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In der Ruhe liegt die Tournee-Kraft

Keks essen, verwöhnen lassen: Die Tournee-Top-Favoriten Schlierenzauer und Kofler nutzen Weihnachten effektiv.

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Von Susann Frank

Innsbruck – Auf die Frage nach der Lieblingsbeschäftigung an den Weihnachtsfeiertagen fällt bei Gregor Schlierenzauer unter anderem das Wort Marillenstangerl und bei Andreas Kofler das der Linzer Augen. Dabei handelt es sich natürlich nicht um ein Materialteil der zwei besten Tiroler Skispringer, sondern um allseits bekanntes Weihnachtsgebäck. Essen statt tüfteln, ausruhen statt Ski springen steht bei den großen Vierschanzentournee-Top-Favoriten auch heute und morgen noch auf dem Plan.

Für den Titelverteidiger der traditionsreichen Veranstaltung und den Sieger des Jahres 2009/10 steht jeweils fest: In der Ruhe liegt die Tournee-Kraft. Mittlerweile. Sowohl dem 22-jährigen Schlierenzauer als auch dem 28-jährigen Kofler fiel es früher schwer, nicht in den Keller zu gehen und am Material-Set-up Entscheidendes zu verändern oder noch einmal voll zu trainieren. „Mir sagt der Körper auch explizit, dass ich Ruhe geben soll“, erklärt ein stark erkälteter Kofler. Aufgrund seines Schnupfens und Hustens hatte der gebürtige Telfer sogar beschlossen, die Sprung-Trainingseinheiten vergangenen Freitag am Bergisel auszulassen. „Ich will einfach nur Energie tanken“, erklärt der Drittplatzierte im Gesamtweltcup. Und das gehe an Weihnachten am besten bei seiner Mutter und Schwester daheim im Stubai und zusammen mit seiner Freundin Miriam. „Schließlich ist das die einzige Pause bis zum Saisonende“, weiß der Bergisel-Sieger der vergangenen Tournee.

Gleich an den Höhepunkt um den Jahreswechsel schließt sich eine Polen-Serie an, warum manch einer schon von einer Siebenschanzentournee spricht. Die zweiwöchige Nordisch-WM im Februar in Italien verlangt den grazilen Sportlern schließlich auch noch einmal alles ab. Und in den neun Tagen an den vier Stationen Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen bleibt schon gar keine Zeit, sich wirklich zurückzuziehen. Es herrscht ein straffer Zeitplan und zudem steht jeder Schritt unter medialer Beobachtung.

Darum stellt auch Oberstdorf-, Garmisch- und Gesamtsieger Schlierenzauer das Familienleben bis zum 27. Dezember in den Vordergrund und die Skisprungski in die Ecke. Das Schlendern über den Christkindlmarkt in Innsbruck befreit den Geist, das Schlemmen an Weihnachten stärkt den Körper. „Bei der Tournee ist immer sehr viel los. Jetzt gehe ich gewisse Dinge anders und ruhiger an, ich werde ja auch älter“, sagt der 43-fache Weltcupsieger.

Seine Favoritenrolle nimmt der Skisprungweltmeister aus Fulpmes und Gesamtweltcupsieger ebenso an wie sein Trainingskollege Kofler. Darin hat sie ihr gemeinsamer Heimtrainer Markus Maurberger ebenso bestärkt wie Österreichs Cheftrainer Alex Pointner: „Wir können uns freuen, dass zwei Sportpersönlichkeiten, die sich auf mehreren Ebenen so präsentieren können, so in Form sind.“

Für den 41-Jährigen liegt auch in der Ruhe die Kraft, um dann vielleicht den fünften Sieg in Serie bejubeln zu können – obwohl schon die vier Siege en suite (Schlierenzauer, Thomas Morgenstern, Kofler und Wolfgang Loitzl) einmalig in der Tournee-Historie waren. Pointner: „Diese Feiertage sind wichtig, um wirklich noch einmal die Batterie aufzuladen.“ Am 27. gebe es dann wieder eine besondere Sprungeinheit am Bergisel. „Weil nach so einer Pause zu sehen ist, dass das Skispringen einfach allen wieder richtig Spaß macht.“

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