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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 13.06.2012

Union und Reichenau spielen nächste Saison in der Tiroler Liga

Die gestrige Präsidiumssitzung des Tiroler Fußballverbands war eine heiße Sache. Landeck-Obmann Wolfgang Jörg hoffte vergeblich auf Gehör.

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Von Alex Gruber

Innsbruck, Landeck – Im Tiroler Oberland schlägt es morgen (18.30 Uhr) ausgerechnet in einem Derby High Noon. Im Klassiker Landeck gegen Zams wird über den dritten Absteiger aus der Landesliga West entschieden. Den Hausherren reicht ein Punkt, die Gäste müssen siegen. Dass die (erhöhte) Anzahl der Absteiger unweigerlich wieder zum Blick nach oben führt, liegt in dieser Frühjahrssaison ohnehin auf der Hand.

Über das Ansuchen von Westligist Union, aus wirtschaftlichen Gründen aus der Westliga absteigen zu können, wurde gestern bei der Präsidiumssitzung des TFV ebenso abgestimmt wie über den Aufstiegsverzicht von UPC Tirol Liga Meister Reichen­au. Beiden Ansuchen wurde stattgegeben. Beide Klubs werden nächstes Jahr in der Tiroler Liga agieren.

Die Causa im Fall des SV Axams scheint ebenso klar: Weil der Masseverwalter Richtung TFV-Präsident Josef Geisler signalisierte, dass der Verein konkursbefreit wieder zur eigenen Entscheidungsbefugnis gelangt, ist die neue Saison in der Landesliga West auch von den Statuten gesichert. „Wer lesen kann, kann nicht überrascht sein“, gab Geisler bereits vor den Abstimmungen des siebenköpfigen Präsidiums zu Protokoll. Der insolvente Erstliga-Absteiger SV Wörgl wurde im Sommer 2005 auch in den Landesverband (Tiroler Liga) integriert. Damals war noch Erwin Lentner Präsident.

Zurück in die Gegenwart, die einen auch zu Landeck-Obmann Wolfgang Jörg führt. Der ist wie Geisler ebenfalls Jurist, somit ein Freund von klaren Statuten und gegen jede Polemik. Die Causa Axams und der Verzicht der Reichen­au stoßen bei allem Rechtsverständnis einem treuen Vereinsfunktionär doch sauer auf: „Vereine, die vernünftig wirtschaften, sind gegenüber anderen, die Spieler kaufen und auch die Liga über Jahre verändern, die Dummen. Ein Konkurs oder Sanierungsverfahren hat ja keine Vorbildwirkung.“

Jörg hofft, dass Geisler mit seinem Team die Statuten in Zukunft ändert. Und zwar dahingehend, dass Klubs, die über ihre Verhältnisse leben, auch sportlich irgendwie zur Rechenschaft gezogen werden. Ohne ihn falsch zu verstehen: „Wer zahlen will und zahlen kann, der soll meinetwegen. Das kann man ja keinem verbieten.“ Den zweiten Appell richtet Jörg bezüglich Tiroler-Liga-Meister an den Verband: Ein (weiterer) Aufstiegsverzicht würde auch den TFV in keinem guten Licht repräsentieren. Selbst hat der Landeck-Obmann, der im Oberland voller Stolz auf eine gelungene Nachwuchsabteilung verweist, dem „bezahlten Fußball Abbitte geleistet“. Mit einer frommen Hoffnung: „Ich hoffe, dass das kommende Derby zwischen Landeck und Zams kein Entscheidungsspiel wird. Wir brauchen uns gegenseitig.“ Er wurde auf der Präsidiumssitzung nicht erhört, seine Worte sollten aber mehr als nur zum Nachdenken animieren.

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