12.04.2012
Volleyball

Hypo in der Höhle des zweisprachigen Löwen

Beim zweiten Volleyball-Finale steppt heute (20.15 Uhr/live ORF Sport Plus) in Bleiburg der Bär. Aich/Dob serviert mit Heimvorteil gegen Hypo Tirol.

Von Alex Gruber

Bleiburg – Vier Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt geht das Hypo Tirol Volleyballteam heute mit einer 1:0-Führung ins zweite Match der „Best of seven“-Serie um den österreichischen Volleyball-Titel. Beim SK Posojilnica Aich/Dob (der Hauptsponsor ist Partnerbank der Raiffeisen). Wobei Dob die slowenische Übersetzung für Aich ist – das ca. 200-köpfige Nest ist der Gründungsort des Vereins und eine von zwölf Katastralgemeinden, die Bleiburg (4000 Einwohner) umfasst.

Zweisprachig wird dort ohnehin alles umschrieben. Zweisprachig werden auch die Ansagen in der neue Jufa-Arena der Kärntner gemacht. Gegen Hypo „aufgewiegelt“ werden die gut 1000 Fans, die heute kommen sollen, aber ausnahmslos auf Slowenisch. Und das erkennt Tirols Co-Trainer Gernot Hupfauf heute wohl wieder am besten daran, wenn Mittelblocker Davor Cebron, der als Slowene dieser Sprache ja mächtig ist, auf der Hypo-Bank zu fluchen beginnt: „Das macht ihn ganz narrisch.“

Apropos narrisch: Der positiv Verrückte, der Aich/Dob auch im internationalen Geschäft gegen europäische Millionenstädte (!) salonfähig machte – letztes Jahr stand man im Halbfinale des Challenge-Cups – heißt Martin Micheu. „Ich bin 25 Jahre dabei. Dieser Verein ist mein Werk, meine Arbeit. So etwas kannst du nur machen, wenn du größenwahnsinnig oder komplett deppert bist“, nimmt sich der Trainer, Manager und Tausendsassa in Personalunion selbst auf die Schaufel. Nachsatz zu „uns“ Tirolern: „Das ist für euch schwierig zu erklären.“

Ein Grillabend leitet das Volksfest im neuen Tempel der Kärntner, die mit elf Legionären (fünf Slowenen) agieren, heute ein. „Das ist das erste Finale, das in Bleiburg steigt. Eine Halle, um die wir jahrelang gestritten und gekämpft haben. Es wird Volksfeststimmung herrschen“, blickt Micheu einem historischen Ereignis entgegen. Und der Gedanke, am Vereinsnamen zu rütteln, käme ihm sowieso überhaupt nie in den Sinn: „Der Name hat immer mehr an Wert gewonnen und ist nach unseren Erfolgen im Europacup ein unglaublicher Name“, erklärt der Ex-Spieler voller Stolz.

Nach der unglücklichen 2:3-Niederlage vom Ostermontag mangelt es den Gastgebern auch nicht an Selbstvertrauen: „Wir hätten uns den Sieg am Montag verdient, waren der eigentliche Sieger des Abends. Tirol ist zwar Favorit, aber wir sind gefährlich. Und wir sind sicher, dass wir das zweite Match gewinnen“, erklärt Micheu mit breiter Brust.

Beim Doppelpack in Bleiburg – das dritte Finalmatch steigt dort am Montag – will das Hypo Tirol Volleyballteam zumindest einen Auswärtssieg holen. Befreit von der erdrückenden Last, Spiel Nummer eins in der heimischen USI-Halle unbedingt gewinnen zu müssen. „Nach dem Sieg zu Hause wollen wir jetzt in Kärnten mindestens einen Sieg holen und werden gleich am Donnerstag voll angreifen. Dieses Spiel kann ein Knackpunkt in dieser Serie werden. Mit einem Sieg wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Titelverteidigung getan“, weiß Hypos Headcoach Stefan Chrtiansky, dass eine 2:0-Führung auch ein mentaler Kraftakt wäre.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 12.04.2012
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