Melzer: „Für einen Sieg muss bei uns alles zusammenpassen“
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Hoffnungsträger des rot-weiß-roten Teams: Jürgen Melzer.
Foto: gepa
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Wr. Neustadt – Die ersten Trainingstage unter neuer Führung sind vorüber, Österreichs Davis-Cup-Team fiebert dem Weltgruppen-Länderkampf mit Russland in der Arena Nova in Wr. Neustadt bereits entgegen. Neo-Kapitän Clemens Trimmel hat Jürgen Melzer, Andreas Haider-Maurer, Oliver Marach und Alexander Peya bereits zu intensiven Einheiten vergattert. Je näher das Erstrundentreffen von Freitag bis Sonntag rückt, desto leichter wird aber das Training gemacht.
Wichtiges Selbstvertrauen getankt
Für Österreichs Nummer 1, die zuletzt in Zagreb nach überstandener Qualifikation bis ins Viertelfinale vorgestoßen ist, war der Trip in der Vorwoche des Davis Cups nach Kroatien ein bisschen riskant, aber es hat sich ausgezahlt. „Es war sicherlich so, dass ich in Zagreb im Viertelfinale doch schon ein bisschen ausgelaugt war. Es waren doch acht Matches in sechs Tagen mit dem Doppel“, sagte Melzer am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der Arena Nova. Aber das gewonnene Selbstvertrauen war wichtig für ihn. „Ich habe mich wieder daran gewöhnt, in engen Situationen auch das Richtige zu machen.“
Der direkte Turniereinstieg nach der Zeitzonen-Umstellung aus Australien war „ein bisschen risikoreich, vor allem wegen dem Jetlag. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht verletzt. Aber ich habe das ganz gut hingekriegt“, bilanzierte Melzer, der zu den Chancen auf den erstmaligem Viertelfinal-Aufstieg in der Weltgruppe seit 1995 Klartext spricht: „Bei uns muss alles zusammenpassen, dass wir gegen die gewinnen können. Ich würde vielleicht sogar 60:40 für die Russen sagen, die vom Spielerpotenzial eine größere Dichte haben.“
Doppel-Duo steht nicht fest
Doch nicht zu vergessen ist der Heimvorteil auf dem recht langsamen Opticourt in Wr. Neustadt. Bisher sind übrigens etwa zwei Drittel der Karten abgesetzt. Ab sofort gibt es aber auch Einzeltickets für jeden der drei Spieltage von Freitag bis Sonntag. „Wir müssen so rausgehen, dass wir, wenn wir unsere optimale Leistung bringen, am Ende am Sonntag hier jubeln können“, erklärte Melzer. Erstmals stellt der internationale Tennisverband (ITF) übrigens das „hawk-eye“, den elektronischen „Linienrichter“, zur Verfügung, was für zusätzliche Stimmung in der Halle sorgen wird.
Neo-Kapitän Trimmel ist voller Energie und scheint in seinem Element. „Die ersten Tage waren von beiden Seiten recht intensiv. Wir haben gesagt, wir wollen am Anfang intensive Einheiten haben und dann das Programm sukzessive Richtung Wochenende zurücknehmen“, so der frühere Spieler und nunmehrige Kapitän und ÖTV-Sportdirektor. Der übrigens in Sachen Nachwuchs eine kleine Enttäuschung hinnehmen musste, denn der vielversprechende Junior Dominic Thiem ist der Einladung zum Sparring nicht gefolgt. Trimmel: „Wir werden ihn auch künftig wieder einladen“.
Schulterprobleme bei Juschnij
Für das Wochenende sind mit Melzer und Andreas Haider-Maurer, der übrigens sein Heim-Debüt im Davis Cup feiert, die zwei Einzelspieler fix. „Im Doppel möchte ich mich nicht festlegen, weil wir drei Weltklassespieler haben“, erklärte Trimmel.
Haider-Maurer wird in beiden Einzeln am Freitag und Sonntag Außenseiter sein. „Natürlich freue ich mich riesig auf den ersten Davis Cup im eigenen Land. Ich hoffe, dass ich auch meinen zweiten Sieg feiern kann“, erinnerte der Niederösterreicher an den wichtigen Auswärtspunkt vom vergangenen September in Belgien. „Die Rolle liegt mir, wenn ich als Außenseiter ins Match reingehe, ich kann nur gewinnen.“
So gesehen, haben die Russen mehr zu verlieren. Noch ist nicht wirklich klar, wer die Nummer 1 im russischen Team sein wird. Geht es streng nach der Weltrangliste, dann wäre nämlich Alex Bogomolow jr. die Nummer 1, da das Ranking zum Zeitpunkt der Nominierung zehn Tage vor dem Länderkampf zählt.
Der frisch gebackene Zagreb-Sieger Michail Juschnij wäre demnach die Nummer zwei. Er sieht den jüngsten Erfolg nüchtern: „Ja, ich habe in Zagreb gewonnen, aber das ist bereits Vergangenheit. Im Davis Cup geht es auf best-of-five und ich habe ein bisschen Schulterprobleme“, gibt er vor. Dennoch habe man ein ausgezeichnetes Team, auch Trimmel traut jedem der vier Spieler - neben Bogomolow und Juschnij auch Nikolaj Dawydenko und Igor Kunizyn - Einsätze im Einzel zu.
„Das österreichische Team hat mit Jürgen Melzer eine sehr gute Nummer 1, er war ein Top-Ten-Spieler und sie haben ein sehr gutes Doppel“, erklärte Juschnij und Kunizyn sieht im eingespielten ÖTV-Doppel einen kleinen Vorteil für Österreich. „Es ist die Weltgruppe, da gibt es keine einfachen Matches. Wir spielen auswärts, Jürgen ist ein toller Leader des österreichischen Teams und sie haben ein großartiges Doppel. Es ist ein 50:50-Länderkampf“, glaubt Kunizyn.
Während also die Aufstellung der Gastgeber relativ klar ist, wird man jene der Russen erst am Donnerstag (12.00 Uhr) bei der Auslosung erfahren. Überraschungen darf es dabei keine geben, ist eines der Ziele von Trimmel. „Es ist unsere Aufgabe, alle Konstellationen durchzuspielen“, sagte der 33-jährige Wiener, der dies gemeinsam mit dem ebenfalls neu als Co-Trainer installierten Routinier und Melzer-Coach Joakim Nyström auch macht. (APA)
aktualisiert: Di, 07.02.2012 16:09



