Als der „Boxing Day“ seinem Namen noch alle Ehre machte
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Die Zeiten, als am Boxing Day die Matches mit noch mit den Fäusten entschieden wurden, sind schon lange vorbei.
Foto: REUTERS
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Innsbruck – Dass Engländer anders sind, als die Kontinental-Europäer, das ist gemeinhin bekannt. Sie fahren mit dem Auto auf der anderen Straßenseite, essen zum Frühstück Bohnen mit Würstchen und ihr Humor ist auch nicht jedermanns Sache. Aber eine Besonderheit gibt es um die sie von uns beneidet werden: Den Boxing Day am 26. Dezember.
Während in allen anderen Fußball-technisch relevanten Ländern die Kugel zur besinnlichsten Zeit des Jahres ruht, wird in den englischen Ligen dem runden Leder auch zu Weihnachten nachgejagt. Und das schon seit knapp einem halben Jahrtausend.
Erste Aufzeichnungen datieren aus dem Jahr 1531. Damals wurden freilich noch keine Matches ausgetragen, wie wir sie heute kennen. Die Devise des „folk football“ hieß jeder gegen jeden. Alles war erlaubt, als Ball dienten mitunter auch Schafsköpfe. „Fußball ist nicht mehr als tierische Wut und extreme Gewalt“, hielt Historiker Sir Thomas Elyot damals fest.
Der Puritaner Philip Stubbs sah es 1578 nicht anders: „Wir haben es hier nicht mit freundschaftlichem Sport oder Freizeit zu tun, sondern mit einer blutigen, mörderischen Praxis. Jeder wartet nur darauf seinen Feind umzustoßen.“ Die Folgen des „folk footballs“ beschrieb er so: „Auf diese Weise werden Halswirbel gebrochen, manchmal Rücken, manchmal Arme, manchmal spritzt Blut aus den Nasen, manchmal verliert einer ein Auge, manchmal tut es dort weh, manchmal wo anders.“
Dabei hat der Begriff „Boxing Day“ mit dem Boxen gar nichts zu tun. Wörtlich übersetzt heißt es eigentlich „Geschenkschachtel-Tag“. Über den Ursprung wird gestritten. Eine Theorie besagt, dass am Boxing Day Hausangestellten von den adligen Herrschaften Geschenke in einer Schachtel (Box) überreicht wurden. Eine andere geht auf die Tradition zurück, dass Angestellte in Großbritannien am Tag nach Weihnachten eine Box mitbrachten, um ihren Jahresbonus abzuholen.
So oder so - aus der einstigen Massenschlägerei entwickelte sich ein Hochglanzprodukt, dem weltweit pro Spieltag mehr als eine Milliarde Fußball-Fans beiwohnen. Mittlerweile verzichtet die stärkste Fußball-Liga der Welt sogar darauf, Schlager-Spiele am Boxing Day anzusetzen. Die Stadien sind ohnehin ausverkauft, die Fernsehgeräte rund um den Globus eingeschaltet.
Auch am Mittwoch wird das wieder so sein. Dann, wenn sich Tabellenführer Manchester United selbst bei einer Niederlage gegen Newcastle den Herbstmeistertitel sichern wird. Und sich ÖFB-Teamkicker Andreas Weimann mit Aston Villa gegen Tottenham für die 0:8-Pleite gegen Chelsea rehabilitieren muss.
Ein Sieg am Boxing-Day ist für die eigenen Fans eben immer noch das schönste Weihnachts-Geschenk ... (tt.com) Premier League, 19. Spieltag
Everton - Wigan 16.00 Uhr
Fulham - Southampton 16.00 Uhr
Manchester United - Newcastle 16.00 Uhr
Norwich - Chelsea 16.00 Uhr
Queens Park Rangers - West Bromwich 16.00 Uhr
Reading - Swansea 16.00 Uhr
Sunderland - Manchester City 16.00 Uhr
Aston Villa - Tottenham 18.30 Uhr
Stoke - Liverpool 20.45 Uhr
Arsenal - West Ham aufgrund von U-Bahn-Streiks in London verschoben
aktualisiert: Di, 25.12.2012 13:02



