Solidarität ist kein leeres Wort
Von Hubert Winklbauer
Innsbruck – Der Vorstand des FC Wacker überlegt die Ablöse von Coach Walter Kogler – und argumentiert dabei an der Realität vorbei. So zumindest sehen es auch die zwei namhaftesten Tiroler Trainer Didi Constantini und Kurt Jara, die als mögliche Brandlöscher in Frage kämen. So sehr der Wacker-Vorstand mit seiner Art und Form der Krisenbewältigung Futter für eine pessimistische Weltbetrachtung gibt, nähren Constantini und Jara die Hoffnung, dass es noch so etwas wie Solidarität und Respekt unter der Trainergilde gibt.
Kurt Jara wie Didi Constantini sind unisono dafür, dass Kogler das Vertrauen ausgesprochen wird. Kurt Jara: „Kogler hat die Innsbrucker in die Erstklassigkeit geführt, hat in den letzten Jahren mit einer relativ billigen Truppe eindrückliche Erfolge gemacht. Der Vorstand muss auch erkennen, dass es nicht nur aufwärts gehen kann, wenn nicht entsprechend investiert wird. Jara: „Man kann doch nicht glauben, dass ein Trainer permanent aus einer Mannschaft mehr herausholen kann, als drin ist.“ Das ginge vielleicht in der Aufstiegseuphorie. Aber irgendwann sei der Alltag da, irgendwann klopfe die Wirklichkeit an. In dieser Phase sei der FC Wacker eben jetzt. Und just in dieser Phase brauche ein Trainer Rückhalt: „Wer die Autorität eines Trainers öffentlich untergräbt, destabilisiert das ganze Gefüge. Dann wird es gefährlich.“
Wie wäre Jaras Vorschlag der Krisenbewältigung? „Der Vorstand stärkt den Trainer, der Trainer macht seine Arbeit, die Spieler haben zu marschieren. Aus basta.“ Und wenn es dennoch nicht klappen sollte? Jara: „Nach Ende der Frühjahrssaison werden die Bücher gelesen, nicht jetzt nach ein paar Runden. Und wenn es dann nicht stimmt, kann ja etwas unternommen werden.“
Wäre Jara prinzipiell bereit, einem FC Wacker zu helfen, wenn der in großer Not wäre? „Eigentlich habe ich mit dem Zeitpunkt, als man mir den Posten als Teamchef verwehrt hat, mit dem Trainerberuf abgeschlossen. Ich liebe den Fußball, weil ich ihm viel verdanke. Aber ich muss mit 62 Jahren nicht mehr mittendrin sein. Ich bin kein Trapattoni. Und ich sage es noch einmal: Man soll Kogler arbeiten lassen, er hat es bisher erstklassig getan.“ Damit schaut es ganz so aus, als ob der Klub bei Jara abgeblitzt wäre.
Und Ex-Teamchef und Ex-Wacker-Trainer Didi Constantini? „Mich hat niemand kontaktiert. Aber ich bin ohnehin dafür, dass Kogler Gelegenheit hat, die Truppe wieder auf die Überholspur zu bringen.“ Constantini formuliert damit gewissermaßen einen Nachhilfekurs für den Wacker-Vorstand im wirklichkeitsnahen Denken: „Man kann Klasse nicht herbeireden. Man kann auch nicht verlangen, dass mit Taktik allein alle Verfehlungen in der Einkaufspolitik kaschiert werden können. Und man muss wissen, dass der Sparefroh nur im größten Ausnahmefall hilfreich beim Aufbau einer schlagkräftigen Mannschaft ist.“
Für Constantini sind die jetzigen Macher beim FC Wacker gewissermaßen auch Opfer des großen FC-Tirol-Crashs: „Seitdem ist es noch schwieriger, Sponsoren aufzutreiben.“ Und ohne Sponsoren fehle eben das Geld, sich punktuell je nach Bedarf zu verstärken. Der Ex-Teamchef zeigt Verständnis für die Schwierigkeiten der Klubführung, aber kein Verständnis dafür, dass Walter Kogler die ganze Last der Versäumnisse zu tragen habe.
Die Experten Jara und Constantini sind für Kogler, für Kontinuität. Sind dagegen, dass ein Trainer einer momentanen Stimmungslage geopfert wird. Und die beiden Welterfahrenen plädieren auch dafür, das bisher Geleistete des Wacker-Trainers nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen.
Ob das die Wacker-Oberen beeindrucken kann? Schwer zu sagen: Denn der Glaube an eine Ethik in Führungsetagen hat nicht wirklich Hochkonjunktur.


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