Kalte Würstel, heiße Rechnung
Von Florian Madl, Wolfgang Müller und Susann Frank
Innsbruck – Einem Damoklesschwert gleich schwebt die drohende Geldstrafe nach dem Spielabbruch gegen Sturm Graz (24.11.2012) über dem FC Wacker Innsbruck: 25.000 Euro fordert der Senat 1 der Fußball-Bundesliga, was in Relation zum Strafrahmen (bis 150.000 €) und zum Vorstrafenregister (35 Vergehen seit August 2010) einem Schnäppchen gleichkommt. Gestern langte die Urteilsbegründung im Tivoli-Büro ein, die Wacker-Obmann Kaspar Plattner so nicht hinnehmen will: „Die Strafe ist unangemessen. Wir drängen darauf, nichts oder bedeutend weniger zu zahlen.“
Schadlos würde man sich in jedem Fall halten wollen: an jener Person der Osttribüne, die für einen verhängnisvollen Wurf gesorgt haben soll. Und möglicherweise auch an Polizei oder Sicherheitspersonal. Plattner: „Wir zahlen viel Geld, dass nichts passiert. Also darf man sich auch entsprechende Vorkehrungen erwarten.“
Doch damit ausgabenseitig nicht genug: Ex-Trainer Walter Kogler wurde Ende November abgefertigt, was auch knapp 50.000 Euro ausmacht. Und wer sich die November-Abrechnung der Catering-Einnahmen zu Gemüte führt, kann darin keine Entlastung des Budgets erkennen: 651,40 Euro aus Kiosk-Umsätzen wurden dem Verein seitens der Olympiaworld „gegenverrechnet“. Eine Summe, die den mit dem Veranstaltungszentrum vertraglich fixierten sechs Prozent aus dem Heimspiel gegen Ried entspricht. Kein statistischer Ausreißer übrigens: Im September wurden aus den drei Heimspielen gegen Salzburg, Wolfsberg und Rapid gerade 2321,13 Euro eingenommen.
„Wenn man meint, dass Catering-Einnahmen zu den tragenden Säulen eines Vereinsbudgets gehören, so ist das bei uns jedenfalls nicht so.“ Erst unlängst unterhielt sich das Vereinsoberhaupt mit Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer über die Situation. Zur Erhärtung der Argumentation wurden dabei auch Beschwerden über die Qualität der Stadionbewirtung herangezogen, etwa jene des Landtagsabgeordneten Fritz Gurgiser. Der Vomper machte im TT-Gespräch keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit: „Wenn die Würstel weiter kalt verkauft werden, muss ich künftig einen Gaskocher mitnehmen.“
Ein schwacher Trost ist für den Tiroler Traditionsklub die schon stattliche Summe, die man sich in diesem enttäuschenden Herbst an Prämien sparte. Von 57 möglichen Punkten mussten nur 13 ausbezahlt werden. Klar, dass diese Geschichte einen Haken hat. Nach 19 Runden „wachtelt“ der FC Wacker weiter mit der roten Laterne am Tabellenende. Ein Abstieg würde sowohl wirtschaftlich als auch erst recht sportlich einer Bankrotterklärung des Tiroler Fußballs gleichkommen. Doch dieses Horrorszenario soll vermieden werden.
„Ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft den Klassenerhalt schafft“ – mit diesen Worten verabschiedete sich schon Walter Kogler zurück in die Heimat nach Kärnten. Und auch Roland Kirchler, der die Mannschaft seit nunmehr acht Runden betreut, stößt ins gleiche Horn: „Die Mannschaft hat durchaus das Potenzial, nicht Zehnter zu werden.“ Drei Siege, ein Remis und vier Niederlagen gegen die Titelkandidaten Austria, Salzburg, Rapid und Sturm lautet Kirchlers bisherige Bilanz. Was den Wacker-Coach freilich nicht stören würde, wäre ein Schub an Qualität. Die hat er sich bei Amtsantritt auch zusichern lasen.
Beim derzeitigen Stand der Dinge wird daraus allerdings nichts werden. „Ich gehe momentan davon aus, dass wir keine namhafte Verstärkung holen können“, erklärt Oliver Prudlo unmissverständlich.
Wackers Sportdirektor hatte im Hanappi-Stadion übrigens alle Hände voll zu tun, darauf hinzuweisen, dass er bis Dezember 2013 in Tirol unter Vertrag steht. Der Pay-TV-Sender Sky glaubte nämlich zu wissen, dass der Name Prudlo auf allen Listen bezüglich Besetzung des Postens eines Rapid-Sportdirektors aufscheinen würde.



