24.03.2010
Innsbruck

Kein Geld für „Hobbyvereine“

Aufschrei unter feministischen Einrichtungen. Ihr Überleben sei bedroht. LR Zoller-Frischauf sortiert hingegen aus.

Von Ivona Jelcic und Miriam Sulaiman

Innsbruck – Just am Internationalen Frauentag, dem 8. März, erfuhren die Veranstalterinnen der Reihe kinovi(sie)on von der Subventionskürzung durch das JUFF Frauenreferat des Landes Tirol. Seit 2005 stellt kinovi(sie)on an jedem 8. des Monats das Filmschaffen von Frauen in den Mittelpunkt, ergänzt werden die Veranstaltungen durch Referate. Mit 2000 € hatte das JUFF das Projekt bisher unterstützt, „fällt dieser Betrag weg, verlieren wir zwei Drittel unseres Budgets“, sagt Gertraud Eiter. Betroffen von den Kürzungen sind auch andere frauenspezifische Vereine: Wie bereits 2009 wird dem Autonomen FrauenLesbenZentrum die beantragte Subvention nicht gewährt – und auch das Archfem, Interdisziplinäres Archiv für feministische Dokumentation, erhielt eine schriftliche Absage für das Jahr 2010. Was Lisa Gensluckner, Gründungsmitglied des seit 1993 bestehenden Vereins, zu dem Schluss bringt: „Diese Auswahl hat System. Gekürzt werden feministische, kritische Organisationen, die sich der Emanzipation widmen.“ Neben der Dokumentation der Geschichte der Frauenbewegung mit Schwerpunkt Tirol leiste der Verein auch Bildungsarbeit, mit der Kürzung um 6000 € durch das JUFF verliere der Verein rund ein Drittel seines Budgets. Alle drei Organisationen zusammengenommen beläuft sich die Kürzung auf 14.500 €. SP und Grüne schreien auf.

LR Patrizia Zoller-Frischauf selbst spricht von 15.000 bis 20.000 Euro an Kürzungen bzw. Streichungen, die fünf Einrichtungen treffen werden. „Ich hätte sagen können, ich mache es mir bequem und kürze alle um 20 Prozent. Es gibt aber Einrichtungen, die professionell rechtlich und psychologisch beraten. Und in Zeiten wie diesen ist hier an Kürzungen nicht zu denken“, verweist sie auf ihre­ Prioritätensetzung.

„Frauenliteratur ist sicher ganz wichtig. Sie kann aber auch in anderen Büchereien stehen. Und Veranstaltungen, wo die Einkommensschere­ bejammert wird, nützen nichts. Es geht darum, dort anzusetzen, wo man etwas verändern kann“, führt Zoller-Frischauf aus. Deswegen unterstütze sie etwa nun die Beratung von Prostituierten, die aussteigen möchten. Als „lächerlich“ stuft sie den Vorwurf ein, kritische Organisationen zu kürzen. Von manchen sei die Zeit abgelaufen. Vom Lesbenzentrum sei sie nicht überzeugt: „Es gibt weder eine Rechtsberatung noch einen Psychologen. Die Leute geben sich gegenseitig Tipps und machen Partys. Das ist nett. Aber ein Hobbyverein. Ich möchte es weder beurteilen noch verurteilen. Aber es gibt kein Steuergeld.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 24.03.2010
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