24.05.2012
Zweites Finalspiel für HIT

„Es ist wie ein Sommermärchen“

Vor dem Heim-Finale morgen gegen Hard (20.20 Uhr) gewährt Stefan Öhler Einblicke in seine Seele. Der Coach der HIT-Handballer erklärt, wie seinem Team Flügel gewachsen sind und wie die Not zur Tugend wird.

Innsbruck – Nach der knappen 23:24-Niederlage im ersten Match der Best-of-three-Finalserie wollen die Innsbrucker HIT-Wölfe in der Tiwag-Arena zurückschlagen. Am besten vor vollem Haus. Dafür nahm Coach Stefan Öhler auch einen neuen Untergrund in Kauf: „Der Vorstand hat mir im Halbfinale ja auch den Wunsch zugestanden, beim Heimspiel in Hötting West zu bleiben. Deswegen stimmte ich sofort zu. Wir wollen unseren Sport richtig positiv präsentieren“, rührt er die Werbetrommel. Die TT sprach mit dem Langzeit-Coach auch über finale Vorfreuden, die unglaubliche Entwicklung und die Kunst erfolgreichen Coachings.

Eine Frage vorweg: Wie hoch sind die Parkkosten in der Woche vor dem Finale (bei jedem Training im Landessportcenter müssen die Wölfe ohne eigene Standplätze in der Parkzone blechen, Anm. d. Red.)?

Öhler: Das klammere ich aus.

Welche Antwort hätten Sie einem heillosen Optimisten gegeben, der Ihnen vor Saisonbeginn gesagt hätte, dass Sie im Mai im Finale stehen würden?

Öhler: Bleib‘ am Boden!

Wie sind Ihrem HIT-Team Flügel gewachsen?

Öhler: Die Flügel sind uns gewachsen, weil sich das gesamte Team entwickelt hat. Einige wie Goalie Martin Kalischnig wurden kontinuierlich stärker, die Flügelspieler wie Pius Steiger und Christoph Walter haben sich verbessert. Und unsere zwei Super-Neuverpflichtungen Max Hermann und Dragoljub Perovic wurden immer besser integriert.

Das Ganze ist ein Traum?

Öhler: Dieser Lauf ist wie ein Sommermärchen.

Welche Entwicklung haben Sie selbst als Trainer genommen?

Öhler: Ich freue mich, mit meinem Stil Erfolg zu haben. Ich fordere von den Spielern Selbstverantwortung und gebe Entscheidungsfreiheit. Ich habe als Spieler selbst Diktatoren erlebt. Aber das Coaching ist generell anders geworden. Noch etwas: Ein Trainer kann das Team zwar vorbereiten, aber er gewinnt kein Spiel. Ich schieße kein Tor und halte keinen Ball.

Apropos Vorbereitung. Am Freitag steigt das bereits sechste Saisonduell gegen Hard. Sie studieren gerade die Videoaufzeichnung vom ersten Finalmatch. Gibt‘s da überhaupt noch etwas Neues zu sehen?

Öhler: Ja, das war auch in der Halbfinalserie gegen Krems so. Ich schaue mir bis zwei Minuten vor unserer Besprechung das letzte Match an: Und da kommen mir aus dem Bauch heraus oft die besten Ideen.

Heißt, Sie werden sich auch am Freitag irgendwo alleine und versteckt in der Tiwag-Arena verschanzen?

Öhler: (lacht) Ja. Und ich warte, bis mir ein Licht aufgeht.

Nach der Auswärtsniederlage muss ein Sieg her, um ein Entscheidungsspiel in Hard zu erzwingen. Schon wieder ein Spiel der letzten Chance wie schon in Grunddurchgang, Meister-Play-off und Halbfinale?

Öhler: Der Spruch „letzte Chance“ ist in unserem Team schon ein Running Gag. Und bis jetzt haben wir diese Spiele in dieser Saison ja auch immer gewonnen.

Neben der Euphorie ums Finale schwingen leidige Nebengeräusche um die finanzielle Zukunft mit. Ein Störfaktor?

Öhler: Nein. Der Vorstand hat es in den letzten Jahren in letzter Sekunde immer wieder geschafft. Den Paul (Topscorer Povilas Babarskas, Anm.) haben wir damals nach zwei Trainings genommen, weil kein anderer da war. Wir schaffen es immer wieder, aus der Not eine Tugend zu machen. Ich hoffe allerdings, dass wir eine konkurrenzfähige Truppe in der Handball Liga Austria stellen können.

Würden Sie HIT bei einem richtig fetten Lotto-Sechser unterstützen?

Öhler: (zwinkert) Ich ließe eine neue Halle bauen.

Das Gespräch führte Alex Gruber

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 24.05.2012
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