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Australian Open

Djokovic ringt Murray nieder und holt vierten Melbourne-Titel

Der Serbe setzte sich im Endspiel des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres gegen den Schotten Andy Murray mit 6:7,7:6,6:3,6:2 durch.

Melbourne – Weltranglisten-Leader Novak Djokovic bleibt (zumindest) in Melbourne der unangefochtene Hausherr. Der 25-jährige Serbe rang am Sonntag im Endspiel der mit insgesamt 24,16 Mio. Euro dotierten Australian Open US-Open-Champion Andy Murray (GBR-3) nach 3:40 Stunden mit 6:7(2),7:6(3),6:3,6:2 nieder. Djokovic hat damit als erster Spieler der Profi-Ära das erste Major-Turnier des Jahres dreimal en suite gewonnen. Djokovic hält nun bei insgesamt vier Melbourne-Titeln, sechs Grand-Slam-Triumphen und einem Preisgeld von 35,8 Mio. Euro.

Doch an das Geld hat Djokovic, an dessen Erfolgen schon seit einigen Jahren mit Fitnesscoach Gebhard Gritsch ein Österreicher mitarbeitet, wohl am Ende kaum gedacht. Als er nach dem verwerteten Matchball in die Hocke ging und die Fäuste ballte, schrie Djokovic sich die Freude aus dem Leib.

Aus den Händen von Tennis-Legende Andre Agassi, der wie er selbst vier Mal das Major-Turnier in „down under“ gewonnen hat, empfing Djokovic die Trophäe, den „Norman Brookes Challenge Cup“. „Was für eine Freude. Es ist ein unglaubliches Gefühl, diesen Pokal wieder zu gewinnen“, sagte ein strahlender Djokovic, der allein für diesen Titel 1,88 Mio. Euro eingeheimst hat. „Das ist definitiv mein Lieblings-Grand-Slam. Ich liebe dieses Turnier, ich liebe diesen Court.“

Zuvor hatte ihn der sieben Tage ältere Olympiasieger aber lange Zeit das Leben schwer gemacht. Als Murray den ersten Satz nach 68 Minuten mit einem souveränen Tiebreak für sich entschieden hatte, sah es gar nicht nach einem neuerlichen Triumph des Belgraders aus. Auch Satz zwei ging ohne Service-Verlust ins Tiebreak, doch in diesem legte Djokovic, von seinen Fans liebevoll „Nole“ genannt, die Basis zum Sieg.

Denn nach dem Satzausgleich ließ sich Murray wegen Blasen rund um seine rechte große Zehe behandeln und das Momentum wechselte zu Djokovic. Nach fast drei Stunden gelang Djokovic das erste Break des gesamten Endspiels zum 5:3 und es war auch die Vorentscheidung. Ein immer müder wirkender Murray gab nicht nur den Satz ab, sondern in der Folge im vierten Durchgang auch den Aufschlag zum 1:2 und 1:4.

Für Olympiasieger Murray, der sich im Finish auch immer öfter mit schmerzverzerrtem Gesicht an den linken, hinteren Oberschenkel griff, war es in seinem sechsten Major-Endspiel die fünfte Niederlage. Auch er konnte den „Fluch“ nicht brechen, wonach es bisher noch keinem erstmaligen Major-Sieger gelungen ist, gleich beim nächsten „Slam“ erneut den Siegerscheck zu holen. Fred Perry anno 1934 bleibt damit vorerst der letzte britische Champion „down under“.

Das Head-to-Head lautet nun 11:7 für Djokovic. Murray erwies sich als sportlicher Verlierer: „Ich möchte Novak danken. Sein Rekord hier ist unglaublich. Es gibt nur wenige Leute, die geschafft haben, was er geschafft hat. Er ist ein unglaublicher Champion.“

Der Schotte, der auch nach seinem dritten Melbourne-Endspiel als Verlierer vom Platz musste, hat aber neuerlich unter Beweis gestellt, dass die vor einem Jahr noch vorhandene kleine Lücke zu den „Großen 3“ endgültig überwunden ist. Und beim nächsten Major-Turnier in Paris sollte auch der Langzeitverletzte Rafael Nadal wieder ganz vorne mitmischen können.

Die „goldene Ära“ des Tennis schlägt sich auch weiterhin in sensationellen Zuschauerzahlen nieder: Nicht weniger als 694.500 Fans waren in den vergangenen zwei Wochen auf der Anlage in Melbourne. Die Grand-Slam-Turniere gehören nach wie vor zu den bestbesuchten, jährlich wiederkehrenden Sportereignissen der Welt. (APA)