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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 10.01.2013

Sattes Minus bereitet Kopfzerbrechen

Der FC Wacker Innsbruck steht wieder einmal am Scheideweg: Sportlich am Tabellenende, finanziell in Schieflage. Ausbleibende Transfereinnahmen und sinkende Zuschauerzahlen hinterließen ein großes Loch.

Von Florian Madl und Max Strozzi

Innsbruck – Das Jubiläumsjahr – der FC Wacker feiert heuer sein 100. Bestandsjahr – böte genügend Stoff, sich über die Feierlichkeiten zu unterhalten. Oder über die mitunter glorreiche Vergangenheit. Möglicherweise wird während der anstehenden Generalversammlung am 21. Jänner darüber gesprochen, aber angesichts der jüngsten Vereinskennzahlen bestenfalls am Rande.

Die Kennzahlen per 30. Juni 2012 lassen auf die Probleme beim Saisonstart schließen, wo das voraussichtliche Minus für die laufende Saison 2012/13 noch bei 300.000 Euro gelegen sein soll. Laut Daten des Kreditschutzverbandes von 1870 sanken die Erträge im vergangenen Geschäftsjahr (bis Ende Juni 2012) auf 5,893.869,11 Euro – nahezu eine Million Euro weniger als im Vorjahr bei nahezu gleich gebliebenem Personalaufwand (3,544.224,91 €). Ausbleibende Transfers – damals wurden Fabian Koch, Pascal Grünwald und Harald Pichler verkauft – sowie fehlende Zuschauereinnahmen (Schnitt weit unter 6000) führen zum Rechenspiel.

Das Eigenkapital war Ende Juni 2012 mit minus 980.024,84 Euro negativ. Forderungen von 869.128,01 Euro standen Verbindlichkeiten von 1,700.584,36 gegenüber.

Erst im Dezember stellte Obmann Kaspar Plattner in einem von der Tiroler Tageszeitung aufgezeichneten Interview fest, das Minus des Vereins würde derzeit 300.000 Euro betragen. Auch das Szenario einer Insolvenz sei durchgespielt worden, bestätigte der Natterer.

Schnell bemühte man sich seitens der Geschäftsstelle, das ins Reich der Fabel zu verweisen. Man habe sogar einen leichten Überschuss erwirtschaftet, hieß es zuletzt. Einzig ausbleibende Zuschauer und die Abfertigung von Ex-Trainer Walter Kogler (50.000 €) sei als unerwarteter Abgang zu verzeichnen.

Doch die jüngsten Bittgänge zu namhaften Polit-Vertretern lassen eine andere Vorahnung wach werden, die sich bei Gesprächen mit Verein-Insidern bestätigt. Derzeit liegt das Minus dem Vernehmen nach bei positiver Berechnung bei 400.000 Euro, möglicherweise mit Saisonende bei 600.000. Das könnte, sollte Kaspar Plattner nicht wieder in die Privatschatulle greifen bzw. ein zusätztlicher Sponsor gefunden werden, den Lizenz­erhalt gefährden. Mehr als eine halbe Million Euro soll der engagierte Unternehmer bisher lockergemacht haben, was den Überschuss von ca. 122.000 € im vergangenen Geschäftsjahr erklärt. Aber angesichts seines nahenden Abgangs – der 72-Jährige bekundete zuletzt Amtsmüdigkeit – dürfte das wohl ausgeschlossen sein.

Die Quelle der öffentlichen Hand scheint versiegt, das Wahljahr 2013 und die unmissverständliche Mitteilung von Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, man brauche keinen „verstaatlichten Verein“, lassen darauf schließen. Zuletzt konnte ein von Landeshauptmann Günther Platter eingefädelter Deal mit der Tirol-Werbung einen Kredit über eine Million Euro (10 Raten à 100.000 Euro jährlich) decken – die letzte Subvention einer zusehends gereizten Spendergemeinde.

So sehr man sich also einen FC Wacker Innsbruck in der höchsten österreichischen Spielklasse wünscht – das wahre Match um den Klassenerhalt findet in den nächstens Monaten bei allen Beteuerungen wohl nicht auf dem Rasen statt.