Jara: „Ist mein Rat gefragt, werde ich ihn auch geben“
Von Wolfgang Müller
Innsbruck – Bevor Roli Kirchler beim FC Wacker den Trainervertrag unterzeichnete, schloss er sich mit Kurt Jara, seinem Coach zu gemeinsamen FC-Tirol-Zeiten, kurz. „Ich hab‘ ihm geraten, nach den Jahren in Wattens den nächsten Schritt als Trainer zu setzen. Auch wenn es ein schwerer ist“, so Jara, der sich zurzeit wieder in der Heimat aufhält und sich schon auf Ralf Schaders Eishockeygala in Kitzbühel freut. Zusammen mit Didi Constantini und Rado Gilewicz steht der 62-Jährige in einer Sturmlinie. „Aber schön vorsichtig, denn zerreißen muss ich nichts mehr.“
Was auch für Funktionen im Fußball gilt: „Trainer mach‘ ich sowieso keinen mehr. Dafür bin zu lange aus dem Geschäft. Da sollen sich Jüngere ausleben.“ Aber der Fußball spielt immer noch eine Hauptrolle. „Ich bin über den internationalen, aber auch den nationalen Fußball voll im Bild“, lässt der ehemalige Trainer des Hamburger SV – was so schnell kein Österreich mehr schaffen wird – praktisch kein Spiel im Fernsehen oder, wenn es sich ausgeht, auf der Tribüne aus. Auch im Tivoli sah er einige Spiele und freute sich, dass der FC Wacker mit Roli Kirchler den Anschluss schaffte. „Er hat eine gute Bilanz aufzuweisen. Die Mannschaft ist strukturiert, voll intakt und hat mit dem letzten Sieg die Admira auch noch in den Abstiegsstrudel gezogen“, sieht Jara das kommende Frühjahr vorsichtig optimistisch: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Klassenerhalt geschafft wird. Etwas anderes darf kein Thema sein. Weder in der Vorbereitung noch in der Meisterschaft. Aber dann müssten im Sommer Schritte gesetzt werden, um einen Trend nach oben einzuläuten. Da braucht es eine gesunde Basis, die ich im Moment allerdings nicht sehe.“
Was wird im Abstiegskampf ausschlaggebend sein? „Ganz klar die direkten Duelle gegen die unmittelbaren Konkurrenten. Werden die gewonnen, ist der Kas‘ gegessen.“
Wird Kurt Jara in einer Funktion rund ums Tivoli zu sehen sein? „Ich kenne Kaspar Plattner schon lange und spreche natürlich mit ihm über den FC Wacker. Auch mit Politikern. Das war aber überhaupt nichts Konkretes oder Verbindliches. Ich strebe auch keine Funktion an. Wenn mein Rat gefragt ist, werde ich ihn selbstverständlich geben.“
Was den ehemaligen Fußball-Globetrotter, der vom FC Wacker aus die Stationen Valencia, Duisburg, Schalke und Grasshoppers Zürich als Spieler und später als Coach bei den Grasshoppers, in St. Gallen, beim FC Zürich, Mödling, in Xanthi, Nikosia, dem FC Tirol, dem HSV, Kaiserslautern und Salzburg arbeitete, besonders ärgert bzw. freut? „Dass in Österreich Trainer aus dem Ausland engagiert werden, die nur g‘scheit daherreden, aber nichts vorzuweisen haben. Daher hoffe ich, dass Peter Stöger mit der Austria sein Ding durchzieht und den Titel holt. Und mir taugt es auch, dass der Roli in Innsbruck zum Zug kam.“
Ein aktueller Schwenk zum internationalen Fußball: Für Jara war es sonnenklar, dass sich Lionel Messi den Titel des Weltfußballers holte. „Ich bin ja fast das halbe Jahr in Valencia und hab‘ ihn auch schon öfter im Stadion spielen gesehen. Fußball in absoluter Perfektion. Er steht über allen, ist zudem ein super Typ ohne Allüren und Skandale. Ihm stehen allerdings mit Iniesta und Xavi geniale Kicker zur Seite. Wenn Barcelona mit Messi im Fernsehen auf dem Programm steht, ist der Fußballabend ein Genuss.“



