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Ski-WM 2013

Harte Maier-Kritik an Funktionären, Trainern und Umfeld des ÖSV

Mit seinem WM-Blog sorgt der „Herminator“ für neuen Zündstoff im angeschlagenen ÖSV-Team.

Schladming - Hermann Maier hat in seinem Online-WM-Tagebuch (www.ski-wm.raiffeisen.at) zur mageren Ausbeute der österreichischen Skifahrer in der ersten WM-Woche in Schladming Stellung bezogen. „Ich finde, dass es an der Zeit wäre, einmal das Umfeld, die Funktionäre und den Trainerstab eingehend zu hinterfragen. Anstatt dem Team den Druck zu nehmen, haben sie ihn mit übertriebenen Erwartungen sogar noch erhöht“, bloggte der 40-jährige Salzburger in der Montag-Ausgabe.

„Denn im Grunde genommen spiegeln ihre Vorstellungen lediglich die bisherige Saison und die Realität wider“, begründete Maier. „Wenn wir uns ehrlich sind, haben wir außer Anna Fenninger, die zweifellos und vor allem sich selbst enttäuschte, und Marcel Hirscher derzeit keine zwingenden Medaillenkandidaten.“

Maier hatte schon vor der WM auf die Schwierigkeiten einer Heim-WM hingewiesen. „Allem Anschein nach ist es der österreichischen Mannschaft bisher nicht gelungen, dieser einzigartigen Situation Herr zu werden und zum entscheidenden Zeitpunkt die beste Leistung abzurufen.“

Zu seiner aktiven Zeit habe Maier selbst dafür gesorgt, dass sich seine Teamkollegen in Ruhe auf die Großereignisse vorbereiten konnten. „Ich erinnere mich sehr gut, dass seinerzeit ich es war, der gerade bei Großveranstaltungen im Fokus stand und den Kollegen die Arbeit erleichterte. Sie konnten tun und lassen, was sie wollten. Jetzt müssten diese Aufgabe eigentlich die Herren Funktionäre und Trainer übernehmen, von denen ich im Verlauf dieser WM allerdings noch nicht viel gesehen und gehört habe, geschweige denn auch nur einen Anflug von Selbstkritik.“

Die Funktionäre bekamen von Maier weiter ordentlich ihr Fett ab: „Meiner Meinung nach gehört nun die Vorbereitung und das Training, das ja mit einem ungeheuren Aufwand betrieben wird, genau beleuchtet. Ich würde mir da mehr Kreativität wünschen, dass man sich der Grundlagen des Skifahrens besinnt und - Druck hin oder her - die Freude daran wieder mehr in den Vordergrund stellt. Stattdessen versteckt man sich hinter den Sportlern, im beruhigenden Bewusstsein, dass man im Falle des Scheiterns gleich wieder in einer anderen Funktion auftaucht. Das hat in Österreich Tradition.“ (APA)