Die Legende lebt, auch wenn sie heuer nass wurde
Ergebnisse
Männer: 1. Ulrich Groß (Meran) 4:36:25 Std., 2. Stefan Gruber (Pill) 4:38:52 (Sieger 2009), 3. Florian Madl (Patsch) 4:47:38.
Damen: 1. Henriette Holzknecht (Sellrain) 5:21:34, 2. Claudia Walder (Seefeld) 5:33:12, Anni Frotschnig (Salzburg) 5:52:20. Klassensieger, ab Jg. 1981: Claudia Walder 5:33:12 bzw. Markus Kirchner 4:58:08. Jg. 1971-1980: Viktoria Eder 6:29:53 bzw. Groß 4:36:25. Jg. 1961-1970): Holzknecht 5:21:34 bzw. Gruber 4:38:52. Jg. 1951-1960: Frotschnig 5:52:20 bzw, Franz Holzknecht 5:21:59. Jg. vor 1950): Rita Schmiderer 8:38:06 bzw. Peter Kühr 5:31:57.
Info: www.pentek-timing.at
Von Irene Rapp und Florian Madl
Scharnitz/Pertisau – Ein unfreundlicher Samstagmorgen in Scharnitz. 5.30 Uhr, Nieselregen und eine Temperatur, die das so zeitig verlassene Bett schmerzlich in Erinnerung ruft.
„Bitte zu mir“, empfängt die freundliche Dame von der Gepäckabgabe einen gedankenverlorenen Wanderer, der mit 850 ebenfalls wandernden Gesinnungsgenossen, weiteren 100 Nordic Walkern und 350 Läufern in wenigen Minuten den Karwendelmarsch bestreiten will. Die emsigen freiwilligen Helfer vor dem Gemeindeamt müssen sich zu keinem Lächeln zwingen – sie lieben ihren Karwendelmarsch. Dafür wird dann auch mit Traditionen gebrochen, so erlebt im Lager der Scharnitzer Stockschützen: Seit 15 Jahren veranstalten sie an eben diesem letzten Augustsamstag ihr Asphaltturnier, diesmal fiel der Termin dem Laufklassiker zum Opfer. Die Ehrenamtlichen geben dem kalten Augustsamstag eine Spur Wärme, so gesehen ein äußerst freundlicher Samstagmorgen.
Der Startschuss um 6 Uhr – so etwas wie die Entladung einer lange aufgebauten Spannung. Dem Lamento über das Wetter setzen die Wanderer engagierte Schritte entgegen, manche von ihnen sollten später sogar in den Laufschritt übergehen: „Bei dem anhaltenden Regen waren wir froh, als es endlich vorbei war!“, meinte einer von ihnen. 52 Kilometer und 2200 Höhenmeter können schließlich lange sein ...
Beschleunigt, das haben auch die Läufer. Solche wie der Südtiroler Ulrich Groß etwa, der den Streckenrekord des heuer Zweitplatzierten Stefan Gruber um acht Minuten unterbot (4:36:25 Std.).
Nicht viel anders das Geschehen bei den Damen: Doch Siegerin Henriette Holzknecht (5:21:34 Std.), ebenfalls neue Rekordhalterin, gratulierte im Moment des Erfolgs lieber den anderen: „Jeder, der hier ins Ziel gekommen ist, zählt zu den Siegern.“ Solche wie die Wienerin Maria Hermann (62) etwa, die nach 11:55:50 Stunden als letzte Läuferin das Ziel erreicht. Oder jener Wanderer, der um 20.15 Uhr im Ziel in Pertisau eintrudeln sollte.
„Das Schönste für uns: Die Leute kommen mit einem Lächeln ins Ziel“, freut sich Mitorganisator Markus Tschoner (Tourismusverband Seefeld) mit seinem Bruder und Kollegen Martin (Tourismusverband Achensee) um die Wette. Und tatsächlich: Die erschöpften Zielankömmlinge strahlen, schimpfen kurz über den Regen, und freuen sich am Ende über einen rundum gelungenen Tag. Das warme Bett kann kommen, die paar kleinen Blessuren verschmerzt man. Nächstes Jahr wieder (27. August), lautet das Motto. Die Legende Karwendelmarsch wird weiterwachsen.



