Der FC Wacker steht am Scheideweg
Von Florian Madl und Susann Frank
Innsbruck – Ist es wirklich zu spät? Sinnbildlich war vergangenen Montag die einstündige Verspätung Kaspar Plattners beim Treffen mit Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer. Die sah darüber zwar großzügig hinweg, hielt sich in der Folge aber mit ihrer Großzügigkeit zurück. Sie stellte dem bemühten Vereinsoberhaupt keine weitere finanzielle Unterstützung für dessen FC Wacker in Aussicht. Man wolle keinen „verstaatlichten Verein“, ließ sie auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung wissen. Anders gesprochen: Mit Quersubventionierung der Infrastrukturkosten (je 140.000 € Stadt/Land), dem Sponsoring des jeweils zur Hälfte im Stadt-/Land-Eigentum befindlichen Vermieters Olympiaworld (300.000 €/Saison), der Tirol-Werbung (100.000 €/Saison) oder der Innsbrucker Kommunalbetriebe sei der Plafond erreicht (dazu Hypo, Tiwag etc.). Je nach Rechenart liegt die Unterstützung der öffentlichen Hand zwischen 55 und 80 Prozent vom Gesamtbudget. Oppitz-Plörer: „Mehr ist nicht zu rechtfertigen!“ Also auch nicht die erhofften 100.000 Euro für die 100-Jahr-Feier.
Lediglich das Ansuchen, künftig die Stadionkioske zu betreiben, wollte das Stadtoberhaupt prüfen lassen – doch der Aufsichtsrat der Olympiaworld (OSVI) stimmte bereits einstimmig dagegen. Nichts, was sich bei der OSVI-Generalsversammlung am kommenden Mittwoch ändern wird. „Da ist ohnehin kein Geld zu machen“, glaubt auch Geschäftsführer Michael Bielowski. Ein Nebenschauplatz, das weiß man beim FC Wacker Innsbruck. Denn die Vereinszukunft hängt an anderen Fäden.
Erst vergangene Woche gewährte ein Sponsor einen Vorgriff von 100.000 Euro auf die kommende Saison, und das könnte nicht der letzte gewesen sein. „Die Zukunft in der höchsten Liga steht auf der Kippe“, bestätigt ein Wacker-Insider mit Hinblick auf die Lizenzierung im März. Bei dieser Prüfung einer unabhängigen Kommission muss ausgeglichen bilanziert werden. Doch das Sieben-Millionen-Euro-Budget weist bereits nach Hälfte des laufenden Geschäftsjahrs ein Mnus von 300.000 Euro auf: Erst die Abfertigung Walter Koglers (40.000 €), dann die ausbleibenden Zuschauer (derzeit im Schnitt 4000 statt 6000), dazu ausbleibende Spielererlöse (zuletzt Fabian Koch/300.000 € und Pascal Grünwald/250.000 € zur Wiener Austria, Harald Pichler/180.000 € zu Rapid) und drohende Strafen (25.000 € in erster Instanz). Das ermöglicht keine Verstärkungen im Winter und zwingt darüber hinaus zum Ausdünnen des Kaders auf Leih- oder (noch besser) Kauf-Basis.
Gestern, 16 Uhr, sollte vor dem letzten Saisonheimspiel eine kurzfristig anberaumte Vorstandssitzung Licht ins Wacker-Dunkel bringen. Sie wurde ebenso kurzfristig wieder abgesagt. Unbestätigter Grund: Vorstandsmitglied Hannes Bodner soll wegen Bekanntwerden der aktuellen Finanzsituation – die TT berichtete – sein Amt zur Verfügung stellen wollen, für eine Stellungnahme war der Kufsteiner nicht erreichbar. Viel versprach man sich auch von Obmann Plattners Besuch bei Landeshauptmann Günther Platter am vergangenen Mittwoch, ein weiterer soll stattfinden. Doch ob der Zammer vor der Landtagswahl neuerlich die Weichen für eine Quersubventionierung der öffentlichen Hand stellt?
Die heutige Weihnachtsfeier des FC Wacker Innsbruck trübt jedenfalls ein Rucksack voller Sorgen. Dabei wäre doch alles angerichtet: ein Jubiläumsjahr mit einem hochkarätigen Jubiläumsspiel (Stuttgart, Bayern?); ein neuer Trainer (Roland Kirchler), der bereits Spuren hinterließ. Viele Fragezeichen vor der anstehenden WackerGeneralversammlung im Jänner, außerdem aber vor der ausstehenden Lizenzvergabe der Bundesliga im März. Noch mehr abspecken – geht das?
Schließlich will man sich bei der Jubiläumsfeier wie das Jubiläumsbuch präsentieren: in Hochglanz.



