„Direktaufstieg nach Liga-Reform“
Wie fällt die präsidiale Saisonbilanz aus?
Geisler: Positiv mit Abstrichen. Aus sportlicher Sicht hat mich der souveräne, wenn dann letztlich auch unbedankte Westliga-Meistertitel der Wattener beeindruckt. Einige Irritationen und Unruhen in den letzten Wochen hätte ich mir, dem Verband und auch den Vereinen gerne erspart. Allgemein präsentierte sich das Tiroler Fußball-Unterhaus aber als stabiles, funktionierendes und unerschütterliches Gebäude.
Zu den Irritationen, dazu zählt wohl auch die leidige Relegation?
Geisler: Vorweg zur Chancengleichheit in den Regionen ein paar Zahlen: 44 Prozent aller österreichischen Fußballvereine sind im Osten, 40 in der Mitte und nur 16 im Westen vertreten. Meine Einstellung zum leidigen Thema ist bekannt. Der Direktaufstieg der Regionalligameister muss her.
Was aber nur mit einer umfassenden Reform möglich sein wird.
Geisler: Stimmt, und dafür werde ich mich auch im ÖFB-Präsidium starkmachen. Die Änderung des Ligaformates in der zweithöchsten Spielkasse, der „Heute für morgen“-Erste- Liga, ist überfällig. Damit meine ich eine entsprechende Aufstockung, die den Direktaufstieg der Regionalligameister möglich macht.
Wann könnte dann die Regionalliga-Reform starten?
Geisler: Wenn es zu einer schnellen internen Lösung zwischen ÖFB und Bundesliga kommt, bereits in der Saison 2013/14. Wir als Tiroler Verband haben die Westliga ja nicht mutwillig aufgekündigt. Es muss etwas passieren. Die heikle Aufgabe besteht jetzt darin, eine entsprechend sinnvolle wie machbare Lösung zu finden, die eine Qualitätssteigerung zumindest nicht verhindert.
Die Westliga-Situation war ja auch Ursache für weitere Irritationen.
Geisler: Leider. Der Aufstiegsverzicht des Tiroler-Liga-Meisters Reichenau sowie der Verzicht auf Ligaverbleib der Union sorgte für Diskussionen. Ich bleibe dabei, dass man keinen Verein in ein überregionales, wirtschaftliches Abenteuer stürzen soll. Der Verband hat auch reagiert. In Zukunft wird ein Aufstiegsverzicht mit neun Minuspunkten in der neuen Saison geahndet.
War der Ausschluss der Reichenauer im ÖFB-Cup ein Strafaktion?
Geisler: Es gibt kein Statut, das dem Tiroler Meister einen Startplatz sichert. Es wurde in den letzten Jahren so gehandhabt, aber da herrschten auch noch andere Voraussetzungen. Nach der Pokalreform können wir nur noch vier Vertreter nennen. Außerdem wird im ÖFB-Pokal in Zukunft nur noch auf entsprechenden Plätzen mit dem Mindestmaß 90 x 60 m angepfiffen werden.
Wie bewerten Sie die 3:0-Niederlage der Reichenauer in Kundl, die den Abstiegskampf in der Tiroler Liga beeinflusste?
Geisler: Aufstellung und Spielweise kann und will ich nicht beurteilen. Die Optik ist gerade nach den Vorkommnissen der vergangenen Wochen zweifellos keine gute.
Wurde die Causa SV Axams richtig gelöst?
Geisler: Das lag und liegt mir im Magen. Grundsätzlich ist zu überlegen, dass ein Klub, der die Insolvenz anmeldet, nach der Gesundung in der zweiten Klasse anfangen sollte. Ich bin allerdings gegen eine Muss-Bestimmung und plädiere für einen Kann-Statut, den das TFV-Präsidium nach eingehender Prüfung exekutiert.
Der Tiroler Fußballverband führt auch die Akademie. Eine Konstellation, die sich ändern sollte?
Geisler: Grundsätzlich wäre es sicher von Vorteil, wenn ein Bundesligaklub diese Institution trägt. Aber nur wenn die entsprechende wirtschaftliche Gewähr vorhanden ist. Wir haben nach der Insolvenz des FC Tirol das damalige Bundesnachwuchszentrum übernommen und in den Akademiestatus mit Standort am Flughafen geführt. Kontinuität ist der Grundpfeiler, und den sichert der Verband.
Zufrieden mit Entwicklung und Leistung der Talente?
Geisler: Jein. Fakt ist, dass uns die Besten immer früher verlassen. Zeigt einer in diversen Auswahlen auf, dann sind schon die Scouts aus dem In- und Ausland zur Stelle. Jüngstes Beispiel ist der 16-jährige Michael Lercher, der zu Werder Bremen wechselt. Das ist im Grunde erfreulich, doch die juristische Situation ist unbefriedigend, denn laut FIFA-Statuten gehen Verband und Stammverein praktisch leer aus. Die Ausbildungsentschädigung müssen wir uns in so einem Fall von den Eltern holen. Nicht ganz zufrieden bin ich mit der sportlichen Lage der Tiroler Fußballakademie. Es ist schon klar, dass die Entwicklung im Vordergrund steht, doch die sollte sich schon auch in Ergebnissen ausdrücken. Das Problem ist altbekannt – Tirol hat keinen Zweitligisten und damit fehlt ein wichtiges Puzzleteil in der Ausbildungsschiene.
Wie ist es um die Zusammenarbeit des TFV mit dem FC Wacker bestellt?
Geisler: Im Vergleich zur Vergangenheit war das vergangene Jahr ein gutes. Doch ich werde mich dafür starkmachen, dass zu den bislang bilateralen Gesprächen auch noch Wattens eingebunden wird.
Wünsche für die nähere Zukunft?
Geisler: Dass sich die gegenseitige Wertschätzung zwischen Verband und Vereinen bessert. Wir haben doch alle das gleiche Ziel. Ich habe als Präsident meinen 150 Klubs einen geordneten Spielbetrieb zu gewährleisten. Jeder Verein hat sein Einzelinteresse im Visier, gegenseitige Schuldzuweisungen bringen nichts. Außerdem liegt mir am Herzen, dass nach den beiden freundschaftlichen Länderspielen gegen die Ukraine und Rumänien im Tivolistadion ein spannendes WM-Qualifikationsspiel ausgetragen wird.
Das Gespräch führte Wolfgang Müller



