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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 12.09.2012

Ein schöner Trainer-Zirkus

Im Tiroler Fußball-Unterhaus raschelt‘s. Jetzt sucht auch Landeck einen neuen Coach.

Von Alex Gruber und Toni Zangerl

Innsbruck – Momentan vergeht beinahe kein Tag, da nicht irgendein Tiroler Fußball-Klub einen Trainerabgang bzw. -wechsel vermeldet. Nachdem sich zuletzt Tirol-Ligist FC Kitzbühel trotz eines 3:1-Sieges bei Mötz/Silz überraschend von Gerhard Fluckinger trennte, um mit Alex Markl auf einen Erfolgscoach vergangener Tage zu bauen, war kaum 24 Stunden später Landesliga-Absteiger Landeck dran.

Nach nur einem Sieg, einem Remis und vier Niederlagen nahm der Vorstand das Rücktrittsgesuch von Coach Josef Nagl an. Dabei hatte der erst im Sommer die Agenden beim Oberländer Traditionsklub übernommen. „Es musste ein Zeichen gesetzt werden“, sagte Landeck-Obmann Wolfgang Jörg, der nach wie vor mit den Nachwehen des Abstiegsschlamassels zu kämpfen hat: „Ein Abstieg ist wie ein K.o.-Schlag. Das Ganze wirkt länger nach, als man glaubt. Die Mannschaft ist total neu formiert, einige Spieler haben aufgehört bzw. haben gewechselt und die neue sportliche Perspektive muss man sich hart erarbeiten. Das wissen wir.“ Interimistisch übernehmen Co-Trainer Peter Senn und Marcel Bock das Amt Nagls, die Nachfolgekandidaten werden sondiert.

Aus ähnlichen Gründen wie Landeck berief bereits Tiroler-Liga-Absteiger St. Johann Herbert Sevignani von seiner Doppelfunktion als sportlicher Leiter und Trainer zurück, um vor gut einer Woche Emir Music als neuen Coach beim aktuellen Tabellenschlusslicht der Landesliga Ost zu installieren. Westliga-Absteiger Union hatte sich nach drei Runden von Coach Sepp Pranter getrennt, um mit Matthias Zimmerling einen Erfolgslauf zu starten.

Die Liste lässt sich auch weiter unten – und dort erst nach sechs gespielten Runden – fortsetzen: Gebietsligist Natters trennte sich vor geraumer Zeit von Gerhard Christandl, um zuletzt unter Neo-Coach Kurt Matzler einen 1:0-Sieg über Landeck (das letzte Spiel unter Josef Nagl) feiern zu können.

Bei Ellbögen/Patsch wurde das Gespann Andreas Nairz/Manni Seyr auseinandergerissen und Helmut Schwaiger als zweiter Mann neben Nairz installiert, der sich darüber echauffierte: „Damit bin ich nicht einverstanden.“

Verwunderlich, dass die eigens eingerichtete Trainerbörse – Vereine und Trainer können ihre Wünsche betreffend Trainer- oder Mannschaftssuche für die kommende Spielsaison bekannt geben – auf der Homepage des Tiroler Fußballverbandes leer aufleuchtet. Dabei müsste es an dieser Stelle richtig rundgehen. Das tut‘s aber eher auf den Vereinsstammtischen. Geduld scheint dort keine Tugend mehr zu sein. Das Fußball-Unterhaus liefert schon wieder richtig viel Theater.