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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 18.03.2013

Ein neues Modell, das Schule macht

Seit der Neugründung des FC Wacker Innsbruck nach dem Konkurs (2002) ringt der Verein um wirtschaftliche Erstligareife. Ideologische Anleihe nehmen wollen die Tiroler bei den Branchenkollegen von Sturm Graz.

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Von Florian Madl

Innsbruck – Die Vorzeichen könnten ähnlicher nicht sein: Beim Grazer AK war der Geldfluss nach dem Meistertitel (2004) versiegt, in der Folge scheiterten mehrere Rettungsversuche. Nach vier Konkursanträgen wurde die Schließung des in die Regionalliga abgesackten Vereins beantragt.

Stadtrivale Sturm Graz, wo nach zwei Meistertiteln ebenfalls der Zwangsausgleich beantragt wurde (2007), erholte sich dank eines tragfähigen Konzepts. Mit dem Meistertitel 2011 machte man sich zwei Jahre nach dem 100-Jahr-Jubiläum selbst ein Geschenk, die letzte Umstrukturierung folgte im Jänner 2012:

Bei einer Generalversammlung wurde entschieden, Sturm künftig auf zwei Säulen zu stellen: den Verein selbst und daneben den Profibetrieb, der in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert wurde. Mit Beginn dieser Saison trat das Konzept, das Wacker-Präsident Kaspar Plattner jüngst in einem TT-Interview als „steirisches Modell“ titulierte, in Kraft. Hintergrund der Idee: Der sportliche Erfolg sei für finanzielle Belange insofern zweitrangig, als dem Verein keine Engpässe schaden (siehe Kasten unten). Das garantiere zudem Transparenz über das wirtschaftliche Gebaren, wofür ein Aufsichtsrat Sorge trägt: Die Geschäftsführung ist operativ tätig und erstattet Bericht, das übergeordnete Gremium überwacht.

Wacker-Präsident Plattner kann sich die Umsetzung jedenfalls gut vorstellen, Unterlagen lägen bereit: „Der Nachwuchs würde unter dem Deckmantel eines Tiroler Modells mit Wattens und Kufstein laufen, was dem FC Wacker Talente sichern würde.“ Die Verantwortlichen wären nicht zwingend hauptberuflich im Verein integriert, könnten aber Entscheidungen direkt und selbstständig treffen. Plattner: „Aufgrund des derzeitigen Konstrukts (Mitgliederverein, Anm.) ist das nicht möglich.“

Die aktuelle Situation des FC Wacker ist von einer möglichen Umwandlung nicht betroffen. Spätestens im April wird bekannt gegeben, ob der Verein wirtschaftlich die Anforderungen der Bundesliga erfüllt (Lizenzerteilung). Für das Minus im laufenden Geschäftsjahr hofft die Vereinsführung noch auf Geldgeber, vor allem seitens der öffentlichen Hand: „Der Draht zur Politik ist gut, wenn auch nicht auf alle unsere Wünsche eingegangen wird.“ Nüchtern stellt Plattner fest: „Man hat oft das Gefühl, dass bei uns mit anderem Maß gemessen wird. Wenn es um die Kultur oder die Kaiserjäger geht, wird das schneller durchgewunken als bei uns.“

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