21.06.2012, 08:47  Aktualisiert: 21.06.2012, 10:13 
Tschechien - Portugal

Tschechien setzt gegen Portugal und Ronaldo auf Mini-Messi Pilar

Portugal und Tschechien können am Donnerstag mit dem guten Gefühl in das EM-Viertelfinale gehen, es schon vor diesem Spiel allen Kritikern gezeigt zu haben. Vor allem den Trainern schlug viel Skepsis entgegen. Zwischen Bilek und Bento gibt es einige Parallelen.
Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen Portugal und Tschechien bei einer EM vor vier Jahren hatten die Iberer mit 3:1 das bessere Ende für sich.
Foto: GEPA pictures/ Christian Ort

Warschau - Wenn schon sein großer Rivale selbst nicht an dieser EM teilnehmen darf, trifft Portugals Superstar Cristiano Ronaldo im Viertelfinale wenigstens auf einen „Mini-Messi“. So wird der künftige Wolfsburger Vaclav Pilar von den tschechischen Fans und Medien genannt. Tschechien gegen Portugal ist am Donnerstagabend (20.45 Uhr) aber nicht nur das Duell der beiden Flügelflitzer oder die Suche nach dem ersten Halbfinalisten der Fußball- Europameisterschaft. In Warschau treffen auch zwei Teams und Trainer aufeinander, die sich bei diesem Turnier gegen teils massive Kritik und Zweifel in der Heimat behauptet haben.

„Ich gebe zu, dass ich diese Reaktionen immer als unangenehm empfunden habe. Aber das einzige, was daran etwas ändern kann, ist Erfolg“, sagte der tschechische Trainer Michal Bilek. „Jetzt denke ich nur an die schönen Gefühle. Ich freue mich sehr, dass wir bei dieser EM im Viertelfinale stehen.“

Zwischen Bilek und seinem Kollegen Paulo Bento gibt es einige Parallelen. Beide standen schon als Spieler meist im Schatten anderer großer Namen. Und in beiden Fällen wurde ihre Berufung zum Nationalcoach nicht gerade von Freudentänzen der Fans und Journalisten begleitet. Bilek gilt in Tschechien als Trainer ohne eigene Spielphilosophie. Bento wurde kaum zugetraut, eine schwierige Gruppe um ein Alphatier wie Ronaldo erfolgreich zu führen.

Entsprechend groß waren die Zweifel, die sowohl Portugal als auch Tschechien zu dieser EM begleiteten. Und entsprechend groß ist jetzt die Genugtuung, es allen Kritikern gezeigt zu haben. „Wir müssen noch vieles verbessern und wir sehen uns gegen Tschechien auch nicht als Favorit“, meinte Bento. „Aber ich bin genau wie meine Spieler stolz auf das, was wir hier gezeigt haben. Wir sind als Einheit aufgetreten. So ist sogar das Halbfinale möglich.“

Beide Mannschaften sind in Polen und der Ukraine sehr eng zusammengerückt. Je stärker der Gegenwind war, desto besser wurden sie. Die Portugiesen steckten unter anderem eine verkorkste Vorbereitung, eine Niederlage gegen Deutschland, einen Rückstand gegen die Niederlande und die schier endlosen Diskussionen über die rätselhafte Form von Ronaldo weg. Die Tschechen gingen gleich zum Auftakt gegen Russland unter (1:4) und waren im entscheidenden Gruppenspiel gegen Polen (1:0) bloß Außenseiter.

Am Donnerstag wird diese Widerstandsfähigkeit bei den Tschechen wohl wieder etwas mehr gefordert sein als beim Gegner. Denn der Außenseiter bangt erneut um den Einsatz seines besten Spielers Tomas Rosicky. Der Arsenal-Profi plagt sich seit Tagen mit Problemen an der Achillessehne herum.

Am Tag vor der Partie trainierte der frühere Dortmunder aber erstmals wieder mit der Mannschaft und gab sich danach optimistischer als noch in den Tagen zuvor. „Nach dem Training heute ist die Chance größer als noch nach dem Polen-Spiel“, sagte Rosicky am Mittwochabend in Warschau. Teammanager Vladimir Smicer ist dennoch skeptisch. „Das ist keine Bezirksliga, in der du ohne Training spielen kannst.“ Portugals Trainer Bento macht sich keine Gedanken, ob Rosicky spielt oder nicht. „Wir schauen auf uns und gehen von unserer eigenen Stärke aus“, sagte das Geburtstagskind. Bento wurde am Mittwoch 43 Jahre alt.

Die Portugiesen haben dagegen keine Personalsorgen. Auch Ronaldo steht nach seinen beiden Toren gegen Holland nicht mehr in der Kritik. Das einzige, was beim Gedanken an die Tschechen noch etwas schmerzt, ist die Erinnerung an die Viertelfinal-Niederlage 1996 durch das Zaubertor von Karel Poborsky. Portugals Raul Meireles spricht sogar schon ganz leise vom Titel. „Ich bin mit Chelsea auch Champions-League-Sieger geworden, als uns niemand etwas zugetraut hat“, sagte er. „In der Nationalelf war das vor der Euro genauso.“ (dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 21.06.2012  08:47
aktualisiert: Do, 21.06.2012  10:13
EM 2012 - Rückblick
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