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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 30.07.2012

Großer Favoritenkreis: Die Tiroler Liga gewinnt an Stärke

Zwei Westliga-Absteiger (Hall, Union), der verbliebene Vorjahresmeister (Reichenau) sowie Ex-Bundesligakicker (Bilgen, Schmid) stehen vor dem Auftakt für ein extrem starkes Feld in der UPC Tirol Liga.

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Von Alex Gruber

Innsbruck – Es ist und bleibt ein eigenes Kapitel, wie das seit einiger Zeit wohl stärkste Teilnehmerfeld der Tiroler Liga durch den Aufstiegsverzicht der Tiroler-Liga-Spitzenteams sowie den freiwilligen Westliga-Rückzug der Union zustande kam. Die Reaktion des Tiroler Fußballverbandes blieb bekanntlich nicht aus: Der neue Meister der Saison 2012/13 wird bei einem Aufstiegsverzicht mit neun Minus-Punkten sowie dem Verlust eines möglichen ÖFB-Cup-Platzes bestraft. Im Positiven ist aber Fakt, dass selten so viele Hochkaräter und Spitzenteams in der höchsten Amateurklasse Tirols, in der am Freitag der Anpfiff fällt, zu sehen waren.

Der Titelverteidiger: Meistermacher Thommy Lenninger verabschiedete sich in der Reichenau zumindest vorläufig in die (Fußball-)Pension, Flo Schwarz sitzt in seiner ersten Saison als Kampfmannschaftstrainer am Ruder: „Das Erbe ist nicht schwer, weil die Voraussetzungen in dieser Saison ganz anders sind. Die Liga ist viel stärker als letzte Saison, wo es einfacher war, Meister zu werden“, nennt Schwarz Teams wie Schwaz, Hall oder Reutte als Mitfavoriten. Nach einigen Ab-und Zugängen (Mittermair und Perstaller kamen aus Telfs) gibt er sich vor dem Auftakt optimistisch: „90 Prozent der Truppe ist eingespielt. Ich glaube, wir sind stärker geworden. Ziel bis zum Winter ist ein Platz unter den Top vier.“

Die (Mit-)Favoriten: Diese Liste ist lang. Und immer und immer wieder fällt der Name des SC Schwaz. Im Gegensatz zu dem einen oder anderen Klub will der Verein wirklich hoch in die Westliga. Ein qualitativ hochwertiger Kader wurde mit Ex-Wacker-Routinier Bülent Bilgen, Raphael Wechner (Union), Heimkehrer Benni Reiter (zuletzt Wattens), Kolsass-Torjäger Cagri Toprak sowie Sandro Essl (Buch) verstärkt. „Wir haben eine richtig gute Mannschaft“, nickt Coach Martin Hofbauer in der Knappenstadt. Nachsatz: „Jedes Spiel muss aber erst einmal gespielt werden. Der Start ist wichtig.“

Und der Kreis der weiteren Titelanwärter ist lang. Bei Vorjahres-Vize Imst kicken alle verdienten „Dinos“ (Höllrigl, Notar, Linser) weiter, der Kader wurde ergänzt: „Es wird schwer, die Vorjahressaison zu wiederholen. Ich glaube aber, dass wir unsere Qualität wieder gesteigert haben“, führt Trainer Thomas Schatz aus. „Die Liga ist sicher stärker geworden. Fünf bis sechs Teams werden vorne mitmischen. Es könnte auch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft werden“, ergänzt er mit Blick aufs 16-köpfige Ligafeld.

Hall-Coach Aleksandar Matic, der gegenwärtig 30 Mann der ersten Tiroler-Liga- und zweiten Gebietsliga-Mannschaft unter einer Trainingsdecke vereinigt, will angesichts dieser Ausgangslage keine großen Worte über große Ziele verlieren: „Ich habe zurzeit einen Monsterjob. Wir müssen bis zum Winter schauen, wie sich das entwickelt.“ Union-Coach Sepp Pranter, der beim Auftakt gegen die Haller womöglich auf Spielmacher Safet Todorovic (Gehirnerschütterung) verzichten muss, formuliert die Zielsetzung nach dem freiwilligen Westliga-Rückzug neutral: „So weit wie vorne mitspielen“. Einen Platz im Spitzenfeld trauen viele auch Reutte mit Trainer-Heimkehrer Rudi Trakies zu. Vorjahres-Aufsteiger Völs scheint wieder für Überraschungen gut.

Das Ligamittelfeld: „Wir, Kirchbichl, Kundl, Kitzbühel“, nennt SVI-Coach Hans Glabonjat, der Torschützenkönig Michael Simic an die Wacker Amateure verlor, eine mögliche Liste. „Meistens kommt es aber ohnehin anders, als man denkt“, will er sich vor dem ersten Ballkontakt nicht in großen Spekulationen ereifern.

Kitzbühel rüstete den Kader u. a. mit Ex-Wacker- und Kapfenberg-Profi Manuel Schmid auf. Der 30-Jährige ist nach eineinhalbjähriger Verletzungspause (Keim im Knie nach OP) einfach froh, wieder gesund zu sein: „Für mich ist wichtig, dass ich spiele. Wir sind ein intaktes Kollektiv“, will er einen Teil beisteuern, dass Kitzbühel nicht wie in der Vorsaison in Abstiegsgefahr gerät. Kematen verlor mit Christian Schieder (Karriereende wegen chronischer Knieprobleme) einen der Protagonisten einer überaus erfolgreichen Frühjahrssaison. Kundl baut indes wie schon im letzten Spiel auf der Trainerbank auf die Dienste von Markus „Schuh“ Rissbacher.

Die Aufsteiger: „Das Grundziel für jeden Aufsteiger ist es, in der Liga drinnen zu bleiben. Wir sind eine eingeschworene Truppe, die zusammenhält“, spricht bei Landesliga-Meister Fügen Coach Thommy Pfeiler, der eine „87-prozentige Trainingsbeteiligung“ als nicht unwesentlichen Erfolgsfaktor nennt. Die Heimspiele im Herbst müssen die Zillertaler auf Kunstrasen austragen, weil der Hauptplatz saniert wird: „Ob das ein Vorteil ist, wird man sehen.“ Bei Landesliga-West-Champion Mötz/Silz ist der Star ebenfalls eine eingeschworene Mannschaft. Die jungen Oberländer – Christoph Albrecht ist mit 28 Lenzen der (weitaus) Älteste – setzen auf viel Jugend und das Fingerspitzengefühl von Coach Jürgen Soraperra, der schon in der abgelaufenen Saison mit seinem Team die vermeintlich höher eingeschätzte Konkurrenz düpierte. „Die Liga ist stark, wir wollen sie trotzdem halten. Und jetzt freuen wir uns einmal mit der Aufstiegseuphorie riesig auf das Heimspiel gegen Imst. Es geht bei null los. Einen besseren Auftakt kann‘s nicht geben“, fiebert Obmann Christian Lechner dem Derby am Freitag (Anstoß in Silz ist um 20 Uhr) entgegen. In weiterer Folge liegt die Wahrheit wie immer am Platz.

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