Sie sind mit dem Kriterienkatalog also zufrieden?
Kostenzer: Der Schritt von LHStv. Steixner war sehr positiv. Es fehlt jedoch der Bereich der Windkraft und der Photovoltaik. Tirol kann sich nicht drücken. Eine Energieautarkie wird allein mit Wasserkraft nicht möglich sein. Es ist nicht stimmig, dass man für das Kraftwerk Kaunertal 1,2 Mrd. € auszugeben bereit ist und nur eine 1 Mio. € zusätzlich für Photovoltaik.
Zum Geburtstag darf man sich etwas wünschen. Reichen die Instrumente der Umweltanwaltschaft aus?
Kostenzer: Wir haben einen massiven Pferdefuß: Uns fehlt das Beschwerderecht, wenn die Abteilung Umweltschutz 1. Instanz ist. Mein größtes Anliegen ist jedoch eine bessere Personalsituation. Um neue Wege aufzuzeigen, bräuchten wir einen Mitarbeiter mehr.
Das Gespräch führte Miriam Sulaiman



