SV Reutte träumt von historischer Cuppremiere
Von Alex Gruber
Innsbruck, Kematen – Seit der Sponsortätigkeit von Hannes Kerschdorfer trägt der früher oft so ungeliebte Tiroler Fußballcup neue Kleider. Ein Blick aufs Podium bei der finalen Pressekonferenz bestätigte gestern diesen Eindruck. Da saßen neben Ehrengast und ÖFB-Präsident Leo Windtner die beiden Trainer Robert Scheiber (Reutte) und Thomas Silberberger (Kufstein), TFV-Pressesprecher Horst Scherl neben Präsident Sepp Geisler, Schiedsrichter Thomas Einwaller sowie die beiden Mannschaftskapitäne Mario Thaler (Kufstein) und Andreas Schütz (Reutte). Es ist alles angerichtet für ein großes Finale in Kematen bei den „Blues“. Dort verzichtete der nimmermüde Obmann Arno Bucher sogar auf einen Teil seines Urlaubs, um als Hausherr vor Ort zu sein, wenn die Musikkappelle Kematen und Kerschdorfer-Bunnies im Vorfeld ab 18 Uhr aufmarschieren. Zu den Protagonisten, den drei Teams:
S wie Schiedsrichter: Kein Fußball ohne Schiri. Oder ohne Ball. Auf den vergaß Tirols Aushängeschild Thomas Einwaller, der heute das Endspiel leitet, bei seiner allerersten U12-Partie in Breitenbach. Der 35-jährige Scheffauer, der das ÖFB-Cupfinale 2012 leitete, bei Olympia in Peking 2008 das kleine Finale pfiff und zahllose Europacuppartien auch in der Champions League über die Bühne brachte, freut sich auf seinen letzten Auftritt: „Dieses Finale führt mich zurück zu meinen Wurzeln. Ich habe im Landesverband begonnen und höre, wie auch Sepp Geisler meint, richtig, im Landesverband auf. Ich hoffe, wir sehen ein gutes Spiel“, wünscht sich der Bankangestellte, der das Team mit den beiden Assistenten Andreas Staudinger und Christoph Hofer sowie dem vierten Offiziellen Armin Eder anführt.
K wie Kufstein: In den fünf Jahren, die Coach Thomas Silberberger am Cheftrainersessel sitzt, wurde keine TFV-Cuppartie in der regulären Spielzeit verloren. Kein Wunder, dass er auch heute liebend gerne auf eine Entscheidung vom Elfmeterpunkt verzichten will. „Als Westligist sind wir in der Favoritenrolle. Wir wollen die Saison versöhnlich beenden und den Cup retourholen.“ 2010 wanderte der Pokal zuletzt in die Festungsstadt. Silberberger, der heute auf Thomas Hartl, Patrick Schönauer, Stefan Schlichenmaier und Alex Kögl verzichten muss, zeigt sich aber gewarnt: „Reutte hat einige Spieler, die uns wehtun können. Wir müssen auf der Hut sein.“ An der klaren Zielsetzung lässt aber auch Interimskapitän Mario Thaler keinen Zweifel: „Alles andere als der Cupsieg wäre eine Enttäuschung.“
R wie Reutte: Der UPC-Tirol-Ligist aus dem Außerfern führt den Außenseiterbonus ins Treffen. „Wir sind schon jetzt die größte Überraschung und die ganz große, wenn wir jetzt auch noch Kufstein schlagen“, hofft Trainer Robert Scheiber, Historisches zu realisieren. „Der Verein kann mit dem Sieg den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern“, erklärt auch Kapitän Andi Schütz vor der ersten Finalteilnahme. Dafür werden einige angeschlagene Spieler an die Schmerzgrenze gehen, der Arbeitstag früher beendet, um den Pokal über den Fernpass zu holen. „Wir wollen einen Teil zu einer großen Cupparty beitragen“, lädt Scheiber zu einem alljährlichen Highlight im Tiroler Fußball-Unterhaus – mit DJ in der Kantine.



