22.02.2012, 22:43  Aktualisiert: 22.02.2012, 23:01 
Champions League

Sensation in Basel! Schweizer Meister bezwingt die Bayern

Durch einen Treffer in der Nachspielzeit schlägt Marseille den Krisen-Klub Inter Mailand.
Dragovic hatte bei einem Kopfball an die Stange Pech.
Foto: EPA

Basel/Marseille – Aleksandar Dragovic‘ FC Basel hat das Duell mit David Alabas FC Bayern im Achtelfinal-Hinspiel der Fußball-Champions-League überraschend gewonnen. Der Schweizer Meister, der sich in der Gruppenphase bereits gegen Manchester United durchgesetzt hatte, siegte am Mittwoch im St. Jakob-Park dank eines Treffers des eingewechselten Valentin Stocker in der 86. Minute mit 1:0 und verschaffte sich damit fürs Rückspiel am 13. März in der Münchner Allianz Arena eine gute Ausgangsposition.

Die beiden ÖFB-Internationalen waren vor 36.000 Zuschauern - darunter auch Teamchef Marcel Koller - über die komplette Spielzeit im Einsatz, boten ansprechende Leistungen und kamen sogar einem Torerfolg nahe.

Dragovic hätte seine Mannschaft in der 16. Minute fast in Führung gebracht: Im Zuge eines Corners stand der Ex-Austrianer plötzlich frei, sein Kopfball wurde jedoch von Bayern-Goalie Manuel Neuer an die Innenstange gewehrt, ehe Badstuber in höchster Not knapp vor der Linie klärte.

13 Minuten später wäre Alaba fast als Torschütze in Erscheinung getreten, allerdings war Basel-Schlussmann Yann Sommer beim gut angetragenen Schuss aus gut 20 Metern auf dem Posten. Während der 19-Jährige einmal mehr in der Startformation des deutschen Rekordmeisters aufschien, ließ sein Trainer Jupp Heynckes so bekannte Kicker wie Thomas Müller, Luiz Gustavo oder Ivica Olic vorerst auf der Bank schmoren.

Alaba sollte das Vertrauen seines Coaches rechtfertigen. Der Wiener spielte im zentralen Mittelfeld eine aktive Rolle, verteilte die Bälle auf dem holprigen Rasen fehlerlos, schaltete sich häufig - auch über links - in die Offensive ein und verrichtete dabei eine enorme Laufarbeit.

Einen nicht minder gelungenen Auftritt legte Dragovic hin. Der 20-Jährige agierte in der Abwehrzentrale trotz seiner Jugend wie ein Routinier und ließ Bayern-Goalgetter Mario Gomez nur selten zur Geltung kommen. Lediglich in der 42. Minute musste der 14-fache Teamspieler den DFB-Teamstürmer ziehen lassen, bei dessen Schuss war Sommer aber zur Stelle.

Der überragende Basel-Schlussmann hatte sich bereits in der 3. und 12. Minute bei Großchancen von Franck Ribery ausgezeichnet. Erst danach fanden die Schweizer besser ins Spiel - so scheiterte Marco Streller unmittelbar vor dem Dragovic-Stangenkopfball aus kurzer Distanz an Neuer, in der 19. Minute hatte Alexander Frei mit einem Lattenschuss Pech.

In der 62. Minute verzog Alaba einen Distanzschuss nur knapp und legte zwei Minuten später per Kopf für Gomez auf, der mit seinem Fallrückzieher in Sommer seinen Meister fand. Zwei Minuten später fischte der Basel-Schlussmann einen Schuss von Lahm aus der Kreuzecke, in der 72. Minute verhinderte er mit einer Glanztat ein Tor des alleine auf ihn zustürmenden Gomez.

In der Folge blieben die großen Höhepunkte vorerst aus. Sowohl die optisch überlegenen Bayern als auch die aus Kontern immer gefährlichen Basler schienen sich mit dem Remis zufriedenzugeben, bis der eingewechselte Stocker in der 86. Minute zuschlug.

Nach dem Schlusspfiff kam es zum schon vorher vereinbarten Leiberltausch zwischen Dragovic und Alaba, die sich bereits beim obligatorischen Shakehands vor dem Anpfiff innig umarmt hatten. Der Freundschaft der beiden tat wohl auch ein unabsichtlicher Tritt Alabas gegen den Kopf von Dragovic in der 77. Minute keinen Abbruch.

Inter schwächelt weiter

Inter Mailand hat in der Nachspielzeit seine ordentliche Ausgangsposition in der Champions League verspielt. Die in der Serie A zuletzt fünfmal sieglosen Italiener verloren am Mittwochabend das Achtelfinal-Hinspiel bei Olympique Marseille mit 0:1 (0:0). Der ghanaische Fußball-Nationalspieler André Ayew ließ die Franzosen in der dritten Minute der Nachspielzeit mit seinem Kopfball-Treffer jubeln. Ob der in die Kritik geratene Inter-Trainer Claudio Ranieri auch im Rückspiel am 13. März noch auf der Bank sitzen wird, ist nach der neuerlichen Pleite fraglicher denn je.

In einer zerfahrenen Fußball-Partie war Marseille zunächst das bessere Team, kam aber kaum gefährlich vor das Tor von Inter-Keeper Julio Cesar. Die beste Chance des ersten Durchgangs bot sich Mailands Angreifer Diego Forlan (11. Minute), doch der Uruguayer verpasste in seinem ersten Königsklassen-Einsatz für Mailand die Führung.

Auch in Durchgang zwei blieben Torchancen Mangelware. Die in der Liga seit drei Monaten ungeschlagenen Franzosen mühten sich zwar redlich. Doch in der Offensive waren die Olympique-Profis gegen die Mailänder Abwehr lange zu harmlos, bis Ayew doch noch zuschlug.

Bei Inter standen im Stade Vélodrome gleich neun Profis in der Startelf, die bereits im Champions-League-Finale 2010 gegen den FC Bayern München (2:0) dabei gewesen waren.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 22.02.2012  22:43
aktualisiert: Mi, 22.02.2012  23:01
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