10.07.2012
Regionalliga

Red Bull zieht es mit allen Tricks in die Erste Liga

Die Titelverteidigung in der Regionalliga West wird für Wattens ein schwieriges Unterfangen, denn dem FC Liefering werden Flügel verliehen.
Michael Baur ist nicht mehr Trainer des Titelkandidaten USK Anif, sondern des mit der Red-Bull-Juniors-Lizenz spielenden FC Anif.Foto: gepa
Foto: gepa
Kommentar

Von Wolfgang Müller

Innsbruck – Ungeschlagen und mit einem Sechspunkte­vorsprung auf USK Anif feierte die WSG Wattens letzte Saison den Titel in der Regionalliga West. Zum Aufstieg in die Zweitklassigkeit reichte es für die Werkssportgemeinschaft wegen der leidigen Relegation dennoch wieder nicht. Schnee von gestern, die Zukunft schaut ganz anders aus. Denn dass die Wattener den Titel verteidigen, ist ziemlich unwahrscheinlich. Was hauptsächlich an den Ambitionen des Salzburger Dosenimperiums liegt, neben den erstklassigen Bullen endlich auch eine zweite Mannschaft in der zweithöchsten Klasse zu positionieren.

Und weil es im österreichischen Ligabetrieb nichts gibt, was es nicht gibt, fand Red Bull die schnelle Aufstiegslösung. Der bisherige Kooperationsvertrag zwischen den Bullen und Anif wurde offiziell beendet. Das war nur der Auftakt einer verwirrenden Lizenztrickserei. Denn der USK Anif tauschte mit den Red Bull Juniors die Lizenz und startet künftig als FC Liefering und natürlich großer Titelkandidat in der Regionalliga West. Parallel dazu wurde als Nachfolgeverein mit dem FC Anif ein neuer Club gegründet, der in einer Spielgemeinschaft mit den Red Bull Juniors als „FC Anif/Red Bull Juniors“ auf Punktejagd geht. Alles klar? Fakt ist, dass der FC Liefering aufsteigen darf, der FC Anif nicht. Pikant – in der ersten Meisterschaftsrunde treffen die beiden Klubs bereits in Anif aufeinander. Damit aber noch nicht genug. Parallel zum Geflecht in der Westliga ging Red Bull auch eine ziemlich intensive Kooperation mit dem FC Pasching in der Regionalliga Mitte ein. Hintergrund? Die bestehende, bundesligataugliche Infrastruktur im Linzer Vorort könnte dann für die Heimspiele in der Ersten Liga genutzt werden, wird aus dem Fußball-Dunstkreis der Mozartstadt vermutet. Alles übrigens wirklich kein Scherz, sondern – zugegeben kurioser – österreichischer Fußball, wie er statutenkonform eben möglich ist.

Der FC Liefering ist also­ jenes Konstrukt, das den Talenten­ aus der Red-Bull-Akademie Spielpraxis in der Ersten Liga verschaffen soll. Die Heimspiele werden auf dem Akademiegelände absolviert, Trainer ist der Belgier Patrick de Wilde, im Kader stehen Routiniers wie Rene Aufhauser, Wolfi Mair, Andi Bammer, Mario Konrad oder Florian Metz, dazu die besten der Juniors und einige wenige des letztjährigen Vizemeisters. „Sie haben es zweimal mit Kooperationen gegen uns nicht geschafft, aber wenn ich mir ihren Kader anschaue, dann müssen sie heuer zum Titel durchmarschieren. Was dann in der Relegation passiert, ist wieder ein eigenes Kapitel“, sieht Wattens-Coach Roland Kirchler die Lage realistisch: „Ich versteh‘ aus Red-Bull-Sicht die Ambitionen, aber für einen Rivalen, wie wir es sind, ist es schon auch leicht demotivierend. Wir werden noch verstärkter auf den Nachwuchs setzen, denn das haben sich die Tiroler Talente verdient. Andererseits ist es mir schon lieber, ein Unternehmer wie Didi Mateschitz investiert in Österreich dermaßen in die Infrastruktur als irgendwo im Ausland.“

Ernüchternd war die Anif-Posse auch für Michael Baur. Der ehemalige FC-Tirol-Profi unterzeichnet Anfang des Jahres beim USK Anif einen Eineinhalbjahresvertrag mit dem klaren Ziel Aufstieg und arbeitet nun im Sommer mit einer völlig neuen Truppe. Vom Titel ist natürlich keine Rede mehr. „Vier Routiniers, dazu alles junge Kicker aus dem Raum Salzburg. Nicht einfach, den Kader aufzufüllen, aber eine echte Herausforderung“, so Baur, der seinen Kontrakt erfüllen will und somit weiter Trainerpraxis sammelt, um die UEFA-Pro-Lizenz zu erwerben.

Pikanterie am Rande – Traditionsklub Austria Salzburg verstärkte sich mit sechs ehemaligen Anif-Kickern und zählt für Baur somit zum engsten Favoritenkreis. Womit die Duelle der Violetten gegen das Dosenimperium ganz besondere Brisanz garantieren und wohl in der Red-Bull-Arena ausgetragen werden müssen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 10.07.2012
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