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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 12.12.2012

Jedes Jahr das gleiche Spiel

Bundesliga berät über Erste Liga – ÖFB fordert Fixaufstieg für die Regionalligameister.

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Von Tobias Waidhofer

Innsbruck – Was hatte die zweithöchste österreichische Fußball-Spielklasse nicht schon alles für Namen: Aber egal ob Red-Zac-Liga, Adeg-Liga oder neuerdings Heute-für-Morgen-Erste-Liga – zu einem Liebkind ist sie bis heute nicht geworden. Die Erste Liga, die eigentlich nur zweitklassig ist, fristet (anders als beispielsweise in Deutschland) ein karges Schattendasein.

Deshalb suchen die Vertreter der Bundesliga heute in Wien wieder einmal nach einer gemeinsamen Linie in der Diskussion um die Erste Liga. Der ÖFB (Österreichischer Fußballverband) und seine Landesverbände wünschen sich einen Direktaufstieg der drei Regionalliga-Meister und würden deshalb eine Aufstockung begrüßen. Dies wird jedoch von den aktuellen Vereinen der Ersten Liga vehement abgelehnt.

„Jede Änderung wäre ein Wahnsinn. Die Erste Liga ist zum Spielball zwischen Bundesliga und ÖFB geworden, obwohl sie sich gut entwickelt hat“, erklärte etwa Austria-Lustenau-Präsident Hubert Nagl.

Für eine Adaption des Liga-Formats wäre heute eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. Da jeder Bundesligist über fünf und jeder Erste-Liga-Klub über drei Stimmen verfügt, können die Repräsentanten der Ersten Liga nicht überstimmt werden, sofern sie geschlossen votieren – was in der jüngeren Vergangenheit immer der Fall war. Somit wird die Forderung des ÖFB nach einem Direktaufstieg der Regionalligameister wohl wieder nicht erfüllt. Was bei der ÖFB-Präsidiumssitzung einen Tag darauf für gehörigen Unmut sorgen wird.

Zwar glaubt Bundesliga-Präsident Hans Rinner weiterhin „an eine Lösung, die für den ÖFB akzeptabel ist“; sein Vorschlag, wonach der Verband über eine Reduzierung auf zwei Regionalligen nachdenken soll, wirkt dann aber doch eher realitätsfremd. Schon allein die erhöhten Reisespesen für die finanziell oft nicht auf Rosen gebetteten Drittligisten sprechen gegen den Vorschlag des ehemaligen Sturm-Präsidenten. Das sieht auch Josef Geisler, Präsident des Tiroler Fußballverbands, so. „Dieser Vorschlag steht für mich überhaupt nicht zur Diskussion. Die Regionalligen haben ja jetzt schon genug Probleme“, erteilte Geisler den Ausführungen von Rinner eine Absage.

Ihm gehe es in erster Linie um den direkten Aufstieg der Regionalliga-Meister und die damit verbundene Abschaffung der Relegation. Tirol hat schließlich leidige Erfahrung mit der aktuellen Aufstiegsregelung. In den vergangenen beiden Jahren musste Wattens, einmal sogar nach ungeschlagenem Westliga-Titel, den Traum vom Aufstieg in der Relegation begraben. So oder so: Die zweithöchste Spielklasse, wie sie nun auch heißt, schreit nach einer Reform. So wie jedes Jahr.

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