Ärger mit dem Sprung-Kalender
Von Susann Frank
Klingenthal – Unermüdlich zieht die Skisprung-Karawane weiter. Kräfteraubend. Terminhetze. Während fast alle anderen Wintersport-Athleten seit vergangenem Wochenende durchschnaufen dürfen. Weder die Ski Alpinen, die Biathleten oder die Nordischen Kombinierer müssen vor dem Start der Olympischen Spiele noch einen Wettkampf bestreiten. Sie können sich in Ruhe daheim vorbereiten oder früher an passende Orte fliegen, um den Körper auf an die schwierige Zeitumstellung zu gewöhnen. Die Skifahrer absolvieren Trainingseinheiten im kanadischen Sun Peaks, ein Teil der Kombinierer wird in Canmore stationiert sein.
„Es wäre schön, eine Pause zu haben“, sagt Skisprung-Cheftrainer Alex Pointner. Er spricht im Konjunktiv, weil der 39-Jährige gestern mit seinen Athleten (inklusive dem vorgestern gestürzten Andreas Kofler) ins 500 Kilometer von Oberstdorf entfernte Klingenthal reiste, der nächsten Station auf der Team-Tour in Deutschland. Heute ist Qualifikation, morgen Wettkampf (17.10 Uhr/ORF 1 live), am Donnerstag geht es weitere 500 Kilometer nach Willingen mit einem Qualifikations- und zwei Wettkampfstagen (bis 7. Februar).
„Schade ist dieser Terminkalender vor allem für die Organisatoren in Willingen, weil dort wohl kaum mehr Spitzenspringer sein werden“, weiß Pointner. Neben seinen fünf Olympia-Kandidaten, die am 9. Februar nach Vancouver fliegen, werden wohl auch die Teilnehmer fast aller anderen Nationen fehlen. Immerhin gehen die Skispringer kurz nach der Eröffnung der Spiele am 13. Februar über den Bakken der Normalschanze auf der Jagd nach dem begehrten Edelmetall.
Dessen Wert in den Augen der Skispringer um einiges mehr wiegt als die 100.000 Euro, die es bei der Team-Tour für die Siegermannschaft zu gewinnen gibt. In der ersten Saison der Prämien-Umverteilung (Sieger erhält nur noch ein Drittel) ist es für die Sportler trotzdem ärgerlich, genau bei einer großen Summe vorher Richtung Olympia weiterziehen zu müssen.



