17.07.2012, 11:04  Aktualisiert: 17.07.2012, 12:32 
Bundesliga

Red Bull Salzburg klarer Titelfavorit für die Bundesliga-Trainer

Die Betreuer glauben an eine starke Saison von Aufsteiger WAC, keine Einigkeit gibt es bei der Torlinientechnologie.
In Sachen Titelfavorit herrscht bei den Bundesliga-Trainern Einigkeit.
Foto: APA/FRANZ NEUMAYR

Wien – Die Antworten der zehn Trainer der österreichischen Fußball-Bundesligisten im Rahmen einer Umfrage, die die APA vor dem Start in die am Samstag beginnende Saison 2012/13 durchgeführt hat, im Detail:

Fragen:

1.) Wer ist Ihr Titelfavorit der Bundesliga-Saison 2012/13?

2.) Wie lauten die Saisonziele mit Ihrer Mannschaft?

3.) Wie zufrieden sind Sie mit den Transferaktivitäten bzw. mit Ihrem Kader?

4.) Was trauen Sie Aufsteiger WAC zu?

5.) Wie stehen Sie zur Einführung der Torlinientechnologie?

6.) Welche Erkenntnisse haben Sie aus der EM gewonnen?

Roger Schmidt (Red Bull Salzburg/Titelverteidiger):

1.) „Um das beurteilen zu können, kenne ich die gegnerischen Teams in der Bundesliga noch nicht ausreichend.“ 2.) „Wir wollen guten Fußball spielen, unsere Titel verteidigen und international so lange wie möglich mit dabei bleiben. Klar ist, dass ein Club wie Red Bull Salzburg an seinen Erfolgen gemessen wird. Das wollen wir erfüllen.“ 3.) „Mit der Qualität des Kaders bin ich insgesamt durchaus zufrieden. Im Angriff könnten wir allerdings noch ein wenig nachlegen und einen weiteren Stürmer gut vertragen.“ 4.) „Auch hier gilt: Um das beurteilen zu können, kenne ich die gegnerischen Teams noch nicht ausreichend.“ 5.) „Die Einführung dieser Technologie dient der Gerechtigkeit im Fußball, deshalb ist sie gut und wichtig. Die Frage dabei ist allerdings, wo beginnt und wo hört man mit der technischen Überwachung auf. Letztendlich ist eine falsch getroffene Elfmeterentscheidung genauso unfair wie ein nicht gegebenes Tor.“ 6.) „Man hat gesehen, dass Spanien - wenn es darauf ankommt - weiterhin das Maß der Dinge bleibt. Die Spanier waren nicht nur beim Spiel mit, sondern auch beim Spiel gegen den Ball absolute Sonderklasse. Wie das gesamte Team bei Ballverlust aktiv und organisiert auf Balleroberung umschaltet, war eine Augenweide.“

Peter Schöttel (Rapid):

1.) „Titelfavorit ist ganz klar Red Bull Salzburg.“ 2.) „Unser Ziel ist ganz klar ein internationaler Startplatz, aber natürlich wäre es wieder an der Zeit, einen Titel zu holen. Dafür werden wir alles tun.“ 3.) „Im Rahmen unserer Möglichkeiten bin ich mit dem Kader sehr zufrieden.“ 4.) „Die Aufsteiger haben in den letzten Jahren immer eine gute Rolle gespielt, das könnte auch diesmal so sein.“ 5.) „Wenn es technisch und finanziell möglich ist, sollte man es als Hilfsmittel einführen.“ 6.) „Das Niveau war gut. Auffällig waren der Respekt der Spieler untereinander und gute Schiedsrichter-Leistungen. Was die Taktik betrifft, hat man gesehen, dass es viele Wege gibt, die zum Erfolg führen. Am Ende hat sich die beste Mannschaft durchgesetzt. Die spanische Taktik ohne Stürmer sollte in Österreich schon zu denken geben, weil man hier immer viele Stürmer sehen will. Dabei geht es darum, wie schnell man umschaltet und mit wie vielen Spielern man in den Angriff geht.“

Dietmar Kühbauer (Admira):

1.) „Die Salzburger sind klarer Favorit. Rapid und Austria können sie fordern, aber die Salzburger haben einen großen Kader und können jederzeit nachjustieren.“ 2.) „Unser erstes Ziel ist es, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Wir wollen aber auch wieder nach oben schnuppern.“ 3.) „Wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, groß einzukaufen. Aber nach der letzten Saison ist es auch nicht notwendig, die Mannschaft groß umzubauen. Außerdem haben wir drei Neue bekommen, die uns weiterhelfen werden.“ 4.) „Wenn der WAC einen guten Start hinlegt und eine Euphorie entfacht, ist viel möglich.“ 5.) „Bei großen Turnieren kann man das machen, da ist das sehr vernünftig. Aber in der Bundesliga ist es nicht notwendig, es gibt sowieso nur ganz wenige solche Situationen.“ 6.) „Es wurde offensiver gespielt, es sind viele Tore gefallen, aber es hat keine Revolutionen gegeben.“

Peter Stöger (Austria):

1.) „Die Salzburger sind klarer Favorit, weil sie finanziell die größten Möglichkeiten haben.“ 2.) „Wir wollen uns für den Europacup qualifizieren, und wir spekulieren auch mit einem Platz in der Champions-League-Qualifikation.“ 3.) „Als Trainer kann man sich immer mehr vorstellen, aber ich bin mit dem Kader zufrieden.“ 4.) „Ich traue dem WAC zu, dass er sich so präsentiert wie die Admira in der letzten Saison.“ 5.) „Es wäre nicht schlecht, wenn es dieses Hilfsmittel geben würde. Das würde vieles erleichtern.“ 6.) „Man kann auch ohne echte Spitze einen erfolgreichen und interessanten Fußball spielen. Das Offensichtlichste am spanischen Spiel ist, dass nichts nach einer Schablone abläuft.“

Peter Hyballa (Sturm Graz):

1.) „Red Bull Salzburg ist klarer Favorit, die größten Herausforderer sind Rapid und Austria. Es gibt aber immer auch Überraschungs-Mannschaften, und eine davon wollen wir sein.“ 2.) „Wir wollen einen internationalen Platz erreichen.“ 3.) „Beim Kader passt es qualitativ und quantitativ. Wir wollten einige Spieler haben, ein paar haben wir bekommen, ein paar nicht. Wie die Neuen sind, kann man erst nach einigen Spielen beurteilen.“ 4.) „Man hat letztes Jahr bei der Admira gesehen, dass Aufsteiger immer eine interessante Saison spielen können. Ich traue dem WAC einiges zu.“ 5.) „Wenn es kein großer technischer Aufwand nötig ist, können sie es von mir aus einführen. Auf der anderen Seite sollte man den Fußball so lassen, wie er ist.“ 6.) „Es wurde sehr offensiv gespielt. Die Mannschaften setzten auf Ballbesitz, wollten den Gegner müde spielen und verfielen nicht in Panik. Es geht alles in Richtung offensivem Fußball.“

Heinz Fuchsbichler (SV Ried):

1.) „Red Bull Salzburg ist ganz klarer Favorit, vom Spielerpotenzial, sowohl in der Quantität als auch in der Qualität. Es wäre traurig, wenn es nicht so wäre. Ich bin überzeugt, dass der Titel nur über Salzburg führen kann, aber man hat letztes Jahr gesehen, wenn sie Probleme haben, ist einiges möglich.“ 2.) „Wir haben einen sehr dünnen Kader, bei Verletzungspech kannst du schnell hinten dabei sein, mit ein bisschen Glück aber auch sehr weit vorne. Auf einen fixen Tabellenplatz festlegen macht für uns aber keinen Sinn.“ 3.) „Aus meiner Sicht ist eigentlich alles sehr zufriedenstellend verlaufen. Wir haben den Kader auch mehr oder weniger schon am Beginn der Vorbereitung beisammen gehabt, es war sehr wichtig, dass wir mit Ausnahme von Clemens Walch, der eine Woche später dazustieß, die Vorbereitung mit vollen Kräften absolvieren konnten.“ 4.) „Der WAC kann eine starke Saison spielen.“ 5.) „Ich verstehe zwar, dass man die Torlinientechnologie jetzt einführen will, habe aber immer gesagt, dass der Fußball so einfach wie möglich gehalten werden soll - von der tiefsten Amateurliga bis zur Profiliga sollen die gleichen Regeln gelten. Ich hoffe, dass alles ein bisschen menschlich bleibt, nicht, dass wir dann jede Entscheidung zuerst per Video analysieren, ob sie richtig oder falsch war.“ 6.) „Dass Spanien teilweise ohne Stürmer gespielt hat, war vielleicht der interessanteste Aspekt. Vom System her hat man aber nichts Neues gesehen. Ich analysiere lieber die Champions League als die EM, weil die Mannschaften da viel eingespielter sind.“

Walter Kogler (Wacker Innsbruck):

1.) „Die Salzburger, die sind einfach gefordert. Ich denke, dass sich daneben nur Rapid und die Austria Außenseiterchancen ausrechnen dürfen.“ 2.) „Wir haben uns platzmäßig nicht festgelegt, weil wir schauen müssen, wie wir in die Saison reinkommen. Man muss auch abwarten, wie die anderen unterwegs sind, es kann sein, dass wir mehr Punkte machen und nur Achter werden.“ 3.) „Ich bin relativ zufrieden, weil wir in unserem Rahmen ganz gute Entscheidungen getroffen haben. Ich hätte es gern gehabt, dass man Burgic hält und noch einen zweiten Stürmer dazuholt, das wäre die Idealvorstellung für mich gewesen. Die Möglichkeiten von der Vereinsseite waren aber nicht da, deshalb haben wir uns aus verschiedenen Gründen dazu entschlossen, es mit einem neuen Stürmer zu versuchen. Wir sind darauf angewiesen, dass Fernandes einschlägt, wir haben nicht die großen Alternativen.“ 4.) „Dem WAC traue ich zu, dass er eine stressfreie Saison spielen wird. Er hat den Bonus des Aufsteigers, Euphorie ist vorhanden. Und die Kärntner haben von der Aufstiegsmannschaft alle Spieler gehalten plus sechs, sieben neue Spieler dazugeholt, da ist schon etwas möglich.“ 5.) „Ich bin grundsätzlich ein Befürworter aller Sachen, die dazu da sind, Fehler in der Spielleitung zu minimieren - sofern sie nicht den Spielfluss zu sehr stören. Es hat keinen Sinn, alle zwei Minuten etwas nachzuschauen.“ 6.) „Man hat gesehen, dass alle probiert haben, nach vorne zu spielen. Kurze Ballbesitzzeiten, schnelles Nachrücken und Umschalten haben die EM geprägt. Es waren ganz wenige Mannschaften, die ihr Heil nur in der Defensive gesucht haben. Negativbeispiel war die eine oder andere Partie der Engländer, die das Chelsea-System kopiert haben und nur versucht haben, das Spiel einzuschläfern. Ich bin froh, dass sich das nicht durchgesetzt hat.“

Franz Lederer (SV Mattersburg):

1.) „Red Bull Salzburg ist der klare Favorit, am ehesten könnten noch Rapid und Austria die Herausforderer sein. Es könnte aber auch wieder eine Überraschungsmannschaft wie zuletzt die Admira geben.“ 2.) „Wir waren zuletzt Achter, jetzt ist es legitim, weiter nach oben zu schauen.“ 3.) „Ich bin mit dem Kader hochzufrieden, die Mannschaft ist vom Altersgerüst her perfekt.“ 4.) „Wenn man sich die Aufsteiger der letzten Jahre anschaut, weiß man, dass alles möglich ist.“ 5.) „Ich würde mir eher wünschen, dass sie nicht kommt. Das Einzigartige am Fußball ist, dass es in der letzten Liga die gleichen Voraussetzungen wie in der Champions League gibt.“ 6.) „Es war eine faire EM. Die Schiedsrichter haben versucht, das Spiel nicht zu zerpfeifen. Interessant war, dass die Italiener als Erfinder der Viererabwehr auf eine Dreierkette zurückgegangen sind. Die Spanier haben eine einzigartige Mannschaft, die können jedes System spielen, auch ohne Stürmer. Ich glaube aber nicht, dass das zum Trend wird. In Österreich würde man gescholten werden, wenn man ohne Stürmer einläuft.“

Heimo Pfeifenberger (Wiener Neustadt):

1.) „Salzburg ist klarer Favorit, Rapid und Austria sehe ich am ehesten als Konkurrenten.“ 2.) „Der Klassenerhalt ist das große Ziel. Wir können eh nur überraschen, das ist aber sicherlich auch ein Vorteil. Wir sind ein einfacher kleiner Verein mit beschränkten Mitteln, wollen aber zeigen, dass wir trotzdem in der Bundesliga bestehen können.“ 3.) „Ich bin als Trainer sehr pflegeleicht, ich nehme, was daherkommt und versuche, daraus das Beste zu machen. Wir haben keine spektakulären Transfers gemacht, sondern mehr Spieler aus der zweiten Liga oder der Regionalliga geholt, aber das sind halt unsere Möglichkeiten. Wir bieten den Spielern eine gute Plattform, sich zu beweisen, da wird man jetzt eh sehen, ob sie den nächsten Schritt schaffen.“ 4.) „Der WAC hat Qualität und eine gute Mentalität in der Mannschaft. Es ist ein familiärer, kleiner Verein, in dem alle gut zusammenarbeiten. Der WAC kann sicher überraschen.“ 5.) „Ich bin dafür, aber nur für Tor ja oder nein. Vor allem in den entscheidenden Spielen, immerhin geht es doch für Vereine oft um so viel. Gerechtigkeit soll es geben.“ 6.) „Auffällig war, dass wieder mehr Fußball gespielt wird, es wird nicht mehr so viel taktiert, da tragen auch die Spanier viel dazu bei. Sie zeigen, dass man trotz eines offensiven Spiels in der Defensive sicher stehen kann.“

Nenad Bjelica (WAC):

1.) „Salzburg ist Favorit, auch Rapid, Austria, Sturm und Ried dürfen sich Chancen ausrechnen.“ 2.) gilt auch für 4.) „Unser primäres Ziel ist der Klassenerhalt. Wir wollen 40 Punkte holen, und wenn wir das geschafft haben, können wir weiterplanen.“ 3.) „Ich bin eigentlich sehr zufrieden, weil wir alles geholt haben, was ich mir gewünscht habe. Wir haben auf jeder Position einen Spieler verpflichtet, außer im zentralen Mittelfeld, wo wir zwei Spieler geholt haben, weil wir auch zwei abgegeben haben. In jeder Linie ist einer gekommen, der qualitativ besser sein sollte als die Spieler vom vorigen Jahr. Ich hoffe nur, dass sich die Spieler schnell einleben können in der Mannschaft.“ 5.) „Ich halte nicht viel davon, weil ich glaube, dass Schiedsrichter-Fehler einfach passieren müssen. Ein Trainer oder normaler Arbeiter macht auch Fehler, deswegen jetzt alles zu computerisieren, wäre nicht gut. Auch der Ärger der Trainer und Spieler gehört zum Fußball einfach dazu.“ 6.) „Eine neue Entwicklung ist, dass Spanien ohne Stürmer Europameister geworden ist. Das war überraschend und ich bin neugierig, ob so etwas auch jemand in der Bundesliga machen wird. Ich bin ziemlich begeistert von diesem Stil, wir haben unsere Mannschaft aber so aufgebaut, dass wir anders spielen werden, wir haben unsere Stürmer und werden immer mit zwei spielen. Wir können die Spanier nicht kopieren, auch wenn wir vier Spanier in unserer Mannschaft haben.“

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 17.07.2012  11:04
aktualisiert: Di, 17.07.2012  12:32
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