Federer-Traum geplatzt, Murray holte sich Gold in Wimbledon
London - Andy Murray schlug die Hände vors Gesicht und sank überwältigt auf die Knie. Danach rannte der 25 Jahre alte Tennis-Profi auf die Tribüne und umarmte seine Freundin, während Roger Federer geschlagen und gedemütigt den Centre Court von Wimbledon verließ. Mit dem Einzel-Olympiasieg in London ist der Schotte Murray endgültig in den Herzen aller Briten angekommen.
Murray deklassierte am Sonntag im Endspiel den Schweizer Weltranglisten-Ersten mit 6:2, 6:1, 6:4 und feierte damit den ersten großen Titel seiner Karriere. Zugleich nahm er Revanche für die Niederlage im Wimbledon-Endspiel vier Wochen zuvor. Nach gerade einmal 1:56 Stunden verwandelte er seinen ersten Matchball mit einem Ass. „Unglaublich! Ich habe ein paar schwere Niederlagen kassiert in meiner Karriere. Das war der beste Weg, nach Wimbledon zurückzukommen“, sagte Murray nach der besten Leistung seines Lebens.
Wenige Stunden nach seinem Gold-Coup im Einzel verpasste er im Mixed zusammen mit Laura Robson seinen zweiten Olympiasieg nur knapp. Das britische Duo musste sich der weißrussischen Paarung Victoria Asarenka und Max Mirnji nach Match Tie Break mit 6:2, 3:6, 8:10 geschlagen geben.
Federer muss dagegen weiter auf sein erstes Einzel-Gold bei Olympia warten. Vor vier Jahren hatte der Eidgenosse in Peking zusammen mit seinem Landsmann Stanislas Wawrinka den olympischen Wettbewerb im Doppel gewonnen. „Es ist schade, aber es war trotzdem ein großer Tag für mich. Vielleicht war ich emotional erschöpft. Er war besser, viel besser als ich, aber ich bin mit Silber zufrieden“, sagte Federer. Die Niederlage erinnerte an das French-Open-Finale 2008. Damals war Federer gegen den in London verletzt fehlenden Peking-Olympiasieger Rafael Nadal genauso chancenlos.
Bronze ging an Juan Martin del Potro. Der Argentinier gewann am Sonntag 7:5, 6:4 gegen den Serben Novak Djokovic. Im Halbfinale hatte der 23 Jahre alte US-Open-Champion von 2009 in einer hochdramatischen Partie über mehr als vier Stunden in drei Sätzen gegen Federer verloren. Djokovic hatte sich Murray geschlagen geben müssen und verpasste am Ende eine weitere Medaille nach Bronze 2008 in Peking. (dpa)
aktualisiert: So, 05.08.2012 20:12

