Die Handball-Ehe kommt zustande
Von Alex Gruber
Innsbruck – Die zahllosen Gespräche und Annäherungsversuche zwecks einer auch politisch motivierten Handball-Ehe erinnerten in den vergangenen Wochen und Monaten auch ein wenig an das berühmte Spiel mit dem Gänseblümchen Marke „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht“. Gemeint ist in diesem Fall die jeweilige Gegenseite.
Es fiel schwer, die zweifellos hart erkämpfte Freiheit zu opfern, um sich künftig unter einer (finanziellen) Decke zu wärmen. Es fiel schwer, zur Einsicht zu gelangen, aus zwei Standorten (Innsbruck und Schwaz) in der Handball Liga Austria nur noch einen zu machen. Nicht zuletzt dank der politischen Spitze um LH Günther Platter und Sportlandesrat Thomas Pupp dürfte man allen Zweifeln zum Trotz jetzt aber doch zur Einsicht gekommen sein, dass man unter einem Dach vor besseren Aussichten steht. In guten und in schlechten Zeiten.
Das Gerangel um die minimale „Marie“ war weder des Vizemeisters aus Innsbruck noch des Cupfinalistens aus Schwaz (sportlich) würdig. Über kurz oder lang wäre beiderorts die Finanzierbarkeit erstklassigen Handballsports in Frage gestanden. Zudem bietet die neu erarbeitete Kooperation, die wohl einen HLA-Klub mit Hauptstandort in Schwaz und zweitem Bundesliga-Team in Innsbruck sehen wird, auch dem heimischen Nachwuchs Möglichkeiten, sich hochzudienen. Und in gewisser Weise bleibt Langzeitfunktionären jene Eigenständigkeit erhalten, deren mögliche Aufgabe die Verhandlungen beinahe zum Scheitern gebracht hätte.
Alles Weitere wird der heutige Pressetermin weisen. Den Spielern beider Teams werden vor dem morgigen Auftakt im Aufstiegs-Play-off – HIT spielt am Samstag (18.30 Uhr) zuhause gegen Bärnbach, Schwaz auswärts in Ferlach – vollendete Tatsachen präsentiert. Leistung bleibt im Kampf um den Klassenerhalt am Parkett wie immer die beste Eigenwerbung, um auch zukünftig im Besitz eines (Tiroler) HLA-Leiberls zu bleiben. Im gemeinsamen Shirt soll in den kommenden Jahren ja noch mehr repräsentative Kraft stecken, die den Nachwuchs animiert, am Ball zu bleiben.
Möglicherweise wird dem Tiroler Handball-Lager sogar eine Vorreiterrolle zuteil. Eine Kooperation der beiden Volleyball-Damen-Bundesligisten VC Tirol und TI Volley ist ja auch ein (politischer) Traum, um Ressourcen zu bündeln und in gemeinsamer Tiroler Kraft in der obersten Spielklasse zu erstrahlen. Die Animositäten, die in diesem Lager auf Vorstandsebene herrschen, lassen einen aber eher an eine „Mission Impossible“ glauben.
Der Ehevertrag im Tiroler Handball trägt das Siegel der wirtschaftlichen Vernunft. Vielleicht wird ja ein Haus der Liebe daraus.



