„Ich kann nur besser einparken“
Steckbriefe – Susie und Toto Wolff
Susie Wolff: geboren am 6. Dezember 1982 in Oban, Schottland, als Susie Stoddart. Motorsportkarriere: 1996–2000: Kartsport; 2000–2002: Formel Ford; 2002–2005: Formel Renault; 2005–2006: britische Formel-3-Meisterschaft; seit 2006: in der DTM bei Mercedes; seit 2012: Formel-1-Testfahrerin bei Williams. Persönliches: Am dritten Oktober-Wochenende 2011 heiratete sie ihren Verlobten Toto Wolff. Toto Wolff: geboren am 12. Dezember 1972 in Wien. Motorsportkarriere: 1992–1994: Formel Ford; 1994: Klassensieger beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring; 2006: Österreichischer Rallye-Vizestaatsmeister; 2009: neuer Rundenrekord auf der Nürburgring-Nordschleife. Geschäftlich: Wolff ist mit seiner Firma am Formel-1-Team Williams beteiligt. Außerdem ist der Geschäftsmann Co-Eigentümer einer Managementgesellschaft mit Mika Häkkinen.
Susie Wolff, ‚Frau am Steuer, das kommt teuer‘ – wie oft mussten Sie als Rennpilotin schon gegen dieses Vorurteil kämpfen?
Susie Wolff: Nicht nur einmal. Wenn ich sage, dass ich Rennfahrerin bin, dann meinen die meisten: ‚Du fährst eh nur gegen andere Frauen.‘ Dumme Sprüche gab es ja schon immer. ‚Hast du im Rennauto überhaupt für deine Handtasche Platz?‘ Aber da lache ich einfach mit. Das nehme ich nicht so ernst. Ich bin ja lange genug dabei, um beide Seiten zu kennen. Die schöne Seite ist, wenn ich die Unterstützung von anderen Frauen bekomme.
DTM- (Deutsche Tourenwagenmeisterschaft) und jetzt Formel-1-Testpilotin bei Williams – McLaren-Rennpilot Jenson Button hat gesagt, dass Frauen aufgrund der physischen Unterlegenheit kein Rennen bestreiten könnten. Wie sehen Sie das?
Susie: Dass die Königsklasse schwerer als die DTM ist, das ist mir klar. Ich habe das Glück, mich mit Ex-Formel-1-Piloten wie David Coulthard auszutauschen und Tipps zu holen. Wie es wirklich ist, kann ich aber erst nach der ersten Testreihe im Sommer sagen.
Toto Wolff, wenn die eigene Ehefrau im Team fahren darf, bei dem Sie Mitbesitzer sind, dann sind schnell die Neider am Wort oder?
Toto Wolff: Williams ist ein Betrieb mit 500 Mitarbeitern und da gibt es keine diktatorischen Entscheidungen. Das professionelle Umfeld weiß, dass niemand einfach so den Sprung in die Formel 1 schafft, wenn da nicht die nötigen Fähigkeiten vorhanden wären. In der DTM fährt Susie ja nicht nur gegen Ex-Formel-1-Piloten, sondern auch gegen Sieger der Euro-Serie. Die hat sie schon hinter sich gelassen.
Herr Wolff, Sie kommen selbst aus dem Motorsport. Wie oft geben Sie ihrer Frau Fahrtipps und wenn ja, nimmt Sie diese auch an?
Toto (lacht): Wir Männer sind immer überzeugt, bessere Autofahrer zu sein. Aber wenn ich realistisch bin, dann kann ich nur besser einparken.
Susie (lacht): Erzähl mal, wer immer bei uns beiden privat hinterm Steuer sitzt. Er fährt, weil er sich die ganze Zeit beschwert.
Wer sammelt eigentlich mehr Strafzettel übers Jahr gesehen?
Toto (lacht): Ich. Und das Schlimme ist, ich fahre immer ins selbe Radar hinein.
Ihr Aufstieg abseits der Rennstrecke ist mehr als beeindruckend – mit der Krönung als Mitbesitzer bei Williams. Ist der Höhepunkt damit schon erreicht?
Toto: Im Moment arbeite ich so halb operativ bei Williams. Ich möchte schon einmal so mitwirken, dass wir ein Spitzenteam werden können. Sonst schaue ich nie zu weit voraus. Es folgt ein Ziel nach dem anderen. Es klingt zwar einfacher, als es ist, aber in meinem Leben hat sich immer alles ergeben.
Williams hat in Barcelona den ersten Sieg seit acht Jahren eingefahren. Können die Tage als Weltmeisterteam wiederkommen?
Toto: Das wird wiederkommen. Der Sieg in Barcelona war unglaublich, aber es war vorerst nur ein erster Schritt. Wir müssen am Boden bleiben. Trotzdem hätte ja auch niemand geglaubt, was bei Red Bull geschafft wurde. Das alles braucht Zeit.
Bei Williams haben Sie vor der Saison mit Ex-Leichtathlet Michael Johnson und Ex-Formel-1-Pilot Alexander Wurz zwei für die Branche eher ungewöhnliche Verpflichtungen gemacht.
Toto (lacht): Eigentlich haben wir beide verpflichtet, damit Sie ein Wettrennen machen können. Und bei dem Ehrgeiz vom Alexander gewinnt der auch. Nein, Scherz beiseite. Was die Fitness betrifft, gibt es mit der Johnson-Firma keine bessere Entscheidung und den Alexander haben wir als Dolmetscher engagiert. Er vermittelt zwischen den unerfahrenen Piloten und den Mechanikern. Er spricht die Sprache der Techniker.
Frau Wolff, hat sich das Interesse an Ihrer Person seit dem Formel-1-Engagement gesteigert?
Susie: Ja, definitiv. Das Witzige daran ist: Viele Leute haben erst danach mitbekommen, dass ich eigentlich schon länger in der DTM fahre.
Wenn Sie Toto beschreiben müssen, wo liegen seine Qualitäten?
Susie (lacht): Ich muss ihm die Ohren zuhalten, weil er das eigentlich nicht hören sollte. Toto ist sehr inspirierend für mich. Ich höre ihm immer zu und ich weiß, dass ich viel von ihm lernen kann. Ich bin sehr stolz, ihn an meiner Seite zu haben.
Und wie sieht das Herr Wolff ...
Susie (lacht): Du musst jetzt auch etwas Nettes sagen.
Toto: Ihre Qualitäten? Es reicht kein Blatt Papier aus, um das auf den Punkt zu bringen. Susie ist ambitioniert, zäh und gibt nie auf. Sie kompensiert ihre körperlichen Schwächen im Rennauto und schafft eine Balance zwischen dem Sport und eine sehr gute Ehefrau zu sein.
Susie (lacht): Das hast du nett gesagt ...
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Susie: Ich hoffe, dass ich immer noch neben Toto aufwache und meine Ziele erreicht habe.
Toto (lacht): Ich hoffe auch, dass ich immer noch neben Susie aufwache. Und sie noch gerne anschaue. Scherz. Für mich ist wichtig, dass die ganze Familie gesund ist und die sportlichen und geschäftlichen Ziele erreicht werden.
Das Interview führte Daniel Suckert



