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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 17.12.2012

Weichenstellungen beim FC Wacker: Rückbesinnung auf bessere Tage

Ligaverbleib, Lizenzvergabe, Sponsorverträge, Obmann-Nachfolge: Im Jubiläumsjahr stehen dem FC Wacker Innsbruck einige Weichenstellungen bevor.

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Von Florian Madl

Innsbruck, Wattens – Die jüngste Weihnachtsfeier des FC Wacker Innsbruck – beschaulich. Nach dem versöhnlichen 3:1-Erfolg über die Admira wurde der Anschluss an die übrigen Abstiegskandidaten der Bundesliga-Tabelle hergestellt, der Anspruch auf sportliche Ligareife wurde untermauert.

Auf struktureller Ebene steht der Verein im Jubiläumsjahr 2013 vor einer Bewährungsprobe: Der Vertrag mit Hauptsponsor Tiroler Wasserkraft (derzeit 800.000 €/Saison) endet im Juni, eine Verlängerung steht bevor. Eine Aufstockung hingegen gilt nach einem ersten Vorfühlen als ausgeschlossen, auch die Eishockey-Kollegen (HC Innsbruck/600.000 € pro Saison) dürfen nicht darauf hoffen.

Am Landhausplatz wünschen sich die Verantwortlichen vielmehr einen starken Partner, um den finanziellen Ansprüchen auf breiter Ebene gerecht zu werden. Der kann beim FC Wacker nach Meinung vieler nur Swarovski heißen, was ein pikantes Unterfangen darstellt:

Nach gemeinsamen Glanzzeiten in der Ära Happel gingen beide Parteien getrennte Wege, der Hilferuf bei Gernot Langes im Zuge der Insolvenz 2002 endete vor Gericht und zerschlug viel Kristall. Das dunkle Kapitel der Vergangenheit und der stete Wunsch nach budgetärer Gewissheit bringt Swarovki ins Spiel, mit Klaus Haim als Obmann soll der Brückenschlag gelingen:

Seit 18 Jahren ist der 52-Jährige bereits bei der Wattener Werkssportgemeinschaft, geradezu familiäre Bande seien das. „Wir wollen uns eines Tages in der zweiten Bundesliga etablieren“, erläutert der WSG-Obmann, wenn es um ihn als Wunschkandidaten für die bald vakante Rolle beim FC Wacker geht. Bekanntlich zieht sich Kaspar Plattner im Sommer aus diesem Amt zurück, die Nachfolgersuche hat bereits begonnen. Und viele Optionen bleiben nicht:

Der in die Pension scheidende Tiwag-Vorstand Al­fred Fraidl, ebenfalls ein Kandidat, zeigt kein Interesse an diesem Ehrenamt, auch Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer winkt ab: „Ich habe diese wirklich interessante Funktion schon einmal innegehabt (1996/97, Anm.), aber dafür braucht man viel Zeit.“ Die habe er jetzt nicht mehr.

VP-Politiker Christoph Platzgummer hält sich bezüglich einer Wacker-Obmannschaft bedeckt, hätte aber Ideen: „Man muss den Verein breit aufstellen und für noch mehr Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen“, glaubt der 51-Jährige.

Klaus Haim würde das Anforderungsprofil erfüllen. Und geholfen haben seine Wattener den Hauptstädtern ja bereits mehrmals:

Etwa nach dem Konkurs im Jahr 2002, als es um die Lizenz und die angestrebte Rückkehr ins Oberhaus ging.

Oder zuletzt vor einigen Wochen, als der Trainerwechsel Roland Kirchlers am seidenen Faden gehangen war.

Und zwischendurch, wenn sich Tiroler Talente aufmachten, um im Tivoli ihr Heil zu suchen. „Mittlerweile sind es wohl eineinhalb Bundesliga-Mannschaften, die wir hervorgebracht haben“, glaubt Klaus Haim. Unter anderem seinen Freund Roland Kirchler – ein weiteres Argument für Haim, in Innsbruck mitzuhelfen.

Ob er sich das auch wirklich vorstellen kann. „Es wäre eine aufwändige Sache, und der Familie Swarovski fühle ich mich verpflichtet.“ Allerdings übernahm Haim schon einmal ein Amt, das er nicht angestrebt hätte: Die Wahl zum Präsidenten des Tiroler Pferdesportverbands kam für ihn überraschend, mittlerweile bekleidet er dieses schon zwei Jahre. Möglich, dass eine breite Zustimmung damals (48 von 49 Stimmen) wie heute (Wacker) den Ausschlag gibt.

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