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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 12.12.2012

FC Wacker

Koller kam, sah und hörte zu

Vor dem letzten Bundesliga-Match im alten Kalenderjahr gegen die Admira (Samstag, 18.30 Uhr) erhielt Wacker hohen Besuch: ÖFB-Teamchef Marcel Koller machte sich von den Zuständen rund ums Tivoli ein Bild.

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Von Alex Gruber

Innsbruck – Das Potenzial an Kandidaten für das österreichische Fußball-Nationalteam ist bei Wacker Innsbruck überschaubar beziehungsweise nicht vorhanden. Roman Wallner, der nach seiner Sperre gegen die Admira mitwirken darf, war zwar lange dabei, ist aber auch schon lange wieder weg. Und Marcel Schreter durfte im Kader von Koller-Vorgänger Didi Constantini nur kurz „auf Abruf“ aufscheinen. Der Rest der Tiroler Teambeiträge in den vergangenen Jahren trägt mit Pascal Grünwald, Florian Mader (beide Austria) und Andreas Hölzl (Sturm) seit längerer Zeit einen fremden Dress.

Es war aber auch nicht im Sinne des Erfinders Marcel Koller, gestern irgendwelche abstrusen Gerüchte um etwaige Tiroler ÖFB-Teamspieler zu kreieren. Der Schweizer wollte vielmehr seine Nähe zu allen Klubs im heimischen Oberhaus kundtun: Tags zuvor war er noch in Mattersburg („Die trainieren auch auf Kunstrasen“) und gestern eben Zaungast am Innsbrucker Tivoli.

Die Probleme der Wackerianer, dass es im Ballbesitz zuweilen oft zu „hektisch“ wird und nach ganz vorne wenig geht, sah Koller beim jüngsten Rapid-Gastspiel ohnehin. Der Austausch mit Sportdirektor Oliver Prudlo und Trainer Roli Kirchler sollte auch einen Blick hinter die Kulissen gewähren, was in Innsbruck möglich ist. „Ich will mit den Verantwortlichen sprechen, wollte schon lange bei den Tirolern vorbeischauen“, nickte Koller, der den Wackerianern zuletzt beim Trainingslager in der Türkei einen Besuch abgestattet hatte. Dort war ihm beispielsweise Iñaki Bea noch als lautstarker Dirigent aufgefallen. Einer jener Routiniers, die fort sind.

„Ich weiß schon, wie schwer es ist, wenn das Geld nicht locker sitzt. Da wäre es wichtig, die Talente zu halten“, sprach Koller im Anorak. Und da klingeln auch die Tiroler Glocken, zumal viele Tiroler Nachwuchsjuwele frühzeitig von der heimischen Talenteschiene in Richtung Ausland das Weite gesucht haben.

Ein Lockruf, wie Koller weiß, dem auch Berater und Eltern erliegen. „Ist das Geld wichtiger? Oder ist es wichtiger zu spielen?“, sinnierte er kurz und führte Zlatko Junuzovic als Beispiel an, dass man auch in späteren Jahren noch in der deutschen Bundesliga neben einer „Ausnahmeerscheinung“ wie David Alaba landen kann. Die Startelf in der ÖFB-Elf ist ohnehin komplett mit Deutschland-Legionären ausgebucht.

„Es liegt an jedem selbst, sich ins Rampenlicht zu spielen“, schloss Koller, ehe er sich in den nahenden Feiertagen nach langjähriger Pause und mit einem Blick auf die verschneiten Tiroler Berge wieder einmal die „Brettln“ anschnallen will. Komplett wird König Fußball aber dennoch nicht ruhen: „Ein paar DVDs von Irland und den Färöern habe ich schon dabei“, will er sich auch der Gegnerschaft in der WM-Quali-Gruppe C im März des neuen Jahres widmen.

Das Besondere am gestrigen Tag war einfach Kollers Visite. „Es ist von ihm ausgegangen und toll“, freute sich Prudlo, nachdem Koller eine Vase mit Wacker-Gravur erhalten hatte. Kirchler stimmte ein: „Ein ganz cooler Typ.“

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