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Ski-WM 2013

Gold, Silber und Bronze: Französische Revolution bei Ski-WM

Nach Gold von Rolland in der Damen-Abfahrt ist Frankreich die Nummer eins im Medaillenspiegel. Zuvor sammelten bereits De Tessieres (Silber im Herren Super-G) und Poisson (Bronze in der Herren-Abfahrt) Medaillen für „Grande Nation“.

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Schladming - Frankreichs Ski-Team kommt in Schladming aus dem Feiern nicht mehr heraus. Nach den faustdicken Überraschungen von Gauthier De Tessieres (Silber im Super-G) und David Poisson (Bronze in der Abfahrt) in den Speed-Disziplinen der Herren raste am Sonntag Marion Rolland nicht minder überraschend zu Damen-Abfahrts-Gold. Damit beendete die „Grande Nation“ die erste WM-Woche sensationell als Nummer eins im Medaillenspiegel.

Dabei hat Frankreichs eigentlich größter Hoffnungsträger noch gar nicht ins Geschehen eingegriffen: Alexis Pinturault. Der 21-Jährige zählt am Montag in der Super-Kombination zum engsten Favoritenkreis. Und auch im Riesentorlauf und Slalom ist Frankreichs Supertalent jederzeit für eine Medaille gut. Dasselbe gilt im Slalom auch für Titelverteidiger Jean-Baptiste Grange und im Riesentorlauf für Thomas Fanara.

Im Teambewerb am Dienstag gehen die Franzosen sogar als Titelverteidiger an den Start. Und Tessa Worley kann im Riesentorlauf ebenso um die Medaillen mitmischen.

Der von Ex-Weltmeister Michel Vion geleitete Verband könnte somit nach dem ersten „Sieg“ im Medaillenrennen seit der WM 1966 in Portillo greifen. Damals war man mit 16 Medaillen im Gepäck von Chile nach Hause geflogen.

„Ich habe gesehen, wie Gauthier und David mit ihren Medaillen ins Hotel zurück gekommen sind. Da bekommt man eine große Lust, ebenfalls eine zu holen. Und Gold hat ja noch gefehlt in unserer Sammlung“, berichtete Rolland freudestrahlend.

Die 30-Jährige sah große Parallelen zu den Überraschungscoups ihrer männlichen Kollegen: „Wir haben alle miteinander schwierige Zeiten hinter uns. Jetzt waren wir offensichtlich reif genug, um zuzuschlagen.“

Rolland hat im Weltcup noch keinen einzigen Sieg gefeiert. Dass sie eine spezielle Vorliebe für Schladming hat, stellte sie aber bereits beim Weltcup-Finale 2012 unter Beweis. Dort hatte sie als Abfahrts-Zweite und Super-G-Dritte ihre beiden bisher einzigen Weltcup-Stockerlplätze eingefahren.

Dabei hatte die WM für Frankreichs Damen alles andere als gut begonnen. Nach dem Debakel im Super-G - Marie Marchand-Arvier war als Beste 14. - hatte es für die Speed-Truppe vom Trainerstab ein Donnerwetter gesetzt. „Völlig zurecht“, wie Rolland gestand.

Die ÖSV-Stars scheint die Heim-WM bisher zu hemmen, bei Rolland kitzelte hingegen die besondere Atmosphäre in Schladming offenbar die letzten Reserven hervor. „Österreich ist das Skiland. Die Atmosphäre ist so speziell, da will man noch mehr zeigen.“

„Es ist das Kreuzbandpodium. Jede von uns hat mindestens schon zwei Kreuzbandrisse gehabt“, meinte die drittplatzierte Deutsche Maria Höfl-Riesch schmunzelnd. Denn neben Rolland und Höfl-Riesch hatte auch die „silberne“ Italienerin Nadia Fanchini schon jede Menge verletzungsbedingte Rückschläge zu verdauen.

Den kuriosesten all dieser Kreuzbandrisse zog sich aber Rolland bei Olympia 2010 in Kanada zu. Sie fiel nach den üblichen Schlittschuhschritten am Start nach nicht einmal drei Fahrsekunden um und zog sich dabei einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. (APA)

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